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Tradition

Eine Weihnachtskrippe mit viel Liebe zum Detail

Manfred Glogger und die Krippe
Anja Kersten
am Donnerstag, 23.12.2021 - 10:28

Manfred Glogger aus Halbertshofen hütet die Krippenfiguren seines Urgroßvaters. Allein das Aufbauen der Krippe dauert einen ganzen Tag.

Halbertshofen/Lks. Günzburg Die Krippenfiguren, die einst von seinem 1887 geborenen Urgroßvater Adolf Mangold geschnitzt wurden, waren lange auf dem Dachboden vergessen. Erst bei dem Umbau des Hofes in Halbertshofen, einem Ortsteil von Neuburg an der Kammel, brachten sie Manfred Glogger und seine Frau Maria 1995 wieder zum Vorschein. Und mit den über 100 Figuren und Tieren auch einen bemalten Hintergrund, Stall, Gebäude, Brücken und Brunnen. Seitdem baut Manfred Glogger jedes Jahr in der Adventszeit die Krippe auf. Bis alles auf der etwa zwei Quadratmeter großen Platte aufgebaut ist, dauert es einen Tag.

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Der Stall mit der Heiligen Familie und die Geburt Jesu steht zwar im Mittelpunkt der Krippe, es lässt sich aber noch viel mehr entdecken. Nicht nur Szenen aus dem Leben von Jesus, wie seine Begegnung mit Maria Magdalena, die Flucht aus Ägypten und Jesus als Kind im Haus von Maria und Josef in Nazareth, sondern auch alltägliche Szenen, wie das Leben der Hirten mit ihren Schafen. „Von den 100 Figuren sind mindestens die Hälfte Schafe“, erzählt Manfred Glogger schmunzelnd und zeigt auf „seine“ Herde, bei dem kaum ein Schaf dem anderen gleicht. Es gibt Schafe, die fressen, andere liegen im Gras, ein paar heben den Kopf und drängeln noch vorne, andere wieder laufen brav in der Herde mit. So wie die Schafe haben auch die Hirten, die sich um das Feuer gestellt haben, ihre Eigenheiten. Einer erzählt, der andere hört zu, dem dritten scheint alles egal zu sein, solange er nur nah genug am Feuer steht.

Weder Hirten noch Schafe stehen zufällig an ihrem Platz. „Das muss schon in den Zusammenhang passen“, meint Manfred Glogger, der sich diese Szenen beim Aufstellen ausgedacht hat. Auch das störrische Kamel, das von seinem Treiber an einem Strick gezogen wird, hat er bewusst auf die Brücke gestellt. „Das ist wie mit den Kühen, die gehen auch ungern über eine Holzbrücke mit Spalten“, erklärt er diese Szene.

Denn alte Vorlagen oder Überlieferungen in der Familie wie die Krippe aufgebaut war, gab es nicht. So hat Manfred Glogger den bemalten Hintergrund zu Hilfe genommen, der 1912 von einem bekannten Hintergrundmaler in Krumbach gemalt wurde. Nach dieser Vorlage hat er eine Landschaft aus Gips und Holz für die Figuren gebaut. Dort, wo im Hintergrund ein See zu sehen ist, schlängelt sich jetzt ein Bach durch die Krippenlandschaft, wo Hügel zu sehen sind, schuf auch er eine hügelige Landschaft für die Figuren. Auffällig ist, dass die Heiligen drei Könige gleich zweimal vertreten sind, einmal stehen und knien sie vor der Krippe und einmal ziehen sie, ein Stück entfernt, erst zur Krippe. „Mein Urgroßvater hatte sechs Kinder. Wahrscheinlich wollte er für jedes seiner Kinder Krippenfiguren schnitzen und sie ihnen schenken“, meint Glogger dazu.

Ein Gesicht gegeben

Der Landwirt Adolf Mangold, der auch Zimmermann war, starb mit nur 36 Jahren 1923. Geblieben sind seine Figuren, die er aus Lindenholz gearbeitet hat, denen er Gesichter gegeben und sie anschließend bemalt hat.

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Es mag sein, dass er andere Krippenfiguren als Vorlage genommen hat. Ein paar davon hat Manfred Glogger auf dem Dachboden gefunden. Mangold hat sie dann nach seinem Stil abgewandelt, den Gesichtern aus der Vorlage, die eckig und ein wenig versteinert wirken, Leben gegeben und sie im Alltag gezeigt, etwa als Hirten oder als Fischer.

Als Zimmerer arbeitete er zwar mit dem Werkstoff Holz, mit Schnitzen aber hatte das wenig zu tun, schon gar nicht, wenn es um mit sieben Zentimetern recht kleine Figuren wie die der Krippenfiguren geht. Das hat er sich, so mutmaßt Manfred Glogger, selbst beigebracht und ist dabei vielleicht auch immer ein wenig besser geworden.

Von seiner Oma weiß Manfred Glogger, dass sich die Männer im Winter abends zum Schnitzen trafen. Dabei entstanden in unzähligen Stunden, mit viel Konzentration und Geduld auch Krippenfiguren, die noch mehr als 100 Jahre später Freude bereiten.