Konzept

Wohlergehen für Mensch und Tier

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Margarete Schreyer
am Montag, 26.07.2021 - 07:41

Der Gemeinschaftshof Köpf bietet ein Hühnerschlachtmobil als Dienstleistung an. Die Hühner werden in mobilen Ställen gehalten.

Hopferau/Lks. Ostallgäu Klasse statt Masse, das ist die Philosophie auf dem Gemeinschaftshof Köpf in Hopferau. Brigitte und Andreas Köpf möchten nicht nur gesunde Lebensmittel erzeugen, sondern sie auch regional vermarkten und in ihrem Hofladen mit Aussichtsterrasse und Spielplatz gleichzeitig einen Raum für Begegnung schaffen. „Wir wollen die Möglichkeit bieten, Landwirtschaft hautnah zu erleben und den Einkauf als Erlebnis für groß und klein werden zu lassen“, beschreibt die Bäuerin das Konzept. Bis vor wenigen Jahren produzierte der Heumilchbetrieb mit 20 Kühen nur Milch für die Käserei Lehern in der unmittelbaren Nachbarschaft. Als Alternative dazu baute die Familie nun in den letzten Jahren verstärkt eine nachhaltige Hühnerhaltung mit mobilen Ställen aus.

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Mittlerweile stehen vier mobile Hühnerställe auf den Wiesen rund um den Hopferauer Ortsteil Wiedemen. Die flexiblen Ställe sind ehemalige Kühlanhänger, die in Eigenleistung umgebaut wurden. „Wir haben darin alles verbaut, was technisch möglich war“, erzählt Andreas Köpf. Die Anhänger werden rund alle 14 Tage versetzt, so erhalten die 150 Legehennen in jedem Stall immer wieder frisches Grün. In einem Hofgebäude werden zudem Hähnchen gemästet, die zwar keinen Auslauf, aber dafür sehr viel Platz haben. Wie viele Geflügelhalter stand der Betrieb vor der Herausforderung, einen regionalen Schlachter für die verhältnismäßig geringen Stückzahlen zu finden. Der Transport lebender Tiere über viele Kilometer zum nächsten Schlachthof kam für Familie Köpf nicht in Frage. Für eine stationäre Schlachterei war auf dem Hofgelände kein Platz. Auf einer Messe in Augsburg sahen sie dann ein Hühnerschlachtmobil, und waren sofort begeistert. Schließlich entschlossen sie sich zum Kauf des rund 60 000 € teuren Geräts. Ob für Huhn, Hahn, Gans oder Pute - Andreas Köpf kann damit eine tierschonende und stressfreie Schlachtung vor Ort auch anderen Geflügelhaltern als Dienstleistung anbieten.

Zwei getrennte Bereiche

Das EU-zertifizierte Schlachtmobil hat zwei sauber getrennte Bereiche. Im so genannten „schwarzen“ Bereich werden die Tiere elektrisch betäubt, gestochen, ausgeblutet, gebrüht und mit einer Maschine gerupft. Das Ausnehmen, Waschen und Abtropfen geschieht im „weißen“ Bereich. Danach geht es sofort in die Kühlung. Das Schlachtmobil erfüllt alle rechtlichen, hygienischen und tierschutzrechtlichen Vorgaben. „Den notwendigen Sachkundenachweis für Tätigkeiten wie Ruhigstellen, Betäuben und Töten haben mittlerweile vier Personen auf dem Betrieb“, macht Brigitte Köpf deutlich. Damit die Kühlkette eingehalten werden kann, wurde auf dem Betrieb eine Kühl- und Gefrieranlage errichtet.

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Nach geltendem Recht für Mobilschlachtung darf in Deutschland nur das eigene Geflügel in einem hofeigenen Schlachtraum geschlachtet werden, maximal 10 000 Tiere pro Jahr. Der Betrieb der mobilen Geflügelschlachtanlage gilt nicht als Lohnschlachtung, da dann das gemietete Fahrzeug auf dem eigenen Hof steht und eine Person mit Sachkundenachweis mit der Schlachtung des eigenen Geflügels beauftragt wird. Für den Betrieb der mobilen Schlachtung sind ein Wasseranschluss und ein Wasserabfluss für Schmutzwasser sowie zwei Kraftstromanschlüsse 16A/32A zur Stromversorgung notwendig. Außerdem sollte eine Entsorgungsmöglichkeit für Kadaver und eine Kühleinrichtung vorhanden sein.

Treffpunkt Hofladen

Als Treffpunkt für eine kurze Auszeit hat sich der neugebaute Hofladen entwickelt. Er ist täglich von 6 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Neben den eigenen Hauptprodukten, wie Eier, Hähnchen, Suppenhühner und Fleisch vom Weiderind, gibt es hier fast ausschließlich regionale Waren.

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So werden noch Heumilchprodukte aus der Käserei Lehern, Honigspezialitäten, Kartoffel, Kräuterkerzen, selbst gemachte Fruchtaufstriche und Liköre angeboten. Aus ihren Freilandeiern lassen die Köpfs in einer kleinen Nudelfabrik in Kaufbeuren verschiedene Eiernudeln herstellen. „Uns ist besonders der persönliche Bezug zu unseren Kunden und den Zulieferern wichtig“, macht die Bäuerin deutlich. Besonders freut sie, dass der Hofladen nicht nur eine Attraktion für Touristen ist, sondern die meisten Kunden aus der Region kommen. Über einen Newsletter ist zu erfahren, wann geschlachtet wird. Interessenten können dann im Internet oder telefonisch bestellen und ihr Geflügel oder Rindfleisch abholen. Daneben gibt es aber auch immer einen Vorrat an gefrorenem Fleisch.

Der große Spielplatz südlich des Hofladens ist ein Paradies für Kinder. Weitab vom Straßenverkehr bietet er in unberührter Natur viel Platz und die Nähe zu den Tieren, beobachtet Brigitte Köpf. Bei einer Tasse Kaffee und leckerem selber gebackenen Kuchen können die Eltern auf der Sonnenterrasse die Seele baumeln lassen und haben dabei trotzdem ihre Sprösslinge im Blick.

Auf dem Köpfhof leben und arbeiten drei Generationen. „Mit unseren vier kleinen Kindern wäre die vielfältige Arbeit ohne die Hilfe von Eltern und Schwiegereltern nicht zu schaffen“, betont die Bäuerin. Beim Schlachten und im Hofladen unterstützt die Familie zudem das Ehepaar Molnar aus der Nachbarschaft. „Wir sind ein tolles Team und mit dem Namen Gemeinschaftshof verbinden wir vor allem, dass es den Menschen und Tieren sowie der Natur im und um unserem Hof gut geht“, betonen die Betriebsleiter.