Vor Ort

Ziel ist die perfekte Kuh

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Josef Berchtold
Josef Berchtold
am Mittwoch, 03.02.2021 - 18:12

Hubert Kleinheinz aus Rettenberg betreibt seinen Betrieb im Nebenerwerb – und trotzdem sehr intensiv.

Hubert Kleinheinz aus Rettenberg hat beruflich schon einige Stationen gemeistert: Er ist gelernter Schreiner, arbeitete als Akkordholzer und auf dem elterlichen Betrieb sowie seit einigen Jahren in einem Erd- und Gartenbauunternehmen. Vor fünf Jahren stieg er in den Betrieb seiner Frau bzw. seiner Schwiegereltern ein. Auch Huberts Frau Gertrud ist berufstätig, derzeit aber vorwiegend mit den beiden Kindern Moritz (4) und Emma (2) beschäftigt.

Am Betrieb hilft die ganze Familie zusammen. Hubert Kleinheinz ist leidenschaftlicher Bauer und führt den Betrieb sehr intensiv. Mit seinem Schwiegervater baute er den Anbindestall auf höchste Komfortstufe mit 125 bis 130 cm Standbreite und Stroh-Einstreu um. Es wird Kombinationshaltung betrieben. Die große Leidenschaft des Betriebsleiters gilt der Braunviehzucht und sein Ziel lässt aufhorchen: „Ich will die perfekte Kuh“.

Durch den Zukauf einiger Tiere aus dem Allgäu und aus Österreich wurde eine kleine, aber feine Herde aufgebaut. Der gleitende Herdenschnitt liegt bei rund 12 000 kg Milch und Kleinheinz versucht, die perfekte Mischung von Leistungs- und Exterieurzucht zu meistern. „Ohne ein gutes Exterieur halten die Kühe eine hohe Milchleistung nicht lange durch“, sagt er voller Überzeugung.

Vasir hat überzeugt

Besonders bei den Eutern hat er hohe Ansprüche. Vernachlässigen dürfe man die Leistung aber nicht: Mit Kühen, die nicht genug Milch geben, kann Kleinheinz nichts anfangen. Unabhängig davon, ob ein Betrieb im intensiven Ackerbaugebiet – oder so wie bei ihm – im reinen Grünland ist: Es lohne sich in den meisten Fällen, eine hohe Milchmenge pro Stallplatz zu melken.

Auf die Frage, welchen Stier er aus der Vergangenheit noch in besonders guter Erinnerung hat, zögert er nicht lange: „Im elterlichen Betrieb haben wir die besten Erfahrungen mit Vasir gemacht“, sagt er. Der Vinozak-Sohn brachte eine enorme Leistung und zudem noch ordentliche Euter. Etwa ein Drittel der Herde bestand aus Vasir-Töchtern und als der Stier bei der Besamungsstation Memmingen abging, kauften sie noch eine größere Anzahl gesexter und konventioneller Dosen zu. „Vasir war unser Stier“, betont er.

Exterieur steht im Fokus

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Zwischenzeitlich streut Kleinheinz breiter und achtet auch auf das Exterieur sehr stark. Durch eine intensive Fütterung sowie durch Zukauf konnte er die Herde in der Leistung deutlich steigern. Als Väter tauchen heute Payssli, Brookings, Dally, Jukebox, Gerry, Puck, Harrison, Lennox, Biver und Hidalgo in seiner Herde auf, in den vergangenen Jahren hat er vor allem mit Blooming sowie mit Barca und Dynamite gearbeitet.

Auf eine Kuh ist Kleinheinz besonders stolz: Blooming Fanfare (2/1 305 9982 3,71 3,35) geht auf Huray-Tochter Fanfare (+7/7 305 13 275 4,20 3,54) zurück, die in seinem elterlichen Betrieb nicht nur im Stall, sondern auch im Schauring gute Arbeit machte. Aus ihr steht bereits Nachzucht von Salomon und Dynamite (2) im Jungviehstall. Auch Payssli Rivera (2/1 305 10 788 3,78 3,24) aus Huray Rocky und Brookings Dana (4/3 305 9646 4,57 3,64) aus Vasir Daysi gehen auf den Betrieb von Huberts Eltern zurück. Aus Dana konnte er bereits eine 1er Puck-Jungkuh auf der Auktion vermarkten, eine gute Hidalgo-Jungkuh und ein Hidaldo-Rind stehen in seinem Stall.

Gut funktionieren die drei Kühe, die Hubert Kleinheinz in Tirol und Vorarlberg gekauft hat. „Brookings Swenia hat einen brutalen Typ“, sagt er über die Drittkalbskuh (3/2 9934 4,23 3,55), die er als Kalbin erwarb und die auf eine Huray-Tochter im Montafon zurückgeht. Als „Spezialkuh mit gutem Euter“ bezeichnet er Dally-Tochter Anna (3/2 9026 4,30 3,71; MV: Jongleur), die über Imst ins Allgäu kam und bereits mit Nachzucht von Blower und Blooming vertreten ist. In Rotholz ließ er nach einem „WhatsApp-Tipp“ eines Züchterkollegen die Nabucco-Tochter Giselle (4/4 9413 3,84 3,55) steigern, die in der 4. Laktation mit 12 000 kg Milch glänzte.
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Auch Kühe wie Pirlo Selina oder Jukebox Dora (4/3 9214 4,33 3,56) aus der Herde von Huberts Schwiegervater Josef Beißer liefern gute Ergebnisse. Hanna (1/100 3484 4,37 3,26) hat mit der Kombination Cadi × Voltaire × Molog ein rein bayerisches Pedigree. Und auf noch eine Kuh ist der Braunviehzüchter stolz: Gerry-Tochter Bella (4/3 9376 4,67 3,87) wurde für die Herz GbR, Wagneritz, Honorable Mention bei der Jungzüchterschau 2017 in Bad Waldsee und überzeugt jetzt in Kleinheinz‘ Herde.

Neben der Leistung legt Kleinheinz besonders Wert auf gute Euter. „Eine Kuh mit gutem Euter kannst Du immer gut verkaufen“, sagt er. Besonders die Kollegen aus Tirol und Vorarlberg honorieren eine Top-Euterqualität. Den ‚Kick‘ für das Schauwesen hat er 2012 bekommen, als er mit fünf Kühen des elterlichen Betriebes an der BZG-Schau in Kempten teilnahm. Und warum nimmt er auch im Nebenerwerb den Aufwand auf sich? „Weil ich ein leidenschaftlicher Viehzüchter bin“, sagt Kleinheinz.

Betriebsspiegel

  • Lage: Rettenberg im Allgäu, 850 m NN;
  • Arbeitskräfte: Hubert und Gertrud Kleinheinz, Gertruds Eltern Josef und Thea Beißer;
  • Fläche: 13 ha intensives Grünland (5 Schnitte) plus 9 ha Alp;
  • Viehbestand: 11 Kühe und 19 Stück Jungvieh;
  • Herdenleistung: 12 288 kg Milch mit 4,41 % Fett und 3,78 % Eiweiß;
  • Molkerei: Milchwerk Bad Wörishofen (Vache Bleu), Nettomilchpreis bei 4,2/3,4: 32,3 ct + Qualitäts-/Bergbauernzuschlag ca. 1,2 ct;