Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ausbildung

Die Zukunft der Landwirtschaft

Die jungen Landwirte können auf Unterstützer bauen: (v. l.) Sebastian Voglgsang, Frithjof Hylla, Manfred Bäuml (BS Höchstädt), Andreas Röger (Bestes Berichtsheft), Simon Oßwald (Platz 2), Kreisobmann Karlheinz Götz, Sebastian Häußler (Platz 1), Dr. Reinhard Bader (AELF), Veronika Meyer (Platz 3), Dominik Schlecht (Prüfungsausschussvorsitzender), stv. Landrätin Claudia Marb, Heinz Merklein (Bildungsberater) und Johann Bergmaier.
Brigitte Auer
am Montag, 05.09.2022 - 08:18

Die Landwirtschaft steht zunehmend im Fokus. Das war auch Thema bei der Abschlussfeier der Landwirte aus den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen.

Bissingen/Lks. Donau-Ries In einem Punkt war man sich einig: Die Landwirtschaft steht zunehmend im Fokus der Gesellschaft. In einem zweiten auch: Mit einer guten Ausbildung ist man für die wachsenden Herausforderungen gerüstet. 25 junge Frauen und Männer aus den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen erwarben 2022 über die beiden Bildungswege Berufsschule und Bildungsprogramm Landwirt die theoretischen und praktischen Kenntnisse für den Beruf des Landwirtes.

Zuletzt erhielten sie im Gasthof Krone in Bissingen in Anwesenheit ihrer Eltern und Ausbilder die Zeugnisse ausgehändigt. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Volksmusik-Ensemble Vierklang der Musikschule Wertingen. Staatlich geprüfter Landwirt kann man in Bayern auf zwei Wegen werden: Über die klassische duale dreijährige Ausbildung an den beiden Lernorten Berufsschule und Ausbildungsbetrieb oder über das Bildungsprogramm Landwirt, kurz BiLa.

Bildungsprogramm eröffnet Einblick in viele Bereiche

BiLa eröffnet Landwirten, die eine außerlandwirtschaftliche Erstausbildung und vier Jahre Berufspraxis im Haupt- oder Nebenerwerb nachweisen können, die Möglichkeit, sich in Themenfeldern wie Agrarstandards, modernen Produktionsverfahren, über Betriebswirtschaft und Steuerwesen zu informieren, den Sachkundenachweis Pflanzenschutz zu erwerben und bereitet auf die Berufsabschlussprüfung zur Landwirtin bzw. zum Landwirt vor. Organisiert wird die modularisierte Ausbildung von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Erstmals zeichnete die Regierung von Schwaben mit der Staatlichen Berufsschule Höchstädt und dem AELF Nördlingen-Wertingen für die Abschlussprüfung verantwortlich.

Durch die Veranstaltung führte Johann Bergmaier, Bereichsleiter Landwirtschaft bei der Regierung von Schwaben. Bildungsberater Heinz Merklein vom AELF Nördlingen-Wertingen und Absolventen der beiden Ausbildungsrichtungen gaben einen Rückblick auf die Ausbildungszeit, Prüfungsausschussvorsitzender Dominik Schlecht auf die Abschlussprüfung.

Landwirte arbeiten unter besonderer Beobachtung der Gesellschaft

„Landwirte arbeiten unter besonderer Beobachtung der Gesellschaft“, so Manfred Bäuml, stellvertretender Schulleiter der Berufsschule Höchstädt. Sie, die jungen Landwirte, seien die Zukunft. Eine sehr fordernde, aber wie Bäuml findet, auch sehr erfüllende Aufgabe. Die stellvertretende Landrätin Claudia Marb stellte einen erheblichen Wandel der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten fest, bedauerte vor allem die Hofaufgaben vieler familiengeführter Betriebe, die durch staatliche Vorgaben, Preisschwankungen auf den Erzeugermärkten und vieles mehr unter Druck geraten.

„In diesen verrückten Zeiten sind wir die kleinste Figur, aber vorne an der Front“, fand auch der Prüfungsausschussvorsitzende Dominik Schlecht. „Und wir werden wie immer die Kuh vom Eis holen.“ Dazu dürfe die Politik aber nicht zu sehr in das unternehmerische Handeln der Landwirte hineinwirken: „Wir können noch selbstständig, in guter fachlicher Praxis, unsere Arbeit machen.“

Johann Bergmaier äußerte die Beobachtung, wie selbstbewusst die Landwirte mit den Herausforderungen umgehen, und forderte die Absolventen auf: „Gehen Sie offen auf die Gesellschaft zu, gehen Sie in den Dialog mit der Gesellschaft!“ BBV-Kreisobmann Karlheinz Götz wünscht sich, dass die jungen Leute mit ihren neuen Ideen die Verbandsarbeit voranbringen: „Landwirtschaft ist nicht nur die Erzeugung von Lebensmitteln. Sie pflegt die Kultur, schafft Heimat, macht die Dörfer lebendig. Bringen Sie sich ins dörfliche Leben ein, engagieren Sie sich in Ehrenämtern!“

Zufriedene Absolventen

Der Abschlussjahrgang 2022 kann zufrieden sein: Erreicht wurde ein Gesamtdurchschnitt in der Abschlussprüfung von 2,90. Die Prüfung setzte sich aus einer Schriftlichen Prüfung in Pflanzenproduktion, Tierproduktion und Wirtschafts- und Sozialkunde am Berufsschulzentrum Höchstädt und einer Betrieblichen Prüfung zusammen, die in den Ausbildungs- bzw. Praxisbetrieben absolviert werden konnte. Von 17 Auszubildenden erreichten 15, von 18 Teilnehmern am BiLa 16 das Ausbildungsziel. Bei einer Absolventin steht krankheitsbedingt die Praktische Prüfung noch aus.

AELF-Chef Bader hob zum Ende der Veranstaltung den hohen Aufwand hervor, den die Gesellschaft in die Ausbildung der jungen Landwirtinnen und Landwirte investiert hat. Er verband damit die Bitte an die jungen Landwirte, sich durch den Erwerb der Betriebsleiterbefähigung an einer Landwirtschaftsschule oder einen Abschluss an einer Technikerschule weiterzuqualifizieren: „Machen Sie noch den nächsten Schritt!“

Die besten Absolventen

Alle Absolventen, die im Abschlusszeugnis der Berufsschule einen Schnitt von mindestens 1,5 erreicht haben, werden durch den Freistaat Bayern besonders gewürdigt. In diesem Jahr konnten sich drei junge Landwirte über die Ehrung freuen: Marco Hertle aus Großsorheim (DON) mit einem Notenschnitt von 1,27, Sebastian Reiner aus Petersdorf (AIC) mit 1,33 und Simon Oßwald aus Oberpeiching (DON), der als Bester mit einem Notenschnitt von 1,09 den mit 75 € dotierten Staatspreis entgegennahm. Den Sonderpreis für das beste Berichtsheft erhielt Andreas Röger aus Schretzheim (DLG), der seine Ausbildung im Betrieb von Martin Mohr in Schwendi (BC) und auf dem Boierhof GbR in Wilmering (CHA) absolviert hat. Platz 3 in der Abschlussprüfung erreichte Veronika Meyer aus Wittesheim (DON) mit einem Notenschnitt von 1,64. Ihre Ausbildungsbetriebe waren Hutter Agrar GbR in Rosenberg (AA) und der Betrieb von Hans-Josef Landes in Ammerfeld (ND). Platz 2 mit einem Notenschnitt von 1,57 in der Abschlussprüfung nimmt Simon Oßwald aus Oberpeiching (DON) ein, der auf dem Hof von Sebastian Frey in Rettingen (DON) und auf dem Biohof Hafner GbR in Feldheim (DLG) ausgebildet wurde. Auf Platz 1 kann Sebastian Häußler aus Finningen (DLG) stolz sein, der seine Ausbildung im Rahmen von BiLa mit einer Prüfungsnote von 1,45 abschloss.