Vogelschutz

Wiesenbrüter: Erfolg wurde deutlich verbessert

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Toni Ledermann
am Mittwoch, 11.03.2020 - 11:30

Rund um Lamerdingen: Landwirte für ihr Engagement für Kiebitze ausgezeichnet.

Dillishausen/Lks. Ostallgäu - Der Landschaftspflegeverband Ostallgäu, die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ostallgäu und die Regierung von Schwaben kümmern sich seit einigen Jahren intensiv um die Wiesenbrütergebiete rund um Lamerdingen. Der Kiebitz ist hier noch regelmäßig als Brutvogel anzutreffen, nicht nur auf Wiesen, sondern auch auf Äckern. In einer Feierstunde im Gasthof Völk (Dillishausen) wurde das Engagement von acht Bauern nun gewürdigt.

Landschaftspflegeverband beteiligt

Die Moderation und Projektvorstellung hatte Dipl-Ing. Annette Saitner, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbands Ostallgäu e.V. (LPV). Sie dankte den Landwirten, die im Rahmen des Projektes „Wiesenbrüter-Brutplatzmanagement Schwaben“ freiwillige Vereinbarungen einhielten, mit denen der Bruterfolg der Vögel deutlich verbessert werden konnte. Projektträger ist der Landschaftspflegeverband Ostallgäu e.V., der sich seit diesem Jahr nicht nur um die Ostallgäuer Wiesenbrütergebiete kümmert, sondern auch landkreisübergreifend im Unterallgäu und im Landkreis Augsburg tätig wird, weil die Schutzgebiete nicht an den Landkreisgrenzen aufhören. Die Geschäftsführerin erinnerte daran, dass es in Lamerdingen schon mehrere Veranstaltungen des Landschaftspflegeverbandes zum Wiesenbrüterschutz gab, beginnend mit einem Glückspiralen-Projekt im Jahr 2016.

Die Repräsentantin der Regierung von Schwaben, Margarete Siering, wies darauf hin, dass die Gelder, die das Umweltministerium zur Verfügung stellt, dazu dienen, gezielte Artenschutzpflege betreiben zu können. Zumal immer mehr Vögel der Agrarlandschaft leider auf der „Roten Liste“ der bedrohten Arten stehen, so auch Kiebitz und Brachvogel. Sie dankte den beteiligten Bauern und den beiden Wiesenbrüterberatern Alexander Klose und Johann Fritzsche für ihre Arbeit, die sich auch im guten Bruterfolg niederschlage. So habe im betreuten Gebiet fast jedes Kiebitz-Brutpaar mindestens ein Junges durchgebracht. Dies seien Zahlen, die kein anderes Wiesenbrütergebiet innerhalb des Biodiversitäts-Projektes „Wiesenbrüter-Brutplatzmanagement Schwaben“ vorweisen kann. Sie dankte den Landwirten auch für die extrem hohe „Mitmachquote“.
Wiesenbrüterberater Alexander Klose stellte die Lebensweise der Kiebitze vor. Toll sei, dass rund um Lamerdingen bei 34 Brutpaaren 32 Küken flügge wurden. Der Brachvogel brüte bei uns leider nicht mehr, Uferschnepfen seien vom Aussterben bedroht. Bei Kitzighofen seien letztes Jahr noch mehrere Exemplare auf dem Durchzug gesichtet worden. Da sie feuchtes und extensiv genutztes Grünland benötigen, sei es besonders wichtig, dieses zu erhalten und fachgerecht zu bewirtschaften.

Kiebitzgelege schwierig zu sehen

Zur Situation der Kiebitze führte Klose aus, dass der Bestand im Lauf der Jahre um 90 % zurückgegangen ist. Auch wenn die erwachsenen Tiere mit ihrer Schwarz-Weiß-Färbung recht auffällig sind, müsse man schon sehr genau hinschauen, um eine Brut dieser Vögel zu entdecken, da Küken und Eier von der Natur mit „Tarnkleidung“ ausgestattet sind und kein eigentliches „Nest“ gebaut wird.

Die Eier werden direkt auf den Boden gelegt. Die letzten Sommer waren relativ trocken, was den Kiebitzen nicht behagte. Sie bevorzugen feuchtere Bereiche. Auch im Buchloer und im südlichen Augsburger Raum sowie im Mindeltal bestehen Brutgebiete. Interessant sei die Entwicklung des Kiebitzes vom früheren typischen Wiesenbrüter hin zu den Äckern, erklärte Saitner. Inzwischen brüten bis zu 80 % dieser Vögel auf Äckern, nicht nur hier, sondern in ganz Deutschland! Deshalb solle man vor der Bewirtschaftung nicht nur in Wiesen, sondern auch auf Äckern nach diesen etwa taubengroßen Bodenbrütern schauen.

Rüdiger Kroll vom Landschaftspflegeverband Ostallgäu ist für die Umsetzung von Landschaftspflege-Maßnahmen zuständig. Er erläuterte die Pläne für dieses Jahr für das Gebiet zwischen Lamerdingen, dem Hummelhof und dem Sender. Es sollen Ufer abgeflacht, Gräben aufgeweitet und Tümpel ausgebaggert werden. Auch kleinflächige Entbuschungen und Gehölzentfernungen seien geplant, weil Kiebitz und Co. es gerne übersichtlich haben. Gut zugängliche Feuchtstellen seien besonders für die Nahrungssuche und die ersten Ausflüge der Küken wichtig.
Es habe sich sehr bewährt, die Landschaftspflegearbeiten mit Landwirten vor Ort durchzuführen. Dies soll unbedingt beibehalten werden. Er ermunterte deshalb interessierte Bauern sich beim Landschaftspflegeverband (Tel. 08342-911-375, E-Mail lpv@aol.bayern.de) zu melden. „Wir sind auf Sie angewiesen und wissen Ihr Engagement sehr zu schätzen“, betonte auch Martina Müller von der Unteren Naturschutzbehörde am Ostallgäuer Landratsamt.

Ausgleich für spätere Mahd

Im Grünland könne ein späterer Schnittzeitpunkt oder eine Bewirtschaftungsruhe zur Brutzeit festgelegt werden. Hierfür werden bis zu 425 €/ha bezahlt. Und auch ein Düngeverzicht wird zwischen 90 und 350 €/ha honoriert. Die Verwendung eines Messermähwerks, das insektenschonender ist als ein Kreiselmähwerk, wird mit 120 €/ha belohnt.

Die Vertragslaufzeit betrage immer fünf Jahre. Die Verträge können in jedem Jahr bis Ende Februar neu abgeschlossen werden. Sie wies auch darauf hin, dass die noch flugunfähigen Kiebitzküken vom Acker getragen werden dürfen, wenn ein Bewirtschaftungsgang unmittelbar bevorsteht. Die Eltern lockten sie danach wieder auf die ursprüngliche Fläche zurück.
Und noch ein ganz besonders „Zuckerl“ konnte sie den aktiven Bauern mitteilen: „Vor sieben Jahre wurde dieses Projekt angefangen – und nun stehen wir an der Spitze von ganz Schwaben!“

Wofür gab es die Ehrung?

  • Die Landwirte Johann Ulrich, Erwin Scheifele und Christoph Egger (alle Langerringen) wurden geehrt, da sie ein oder zwei Brutplätze auf Äckern von der Bewirtschaftung herausgenommen haben.
  • Wolfgang Eschenlauer (Dillishausen) schützte zwei Brutplätze
  • Hermann Hagg (Langerringen) schützte drei Brutplätze auf Äckern.
  • Robert Morgenländer (Lamerdingen) nahm eine verspätete Maisaussaat auf 1,32 ha vor.
  • Michael Engelhart (Lamerdingen), vereinbarte auf zwei Flächen mit insgesamt 2,23 ha eine verspätete Maisaussaat zugunsten der Kiebitze.

Besonders gewürdigt wurde die Arbeit der beiden nächsten Geehrten:

  • Georg Lochbrunner (Dillishausen) und Jürgen Hummel (Lamerdingen). Lochbrunner hat in der Trockenzeit für die Kiebitze Mulden bewässert und auf sein Drängen hin wurde durch die Mitarbeit der Gemeinde ein kleiner Feldweg an einer Kiebitz-Konzentrationsfläche zwischen Dillishausen und Kitzighofen, während der Aufzucht gesperrt. Vor der Feldarbeit hat Lochbrunner 8 noch nicht flügge Jungvögel auf seinem Acker eingesammelt, damit sie nicht zu Schaden kommen. Alle wurden flügge!
  • Jürgen Hummel hat auf seinen Wiesenflächen überproportional viel Vertragsnaturschutz gemacht, in der er insektenschonende Mahd mit dem Balkenmäher durchführt. Er ist für die Kiebitze und weitere landschaftspflegerische Maßnahmen auch immer offen und belässt ungemähte Brachestreifen. Weiter stellte er einen Storchenhorst auf und nahm Gehölzbeseitigungen vor.