Wanderung

Wildkräuter: Sehen, riechen, fühlen und schmecken

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Michael Ammich
am Freitag, 06.11.2020 - 08:41

Bei einer Kräuterwanderung im Donauried gibt es viel zu entdecken.

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Die wunderbare Welt der Wildkräuter erwanderte sich eine Gruppe von Verbrauchern im Donauried bei Wertingen. Angeführt wurde sie von der Kräuterpädagogin und Volksheilkundlerin Maria Burlefinger. Sie öffnete den Teilnehmern die Augen für die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Beifuß, Brennessel, Malve oder Spitzwegerich in der Medizin und Küche. Ihre ebenso sachkundigen wie lebendigen Ausführungen ließen die Kräuterwanderer den strömenden Regen vergessen, der sie über zwei Stunden hinweg begleitete.

Ihr Handwerk als zertifizierte Kräuterpädagogin hat die Unterthürheimerin an zehn Wochenenden in der Gundermannschule gelernt. Dabei handelt sich um die erste anerkannte Fortbildungseinrichtung für Naturbildung, an der sich Absolventen seit dem Jahr 2002 als Kräuterpädagogen zertifizieren lassen können. An dem in Meerbusch in Nordrhein-Westfalen ansässigen Institut legte Maria Burlefinger nicht nur ihre theoretische und praktische Prüfung zur Kräuterpädagogin ab, sondern schloss gleich noch einen Aufbaulehrgang zur Volksheilkundlerin an.

Wissen über Heilkräuter

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Auf diesem Weg hat sich die gelernte Arzthelferin nicht nur viel Wissen in der Botanik und Pädagogik angeeignet, sondern auch umfangreiche Kenntnisse zur Anwendung von Heilkräutern. Diese gibt sie gerne auf Vorträgen, beispielsweise an der Volkshochschule, und eben auch auf Kräuterwanderungen weiter. Seit dem vergangenen Jahr führt Burlefinger solche Touren auch für das AELF Wertingen durch.

Bevor es auf die zweistündige Wanderung ging, wurden die Teilnehmer von Angelina Konle begrüßt, die an der Landwirtschaftsbehörde derzeit ihre Anwartschaft auf den Beruf der Fachlehrerin durchläuft. Anlass der Wanderung war das von der Politik ausgerufene „Jahr der Biodiversität“. Die Teilnehmer sollten die vielen Pflanzenarten und ganz besonders ihre Heilwirkung schätzen lernen, wünschte sich Konle.

Das Donauried ist voll pflanzlicher Schätze

Von diesen Schätzen gab es im herbstlichen Donauried jede Menge zu sehen: Wildsträucher und Bäume mit ihren Früchten, bekannte Pflanzenarten wie die Brennesssel und den Spitzwegerich, aber auch weniger bekannte Arten wie den Beifuß, den Breitwegerich, den Wirbeldost, das Springkraut oder die Goldrute. Zu jedem Kraut wusste Maria Burlefinger zu erzählen, für welchen Zweck es sich verwenden lässt.

So wirkt ein Tee aus Spitzwegerich reizmildernd und hustenlösend, der Beifuß wird gern als Gewürz zu Fleischgerichten gegeben und der Wirbeldost enthält den antibakteriellen und antiviralen Wirkstoff Betulin, der die Aufmerksamkeit der Pharmakologen geweckt hat. „In der Natur gibt es immer etwas Neues zu entdecken“, sagte Burlefinger, und spannend werde es, wenn es an das Bestimmen der Pflanzenarten geht. „Nur wer die Namen der Pflanzen kennt, ist auch bereit sie zu schützen.“

Den Geschmack erfahren

Aber was wäre eine Kräuterwanderung, die sich nur auf die botanische Theorie, das Sehen, Riechen und Fühlen beschränkt? Daher war es nur konsequent, am Ende der Wanderung auch den Geschmackssinn anzusprechen. Dafür begaben sich die Teilnehmer nach Zusamaltheim zu Rita Augart, einer Hauswirtschaftsmeisterin und ebenfalls zertifizierten Kräuterpädagogin. Außerdem hat Augart eine Ausbildung zur Verkaufsleiterin im Fleischerhandwerk und zur Hygienefachfrau absolviert. Kräuterwanderungen bietet sie jedoch nicht an, sondern hat sich auf einen Cateringservice mit eigenen Räumlichkeiten verlegt.

Vor mehr als 20 Jahren bewirtschaftete die Familie Augart noch einen Milchviehbetrieb, nach der Aufgabe standen der Kuhstall und der Stadel leer. Daraus hat Rita Augart mit ihrer Familie einen urgemütlichen Gastraum mit Holzofen, Bar und Küche geschaffen. Die Räume lassen sich für geschlossene Veranstaltungen mit bis zu 35 Personen nutzen, das Catering übernimmt Augart sogar für bis zu 100 Personen.

Regionale und ökologische Produkte verwendet

Die Kräuter nimmt die Hauswirtschaftsmeisterin aus dem eigenen Kräutergarten und der eigenen Obstwiese und setzt sie gern in ihrem Catering ein. Überhaupt legt Augart großen Wert darauf, so weit wie möglich regionale und ökologische Produkte zu verwenden. Für die Kräuterwanderer hat sie sich ganz besondere Leckerein einfallen lassen, nämlich „kleine Köstlichkeiten unter Verwendung von Wildkräutern“: Kartoffel-Wildkräuter-Aufstrich auf selbst gebackenem Dinkel-Emmer-Baguette, Einkorn-Salat, Beinwell-Cordon Bleu, Wildkräuter-Quiche, Kräuterbrot-Muffins, Gundermann-Eis mit Salbei-Küchle und Zwetschgenspiegel, „Nervenkekse“ nach Hildegard von Bingen und dazu noch alkoholfreie Kräuterbowle.

Viele Leckereien mit heimischen Wildkräutern

Augart gab gerne ihren reichen Erfahrungsschatz an die Teilnehmer der Kräuterwanderung weiter. Die konnten nur staunen, welche Leckereien sich aus heimischen Wildkräutern zaubern lassen. Zum Abschied erhielt jeder von ihnen noch ein kleines Säckchen selbst gemachtes Kräutersalz mit auf den Weg. Bei so viel Gespür für den feinen Geschmack ist es kein Wunder, dass Augarts Cateringservice und ihre Durchführung von Festlichkeiten weitum sehr geschätzt werden. Für interessierte Zeitgenossen, die sich mit ihr auf eine „geistige“ Kräuterwanderung begeben wollen, hat Rita Augart sogar ein Buch mit Kräutersteckbriefen und Rezepten geschrieben: „Schwäbische Wildkräuter - Geschichten zum Genießen“.