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Forstwirtschaft

Wertvolle Stämme fördern

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Michael Ammich
am Donnerstag, 02.12.2021 - 10:15

Die FBG Günzburg-Krumbach informiert bei Hellersberg über die richtige Jungbestandspflege. Doch dabei gilt es einiges zu beachten.

Mit der Jugendpflege wird der Grundstein für stabile, vitale und qualitativ hochwertige Bäume gelegt. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten, wie die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft Günzburg-Krumbach auf einem Waldbegang im Rechtlerwald bei Hellersberg/Lks. Günzburg erfuhren. FBG-Geschäftsführer Benjamin Löffler definierte die Jugendpflege als „Bestandteil des Waldbaus in einer gesicherten Kultur am Beginn der Durchforstung“. Freilich benötigen unterschiedliche Standorte und Kulturen auch unterschiedliche Pflegemaßnahmen. Die waldbauliche Zielsetzung sei jedoch stets die gleiche: Der Waldbesitzer möchte stabile, vitale und wertvolle Bäume heranziehen.

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Bei der Fichte heißt Stabilität, dass sich die Relation von Höhe und Stammdurchmesser bei einem Wert von rund 70 bewegt und die grüne Krone sich über mindestens 40 % der Baumlänge erstreckt. Auf eine gute Qualität kommt es besonders beim Laubholz an. Es sollte keine Zwiesel und Schäden aufweisen, keine Steiläste und eine ordentliche Schaftlänge. Bei der Pflege sei zudem wichtig, die Mischbaumarten zu fördern, damit sich ein klimatoleranter, gesunder Wald entwickeln kann, so Löffler. Gleichwohl sollten auch Mischbaumarten aus dem Jungbestand entnommen werden, wenn sie Zukunftsbäume bedrängen.

Erste Station des Waldbegangs war eine Fichten-Naturverjüngung, die auf drei Seiten von Mischbeständen eingerahmt wird. Auf einer solchen Fläche gelte es die stabilen Bäumchen stehen zu lassen und die Bedränger zu entnehmen. Ohne die nötige Sicherheitsausrüstung sollte der Waldbesitzer jedoch nicht zu Werke gehen. Wie diese aussehen kann, demonstrierte Forstunternehmer Kilian Erdle aus Oberrohr. Zu Helm mit Visier, Handschuhen, Schnittschutzhose und schnittsicherem Schuhwerk gehöre eine übliche Motorsäge, eine kleinere Pflegesäge, Motorsense und am besten noch ein Spacer, eine an einer Lanze befestigte kleine Motorsäge, mit der sich auch höher gelegene Äste erreichen lassen. Außerdem sollte bei Waldarbeiten stets der nächste Rettungspunkt bekannt sein.

Erdle empfahl den Waldbesitzern die störenden Jungbäume möglichst nah am Boden abzuschneiden. Das verhindere zum einen ein buschartiges Nachwachsen und zum anderen Stolperfallen durch allzu hohe Stammreste. Die entnommenen Bäumchen bleiben am besten liegen, da sie wertvolle Nährstoffe liefern. Nachdem sich der Kupferstecher jedoch gerne auch in jungem Holz ausbreitet, sollte das Entnehmen von Bäumen bei der Jugendpflege nur von September bis Dezember erfolgen. Das komme auch den Vögeln zugute, die möglicherweise im Frühjahr und Sommer im Pflegebestand brüten.

An die Fördergelder erinnert

Revierleiter Hubert Forstner vom AELF Krumbach-Mindelheim warnte vor einer Vernachlässigung der Jugendpflege, weil „ja immer irgendwie etwas dazwischenkommt“. Er erinnerte an die respektablen staatlichen Fördergelder. Sie belaufen sich auf 500 €/ha, die Bagatellgrenze liege bei 200 €. Stehen mindestens vier Mischbaumarten auf der zu fördernden Fläche und nimmt das Laubholz mindestens 40 % dieser Fläche ein, liege der Zuschuss gar bei 700 €. Förderanträge sind an das zuständige AELF zu stellen.

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Erfreulich sind für Forstner die zunehmenden Naturverjüngungen, die in seinem Revier bereits auf drei Viertel der Fläche hochkommen. Mit dabei seien neben der Fichte und Buche die Tanne, Lärche, Douglasie und seltener auch die Eiche. Ohne angepassten Wildbestand sind solche Naturverjüngungen jedoch kaum möglich. Das Rehwild kann durch den Verbiss von Laubbäumchen zuweilen ganze Waldbestände entmischen.

Die zweite Station war ein Jungbestand mit Eiche als Haupt- und Buche als Nebenbaumart. Auf die Astung der Eiche kann in dem dichten Bestand verzichtet werden, da sie ihre unteren Äste aufgrund der schattigen Enge von selbst verliert, wenn sie dem Licht zustrebt. Die vorhandenen Birken und anderen Laubweichholzarten stören in dem neunjährigen Jungbestand kaum.

Entnommen werden sollten diese Hölzer deshalb nur, wenn sie die Eichen bedrängen, riet Forstner. Es genüge aber oftmals schon, die Rinde der störenden Bäume zu ringeln, also die Rinde in einem breiten Streifen bis auf das Stammholz zu entfernen, damit sie innerhalb von drei bis vier Jahren eingehen. Lässt der Waldbesitzer anschließend dieses Totholz stehen, tut er der Artenvielfalt etwas Gutes. Der Jungbestand war aus einer eingezäunten kleinen Eichenkultur entstanden und wurde dann sich selbst überlassen. Jetzt allerdings steht eine Entscheidung an: Sollen die Eiche als Haupt- und die Buche als Nebenbaumart erhalten werden? Dann gilt es die Birken größtenteils zu entnehmen.

Der Nachteil der Eiche

Forstner verschwieg den Nachteil der Eiche nicht. Ihre Kultivierung ist teuer und sie braucht lange Zeit für das Wachsen. „Der große Ertrag stellt sich erst nach 200 Jahren ein.“ Die Buche bezeichnete Forstner als „Mutter des Waldes“. Sie gehört in die schwäbische Region und sollte stets ein Begleiter der Eichen sein. FBG-Geschäftsführer Löffler sprach sich dafür aus, in dem Jungbestand auch Buchen zu entnehmen, um den Eichen Raum und Licht zu geben.

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Vor einer zehn Jahre alten Douglasiengruppe erklärte Forstner die Entstehung der Kultur aus einem zurückgenommenen Fichtenbestand, wo sie in die Kahlfläche gepflanzt wurde. Die Douglasien wachsen recht schnell. Allerdings sei bei ihnen oft eine Nachpflanzung erforderlich, weil die zuerst gesetzten Bäume unter Schädlingen, Verbiss oder der durch einen Pilz verursachten Rußigen Douglasienschütte litten. Beim Rehwild ist die Douglasie aufgrund ihrer aromatischen Nadeln sehr beliebt.

Für eine Astung sei der Bestand noch zu jung, sagte Forstner. Ausgewachsen könne ein Douglasienbestand bis zu 1500 fm/ha Holz liefern. Douglasien mit einem Zwiesel sollten sofort aus dem Bestand entnommen werden – auch dann, wenn sie an sich kräftige Zukunftsbäume wären. Von Zwieseln gehe nämlich stets ein erhöhtes Bruchrisiko aus.

Löffler bescheinigte den Douglasien eine gute Chance, sich zu stattlichen Bäumen zu entwickeln, wenn sie erst einmal die Jugendphase unbeschadet hinter sich gebracht haben. Löffler riet mit Blick auf den Bestand dazu, bereits jetzt die Zukunftsbäume auszuwählen und sich bei seiner Pflege an diesen zu orientieren. Um eine möglichen Bedrängung der Douglasien durch Fichten müsse sich der Waldbesitzer nicht sorgen, da sie doppelt so schnell wie Fichten wachsen.