Bilanz

Zuckerrübe: Weiterhin schwere Zeiten

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Michael Ammich
am Montag, 16.09.2019 - 15:57

LMZ Schwaben GbR: 2018 trotz Dürre und erschwerter Ernte ordentliche Erträge erzielt.

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Der Zuckermarkt wird den schwäbischen Zuckerrübenanbauern voraussichtlich auch in den kommenden Jahren wenig Freude machen. Seit dem Jahr 2013 hat sich der Zuckerweltmarktpreis mehr als halbiert, in Europa werden Zuckerfabriken geschlossen oder die Produktion wird eingeschränkt. Der Ärger der Landwirte richtet sich jetzt gegen die Südzucker AG und den Verband süddeutscher Zuckerrübenanbauer, der die Expansionsstrategie des Konzerns mitgetragen hat. Auch auf der Jahresversammlung der Landwirtschaftlichen Maschinengemeinschaft der Zuckerrübenanbauer (LMZ) Schwaben GbR verschafften sie ihrem Unmut Luft.
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Als erster geschäftsführender Vorstand der LMZ Schwaben begrüßte Erhard Schneider die Mitglieder in Aislingen zur 30. Gesellschafterversammlung. Er blickte auf das Anbaujahr 2018 zurück, das mit seiner extremen Frühjahrs- und Sommertrockenheit nicht nur den Rüben vor allem auf trockenen Standorten zu schaffen machte. Auch die Rübenroder mussten auf den harten Böden Schwerstarbeit leisten. Davon zeugt der hohe Materialverschleiß während der Kampagne vom 13. September 2018 bis zum 19. Januar 2019. „Mit den alten einreihigen Erntemaschinen hätten wir die Rüben gar nicht aus dem Boden gebracht“, stellte Schneider fest. Umso reibungsloser verlief die Abfuhr der Rüben. „Die Transport-Lkw konnten schadlos quer über die Äcker fahren.“

Expansionsstrategie
war ein Fehler

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Georg Stark, Vertreter der Region Schwaben-West im Ausschuss des Anbauerverbands, dankte der LMZ für ihre professionelle Arbeit. „Die Rübenanbauer wissen, was sie an der LMZ haben.“ Stark machte den Landwirten wenig Hoffnung, dass sich die Situation im Zuckermarkt auf absehbare Zeit ändern könnte. Er räumte ein, dass die Strategie der Südzucker AG vom Anbauerverband, wenn auch nicht völlig kritiklos, mitgetragen worden sei. Inzwischen habe der Konzern erkannt, dass seine Expansionsstrategie ein Fehler gewesen sei, sich daher wieder in den Heimatmarkt zurückgezogen und Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Dazu gehört auch die Schließung von zwei Zuckerfabriken. Das bedeutet für viele Anbauer längere und damit teurere Transportwege durch die Zuordnung zu einer anderen Fabrik. Auch deshalb hätten sich viele Landwirte aus dem Rübenanbau zurückgezogen.
Die Erträge lagen im vergangenen Jahr in Schwaben über dem fünfjährigen Mittel. Heuer startete die Zuckerfabrik in Rain ihre erste Biorüben-Kampagne. Dem Biorübenanbau begegnete Stark mit einem Schuss Skepsis: „Ich habe den Eindruck, dass über die Biorüben mehr geredet wird, als sie tatsächlich angebaut werden.“ Mit der Abnahme und Bezahlung der Biorüben durch die Zuckerfabrik im schweizerischen Frauenfeld seien die schwäbischen Anbauer bisher zwar gut gefahren, aber Lieferungen an die Südzuckerfabrik in Rain trügen zur Sicherung des Standorts bei, gab Stark zu bedenken. Die Ausdehnung des Biorübenanbaus hänge auch von der Entwicklung praktikabler Hackmaschinen ab, mit denen sich die bisher händische Unkrautregulierung auf den Biorübenäckern ersetzen lässt.
Die neue Rohstoffprämie betrachtet Stark als ein Instrument der Südzucker AG für die Auslastung ihrer Fabriken und für eine kostengünstige Produktion. Deshalb habe der Anbauerverband die Prämie von 2 bis 3 €/dt Zuckerrüben mitgetragen. Gleichwohl spiele der Verband gegenüber dem Südzuckerkonzern „nicht immer nur die Rolle des Jasagers“, so Stark. Er bat die Anbauer um Rückendeckung für ihren Verbandsvorsitzenden Helmut Friedel, damit dieser gestärkt in die Verhandlungen mit der Südzucker AG gehen kann.
Gerhard Murmann von der Südzucker-Rohstoffabteilung in Rain rechnet für das Wirtschaftsjahr 2019/20 mit einem Minus von 200 bis 300 Mio. € im Zuckerbereich des Gesamtkonzerns. Wie die Südzucker AG denken auch die europäischen Wettbewerber an Restrukturierungsmaßnahmen wie die Schließung von Zuckerfabriken oder die Einschränkung der Produktion, erklärte Murmann. Der Verfall des Zuckerpreises sei vor allem für solche Unternehmen ein Problem, die lediglich die Zuckerproduktion in ihrem Portfolio haben. Bewegte sich der Weltmarkt-Zuckerpreis 2013 noch bei rund 700 €/t, so gab er bis zum Mai 2019 auf rund 320 € nach.
Heuer erfolgte die Aussaat der Zuckerrüben zwei Wochen früher als im Vorjahr von Ende März bis Anfang April unter sehr guten Witterungs- und Bodenverhältnissen. Nach dem Auflaufen zeigte sich eine durchschnittliche Bestandsdichte von 87 000 Rübenpflanzen pro Hektar. Aufgrund von Verschlämmung, Verbiss oder Frost mussten rund 800 ha Rübenfläche umgebrochen werden. Für eine gute Entwicklung der Rüben sorgten die Niederschläge im August. Während sich der Blattlausbefall heuer bislang in Grenzen hält, bereitet der Erdfloh umso mehr Probleme. Dennoch wurde ein wöchentliches Blattlaus-Monitoring gestartet, damit die Anbauer den gezielten, effizienten Bekämpfungszeitpunkt finden können. Das ist auch deshalb wichtig, weil mit den Neonicotinoiden ein wirksames Mittel gegen die Blattlaus weggefallen ist.
Sorgen bereitet auch der Vormarsch der Cercospora-Blattfleckenkrankheit, gegen die manche Spritzmittel nach und nach ihre Wirksamkeit verlieren. Umso wichtiger ist die Wahl von gesunden Zuckerrübensorten. Diese müssten zwar ebenfalls gegen Cercospora gespritzt werden, seien aber deutlich weniger anfällig. Proberodungen im Rainer Anbaugebiet lassen für die Kampagne 2019 auf einen Zuckerertrag schließen, der sich gut im langjährigen Mittel bewegt. Murmann rechnet mit einem durchschnittlichen Rübenertrag von 89 t/ha. In der laufenden Kampagne werden in Rain voraussichtlich 1,8 Mio. t Rüben verarbeitet.

Wenig Biorübenanbau im LMZ-Gebiet

Die auf eine Woche angesetzte Ernte der Biozuckerrüben begann am 9. September. Den Flächenumfang des Biorübenanbaus im Rainer Gebiet behielt Murmann für sich, um den Wettbewerbern nicht in die Hände zu spielen. Aus der Vorstandschaft der LMZ Schwaben war jedoch zu erfahren, dass sich die Biorübenfläche im LMZ-Gebiet auf lediglich 22 ha beläuft. Michael Ammich