Interview

Welcher Förster macht was?

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Susanne Lorenz-Munkler
am Donnerstag, 25.02.2021 - 17:17

15 Jahre ist die Forstreform inzwischen her. Doch nicht immer ist eindeutig, wer wofür zuständig ist. Roman Prestele klärt auf.

15 Jahre ist die Forstreform jetzt her, die zu einer kompletten Umverteilung der Funktionen der Förster im Freistaat geführt hat. Und immer noch scheinen viele Waldbesitzer heute nicht zu wissen, welcher Förster für welche Probleme und Fragen zuständig ist, berichten die Experten aus den forstlichen Zusammenschlüssen im Allgäu. Wir sprachen darüber mit Roman Prestele, dem Geschäftsführer der FBG Oberallgäu e.V.

Unser Allgäu: Förster ist eine Berufsbezeichnung für Personen, die für die Verwaltung und Bewirtschaftung des Waldes zuständig sind. Die Bezeichnung wird insbesondere für Forstrevierleiter verwendet, im weiteren Sinne bezieht er sich auch auf andere Personen im Forstdienst mit entsprechender forstfachlicher Qualifikation. Welche Ausbildung haben die Förster und wo liegen die Schwerpunkte?

Prestele: Grundsätzlich haben alle Förster eine ähnliche Ausbildung gemacht. Die forstliche Ausbildung ist eine klassische Ausbildung, wie es sie in anderen Bereichen auch gibt. Es gibt den Lehrberuf Forstwirt und darauf aufbauend den Forstwirtschaftsmeister und den Forsttechniker. Dann gibt es die studierten Förster, welche alle von der Hochschule mit einem Bachelor-, Master-, oder Diplomforstingenieur-Abschluss kommen. Die Ausbildungsrichtungen haben dabei unterschiedliche Schwerpunkte: Forstwirtschaftsmeister und Forsttechniker orientieren sich eher an der praktischen Tätigkeit, während die Ingenieure den Fokus auf den Waldbau, Verwaltung, rechtliche Themen oder kaufmännische Inhalte legen.

Unser Allgäu: Nach der Forstreform 2005 ist das Ganze recht unübersichtlich geworden. Welcher Förster arbeitet wo und ist wofür zuständig?

Prestele: Mit entscheidend für die Zuständigkeit ist, bei welchem Arbeitgeber der Förster angestellt ist. Über 250 Jahre lang bis zur Forstreform, hat es die einheitliche Staatsforstverwaltung gegeben. Dabei hat die Staatsforstverwaltung den Staatswald und den Privatwald in einer Verwaltung vereint. Es gab die klassischen Forstämter. Im Jahr 2005 wurde dann der Staatswald in eine eigene Körperschaft des öffentlichen Rechts, die Bayerischen Staatsforsten (BaySF), überführt. Der eigenständische Forstbetrieb mit Sitz in Regensburg wird unternehmerisch unter Aufsicht und mit Auflagen des Freistaates Bayern geführt. Vor Ort sind die einzelnen Forstbetriebe mit ihren Förstern die regionalen Anlaufstellen. Bei uns im Oberallgäu also der Forstbetrieb Sonthofen. Der Privatwald wurde der Landwirtschaftsverwaltung angeschlossen, diese wurde so zum Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Der Freistaat Bayern stellt dabei im Rahmen seiner Aufgaben den Privatwaldbesitzern Förster zur Verfügung, die auch Waldbesitzer beraten. Ein Großteil der dort beschäftigten Förster ist verbeamtet.

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Die Beamtenlaufbahn ist in verschiedene Kategorien unterteilt, für die bestimmte Einstiegsvoraussetzungen erforderlich sind. Der höhere Dienst ist grundsätzlich für Forstwissenschaftler, die an der Universität studiert haben, vorgesehen. Die Universitätsausbildung unterscheidet sich etwas von der Hochschulausbildung. Die Forstwissenschaft beschäftigt sich zum Beispiel mit Raumplanung und anderen wissenschaftlichen Themen rund um die Forstwirtschaft. Einen Schwerpunkt nehmen auch rechtliche Themen ein. Der Förster mit Hochschulabschluss hat die Voraussetzung für den gehobenen Dienst.

Bedingt durch die praxisorientierte Ausbildung sind dies die klassischen Förster, die im Revierdienst auf der Fläche präsent sind. Sie sind auch die Beratungsförster am AELF, die den privaten Waldbesitzern vor Ort zur Verfügung stehen. Auf Grund ihres Status als Beamter können die Förster vom Amt keine wirtschaftlichen Tätigkeiten (z.B. Holzverkauf) für den einzelnen Waldbesitzer organisieren oder durchführen. Zu diesem Zweck haben sich in Bayern die forstlichen Zusammenschüsse (FBG/WBV) gegründet, eben um individuelle Dienstleistungen für den Privatwald anbieten zu können.

Unser Allgäu: Die Frage ist für viele Waldbesitzer: An welchen Förster wende ich mich bei welchen Problemen? Können Sie weiterhelfen?

Prestele: Ja. Die Förster bei den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) kümmern sich vorwiegend um den Staatswald. Das sind rund 800 000 Hektar in Bayern. Nur wenn es an den Außergrenzen des Staatswaldes Berührungspunkte mit dem Privatwald gibt, kommen sie zum Privatwaldbesitzer. Sollte die Waldfläche kleiner als 81,75 Hektar sein, werden sie damit ein Teil der örtlichen Jagdgenossenschaft. Dann kommen die BaySF Förster mit den privaten Waldbesitzern in Kontakt, wenn es um die gemeinsame jagdliche Bewirtschaftung der Waldflächen geht.

Unser Allgäu: Was machen dann die Förster am AELF?
Prestele: Die Förster beim Amt (AELF) kümmern sich im Rahmen der Beratung, die der Freistaat Bayern anbietet, um die Privatwaldbesitzer. Im Vordergrund der Beratung steht die überbetriebliche, gemeinwohlorientierte Betrachtung und Entwicklung des Waldes. Das heißt: Es gibt Einzel- und Sammelberatungen, die das Ziel haben, den Waldzustand als Ganzes zu verbessern.

Sie helfen bei einem klimagerechten Waldumbau unter Berücksichtigung der Allgemeinbedürfnisse der Gesellschaft. In diesem Rahmen kümmern sie sich auch um die bedarfsgerechte Erschließung der Wälder mit Fahr- und Rückwegen. Bei all dem unterstützen sie die privaten Waldbesitzer auch mit den verschiedenen forstlichen Förderprogrammen.

Die Förster vom Amt haben die Aufgabe der „Forstaufsicht“ im Privat- und Staatswald. Das heißt, sie wachen über die Einhaltung des Waldgesetzes und fungieren als Behörde, bei z.B. Bauangelegenheiten die den Wald betreffen oder im Rahmen der Abschußplanungen mit dem Vegetationsgutachten. Die Förster vom AELF achten zum Beispiel auch darauf, dass gesetzlich verbotenen Kahlhiebe nicht durchgeführt werden. Sie beraten dabei jeden Waldbesitzer, egal wie groß der Besitz ist.
Dies gilt allerdings nur für einen Wald, nicht für einzelne Bäume. Nach dem Waldgesetz spricht man von einem Wald, wenn die Fläche isoliert ca. 1000 Quadratmeter und mehr umfasst und mit Waldbäumen, wie z.B. Fichte oder Buche, bestockt ist. Wenn einzelne kleine Gehölzgruppen in der Landschaft stehen, sind dafür grundsätzlich die unteren Naturschutzbehörden am Landratsamt zuständig. Als Wald zählen auch nicht Christbaum-Kulturen oder Kurzumtriebsplantagen. Die amtliche Forstverwaltung übernimmt zudem besondere hoheitliche Aufgaben wie die Schutzwaldsanierung oder die Bergwaldoffensive (BWO).
Prestele: Grundsätzlich sind die Förster einer FBG in einer traditionellen Försterfunktion, da sie mit allen Anliegen der Waldbesitzer konfrontiert werden. Im Vordergrund steht die einzelbetriebliche Beratung mit dem Ziel den Erfolg im Wald, wie auch das wirtschaftliche Ergebnis, zu optimieren. Die Förster der Forstbetriebsgemeinschaften kümmern sich ganz klassisch um den Holzverkauf, organisieren bei Bedarf die gesamte Waldarbeit, wie Holzeinschlag, Pflanzung oder Pflege der Bestände.
Über Waldpflegeverträge können Waldbesitzer ihre Flächen professionell durch die FBG Förster betreuen lassen. Hier sind wir wie Revierleiter zu sehen, die sich komplett um den Wald kümmern und den Eigentümer entlasten. Wichtig sind auch Informationen rund um den Wald. Hier bieten wir z. B Motorsägenkurse, wie auch andere Veranstaltungen an, die auch häufig in Zusammenarbeit mit dem AELF angeboten werden, wenn das Thema übergreifend ist. Und wir machen natürlich auch eine waldbauliche Beratung. Da gibt es immer wieder eine Schnittmenge zum Amt. Wir stimmen uns ab, falls gemeinwohlrelevante Belange der Allgemeinheit und ökonomische Interessen des einzelnen Waldbesitzer nicht ganz zusammenpassen sollten.
Die forstlichen Zusammenschlüsse haben heute bayernweit 289 Förster angestellt. Bei uns, der FBG Oberallgäu, sind vier Förster tätig, die sich intensiv um die Anliegen unserer Mitglieder kümmern. Im Gegensatz zum Amt sind wir vorrangig nur für Waldbesitzer zuständig, die auch bei der FBG Mitglied sind.
Unser Allgäu: Dann gibt es noch selbständige oder angestellte Förster. Was machen die?
Prestele: Es gibt Förster, die bei Privatbetrieben oder Kommunen angestellt sind. Zum Beispiel die Stadt Immenstadt, die Stadt Memmingen oder die Stadt Augsburg haben angestellte Förster. Dann gibt es Großprivatwald, wie bei uns der Forstbetrieb Waldburg Zeil, die ihre eigenen Förster anstellen. Diese Förster sind für die Waldflächen des jeweiligen Eigentümers zuständig. Es gibt auch freiberufliche Förster, die Ingenieurbüros haben und den Wald für spezielle Privatkunden betreuen. Die haben sich aber meist spezialisiert, zum Beispiel auf das Erstellen von Forstbetriebsgutachten.
Unser Allgäu: Wohin wendet sich also der Otto-Normal-Waldbesitzer, wenn er Fragen hat?
Prestele: Der Privatwaldbesitzer geht am besten direkt zu seiner FBG oder WBV, wenn es um betriebliche Bedürfnisse im Wald geht. Bei Förderungsfragen, waldrechtlichen Themen oder bei grenzüberschreitendem Schädlingsbefall wendet sich der Waldbesitzer am besten direkt ans Amt. Wir forstlichen Zusammenschlüsse haben kompetente Förster, die mit ihrer Erfahrung mit den Vorstellungen der Eigentümer nach optimalen Lösungen für den Wald suchen. Wenn er z. B. Holz schlagen und verkaufen oder Jungpflanzen kaufen möchte, ist er bei der FBG generell gut aufgehoben.
Grundsätzlich sind wir nur für unsere Mitglieder tätig. Viele Waldbesitzer wissen nicht, dass bei den forstlichen Zusammenschlüssen ausgebildete Förster mit Hochschulabschlüssen arbeiten, da früher ehrenamtlich Waldaufseher diesen Job gemacht haben. Vor etwa 25 Jahren hat man die ersten Förster angestellt. Es fällt uns derzeit ein bisschen auf die Füße, dass wir nach wie vor allem als Holzvermarkter gesehen werden.

FBG Oberallgäu

  • Gründung: 1969
  • Mitglieder: 2979
  • Waldfläche der Mitglieder: 24 673 ha, davon ein großer Teil Schutzwald
  • Jährlich. Holzaufkommen Stamm-holz: 60 000 fm, hiervon ein hoher Starkholzanteil mit 35 %
  • Jährliches Holzaufkommen Hackgut: 40 000 Srm
  • Jährliche Pflanzenbeschaffung: 75 000 Pflanzen, damit kann eine Fläche von 17 ha aufgeforstet werden, davon 65 % Mischbaumarten;
  • Betreute Waldfläche mit Waldpflegevertag: 600 ha
  • Leihmaschinen für Mitglieder: 30 Maschinen (Spalter, Hacker etc.)
  • Zertifizierung nach den PEFC-Richtlinien

Die Serie von Unser Allgäu stellt die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse heute und morgen vor. Mehr Infos zur Serie finden Sie hier.

Im ersten Teil der Serie geht Ignaz Einsiedler auf die Veränderungen im Laufe der Zeit ein. Einsiedler gibt nach fast 50 Jahren den Vorsitz der WBV Kempten ab und kann auf einen starken Wandel im Wald zurückblicken, den Unser Allgäu beschreibt. Den Artikel über Ignaz Einsiedler finden Sie hier.

Im zweiten Titel lädt Andreas Täger, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Westallgäu, zu einem Rundgang ein. Hierbei wird deutlich, welche besonderen Wälder in seinen Zuständigkeitsbereich fallen. Hier finden Sie den Artikel.