Lebensziele

Wollen Familienbetrieb bleiben

Tobias Lang
Susanne Lorenz-Munkler
am Montag, 02.09.2019 - 15:33

Angehende Landwirtschaftsmeister äußern ihre Wünsche an die Zukunft.

Thomas Hartmann

Kempten Zu einer spannenden Zeitreise luden in diesem Jahr das AELF Kempten und seine Partner mit einer Sonderschau auf der Allgäuer Festwoche ein. Dabei durften die Besucher nicht nur einen Blick zurück werfen in die vergangenen 70 Jahre Landwirtschaft. Sondern es gab auch einen Blick nach vorne. Was wird morgen kommen? Was sich die Verbraucher von der Land- und Forstwirtschaft der Zukunft wünschen, durften sie auf Karten schreiben und an einen Wunschbaum hängen. 1500 Wünsche werden derzeit im Amt ausgewertet. Doch was wünschen sich angehende Landwirtschaftsmeister und Hofnachfolger selbst von der Zukunft? Das Wochenblatt sprach mit Studierenden des zweiten Semesters.

Alexander Schön

Valentin Hummel (25) aus Wiggensbach im Oberallgäu ist heute schon „zur Hälfte Hofnachfolger“. Die Familie bewirtschaftet einen Bio-Heumilchbetrieb mit 60 Milchkühen und betreibt als zweites Standbein eine Biogasanlage mit 100 kW. Seine Wünsche für die Zukunft: „Ich möchte auch in Zukunft in dieser Betriebsgröße weiterwirtschaften können. Unsere ganze Familie blickt optimistisch in die Zukunft. Deshalb haben wir vor vier Jahren unseren alten Hof verkauft und einen neuen Hof gekauft.“ Damit es auch in Zukunft erfolgreich weitergehen kann, wünscht sich Hummel mehr Planungssicherheit und Preisstabilität für die erzeugten Produkte.

Michael Frehner

Die Familie von Markus Lang (21) aus Lachen im Unterallgäu bewirtschaftet einen konventionellen Milchviehbetrieb mit 60 Milchkühen und Jungvieh. „Für mich, meine Familie und die Region wünsche ich mir einen Stopp des Höfesterbens und dass auch kleinere Familienbetriebe eine Zukunft haben“, so Markus Lang. „Nur als solche können wir die Wertschätzung der Verbraucher zurückgewinnen.“ Nach seiner Ansicht wäre es sinnvoll, dass Verbraucher oder Politiker einmal ein Kurzpraktikum auf einem Bauernhof machen, um selbst zu erfahren, was die Landwirtschaft leistet.

Tobias Ihler
Alexander Schön (24) aus Waltenhofen im Oberallgäu möchte einmal den elterlichen Bio-Milchviehbetrieb mit 32 Milchkühen und Nachzucht übernehmen. Ein wichtiger Wunsch für die Zukunft ist ihm, „dass unser Berufsstand wieder das Ansehen bekommt, das er verdient“, sagt er. Außerdem möchte er auch in Zukunft die Betriebsgröße beibehalten und als bäuerlicher Familienbetrieb ein hochwertiges Lebensmittel produzieren. „Ein Produkt, das einen angemessenen Preis erzielt und entsprechende Wertschätzung beim Verbraucher hat.“
Valentin Hummel
Ein „Quereinsteiger“, der nicht aus der Landwirtschaft kommt und sich aus freien Stücken für diesen „tollen Beruf“ entschieden hat, ist Tobias Ihler (33) aus Argenbühl im Landkreis Ravensburg. Er und seine Frau Renate bewirtschaften einen Betrieb mit 100 Tieren undNachzucht sowie eine eigene Alpe. „Ich wünsche mir von der Zukunft wieder mehr Respekt vor unserer Arbeit und dass die Wertschöpfung der Lebensmittel, die wir produzieren, in der Region bleibt.“ Ihler sieht es kritisch, dass die Landwirtschaft immer abhängiger von EU-Fördermitteln wird. „Es wäre schön, wenn wir in Zukunft stattdessen wieder adäquate Preise für unsere Produkte erhalten würden.“
Michael Frehner (20) aus Benningen im Unterallgäu wünscht sich mehr Arbeitserleichterung durch technische Innovation, wobei das Tierwohl dabei aber nicht auf der Strecke bleiben dürfe. Die Familie hat einen Milchviehbetrieb mit 50 Kühen und Nachzucht, den er einmal übernehmen wird. „Ich möchte weiter als Bauer hochwertige Lebensmittel erzeugen, die in Deutschland möglichst regional vermarktet werden. Wir dürfen nicht von Lebensmittel-Importen abhängig werden. Deshalb sollten die Verbraucher jetzt und auch in Zukunft heimische Bauern unterstützen und ihnen die Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdienen.“
Thomas Hartmann (22) aus Herbisried im Unterallgäu ist Bauer aus Überzeugung und Leidenschaft. Er möchte den elterlichen Milchviehbetrieb mit 60 Milchkühen und Nachzucht einmal übernehmen, „weil mir der Beruf Landwirt sehr viel Spaß macht und ich mein eigener Chef bin“. Man sei auf EU-Fördermittel angewiesen, betont er, allerdings sollte seiner Meinung nach die Förderung Familienbetriebe, die nach ökologischen Gesichtspunkten wirtschaften, besserstellen. „Weniger Bürokratie und dass die städtische Bevölkerung wieder mehr Bezug zu unserer Arbeit bekommt“ steht auch auf seiner Wunschliste an die Zukunft.