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Milcherzeuger

Zähes Ringen um den Milchpreis

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Toni Ledermann
am Montag, 27.06.2022 - 10:07

Im Jahr 2021 hat die MEG Ottobeuren in Erkheim 1,3 Mio. kg Milch weniger als im Vorjahr erzeugt.

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Erkheim/Lks. Unterallgäu - Auch bei der MEG Ottobeuren konnte nun wieder eine Jahresversammlung in Präsenz stattfinden. Die Finanzen seien stabil, wie Vorsitzender Hugo Mayer mitteilte. Die MEG hatte zu Jahresbeginn 125 aktive Milchlieferanten. Die Anlieferung an die Käserei Champignon betrug 49,9 Mio. kg Milch.

Im Jahr 2021 waren das etwa 1,3 Mio kg Milch weniger als im Vorjahr, was Mayer auf zwei ausgeschiedene Mitglieder und eine unzureichende Grundfutterqualität sowie hohe Kraftfutterpreise zurückführte. „Für die gesamte gelieferte Milch im vergangenen Jahr bekamen wir von Champignon ein Nettomilchgeld ohne Nachzahlung von 18.656.716 € überwiesen. Die Nachzahlung für das Jahr 2021 betrug 0,6 ct/kg, wodurch wir einen Jahrespreis für 2021 von 37,98 ct erreichten“, rechnete Mayer vor.

Kostenseite steigt

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Von Anfang des vergangenen Jahres bis ungefähr zur Jahresmitte sei es ein zähes Ringen um den Milchpreis gewesen, berichtete Mayer von den Preisverhandlungen. „Ab Mitte des Jahres stieg aber nicht etwa der Milchpreis, sondern die Kostenseite aufgrund der rasant gestiegenen Energie- und Futtermittelpreise.

Gleichzeitig wurde weniger ermolken, wegen der schlechten Grundfutterqualitäten. Im vierten Quartal sei der Milchpreis dann auf 41,6 ct erhöht worden. Dies sei im übrigen das letzte Milchpreisgespräch mit Michael Schalk gewesen. Man wolle sich mit einem Präsent bei Herrn Schalk verabschieden.

Im Jahr 2022 habe die MEG erstmals mit dem neuen Milcheinkäufer Rafael Schüle verhandelt, mit dem Ergebnis „nach langer Verhandlungsrunde“ zu einer Milchpreissteigerung um 4 ct und nochmals im April um 1,5 ct zu kommen. Mayer hatte dabei nach eigenen Worten „das Gefühl etwas Positives erreicht zu haben“, obwohl auch dieser Preis nicht ausreichte, um die Kosten vernünftig zu decken.

Neuer Milcheinkäufer

Schüle stellte sich den MEG-Mitgliedern vor und referierte über „Aktuelles von der Erfassung bis zur Qualität“. Corona habe auch die Molkereien vor große Herausforderungen gestellt und das Thema sei „immer noch nicht vom Tisch“. Viele wichtige Märkte seien zusammengebrochen. Im Inland habe Champignon vor allem beim Markengeschäft zulegen können. Das Schließen von Gaststätten sei freilich nicht gut gewesen, dadurch sei Kaufpotenzial weggefallen. Problematisch sei auch die Transport-Situation, da viele Speditionen nicht mehr über ausreichend Fahrer verfügten.

Lebensmittel brauchten einen höheren Preis an der Kasse, sagte er. Auch einen Milchpreis-Aufschlag hält Schüle für nötig, nicht zuletzt um die Produktionskosten der Landwirte aufzufangen. Es sei eine große Herausforderung vom Handel mehr zu bekommen, sagte Schüle weiter. Der Handel müsse einsehen, dass die Molkereien und somit auch die Bauern mehr Geld benötigten.

Molkerei war Cyber-Angriff ausgesetzt

Schüle berichtete auch davon, dass Champignon einem Cyber-Angriff ausgesetzt war. Für die Unannehmlichkeiten, die die Bauern in dieser Zeit ausgesetzt waren, entschuldigte er sich.

In der Diskussion forderten mehrere Bauern den Milcheinkäufer auf, den Druck auf den Lebensmittelhandel zu erhöhen, um bessere Preise durchzusetzen und an die Landwirte weiterzugeben. Andreas Blank machte deutlich, dass die Bauern den Rohstoff sicherten, ohne den keine Molkerei arbeiten kann! Ein weiterer Landwirt wies darauf hin, dass Junglandwirte aufgrund der unsicheren Situation keine Ställe mehr bauen oder ganz aussteigen. Ein weiterer brachte die derzeitige Situation auf den Punkt: „Dies hat nichts mit Jammern zu tun. Wir sind an dem Punkt angelangt, wo es auf längere Sicht nicht mehr geht!“ Und Hugo Mayer bekräftigte: „Lebensmittel brauchen endlich ihren fairen Preis!“