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Jahresversammlung

Wegen Wolfsrissen: Schafhalter sind verunsichert

Wolf
Michael Ammich
am Montag, 29.11.2021 - 06:18

Der Wolf ist das bestimmende Thema bei den schwäbischen Schafhaltern. Der wachsende Wolfsbestand bereitet entsprechende Sorgen.

Wörleschwang - Der Wolf treibt auch die schwäbischen Schafhalter um. Ein kleiner Teil von ihnen wirtschaftet zwar in einem Fördergebiet für Wolfsschutzzäune, doch was hilft ein Zaun, wenn ihn der Wolf untergräbt, danach mehrere Schafe reißt und andere schwer verletzt? So geschehen heuer in der Oberpfalz, wie Martin Bartl in Wörleschwang (Lks. Augsburg) auf der Jahresversammlung der Vereinigung Schwäbischer Schafhalter berichtete. Der Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Schafhalter wies dennoch auf die Fördermöglichkeiten für Schutzzäune hin.

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Rund 40 Mitglieder konnte Vorsitzender Jürgen Maucher zur ersten Jahresversammlung seit zwei Jahren begrüßen. Sein Tätigkeitsbericht fiel allerdings entsprechend kurz aus. Im Grunde gab es nämlich nichts zu berichten, weil in den zurückliegenden 18 Monaten alle Aktionen und Versammlungen der schwäbischen Schafhalter pandemiebedingt ausgefallen waren.

So ging Martin Bartl auf den wachsenden Wolfsbestand und die zunehmenden Wolfsrisse auch in Bayern ein. Nachdem der Beutegreifer im Landkreis Neumarkt in eine umzäunte und von Schafen beweidete Freiflächenphotovoltaikanlage eingedrungen war und mehrere Schafe getötet hatte, sei die Herde immer noch traumatisiert. Abhilfe gegen Wolfsangriffe soll ein Fördergebiet für Schutzzäune schaffen, das sich südlich von Neumarkt über die Region Weißenburg, Ingolstadt, Schrobenhausen und Donauwörth erstreckt.

Ein Untergrabschutz könnte helfen

Förderfähig sind laut Bartl Elektrozäune und stromführende Litzenzäune mit einer Höhe von 90 bis 140 cm. Litzenzäune hätten sich allerdings als arbeitsaufwendig und kostenintensiv erwiesen. Um Wolfsangriffe abzuwehren, könne ein Untergrabschutz gute Dienste leisten. Erfahrungsgemäß würden bei Wanderschafherden mobile Elektrozaunanlagen zweimal gefördert, so dass die Tiere von einer Koppel in die nächste getrieben werden können. Damit die Schafhalter für ihre Zäune einen staatlichen Zuschuss erhalten, müssen diese „verhältnismäßig“ sein. Anträge auf eine Zaunförderung sind bei den zuständigen ÄELF einzureichen.

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Bei einem Verdacht auf einen Wolfsriss schaltet sich das bayerische Landesamt für Umwelt ein und nimmt Kontakt zum Melder des Risses auf. Außerdem veranlasst die Behörde eine Untersuchung und Dokumentation vor Ort. Und das könnte in der Zukunft öfter der Fall sein, als es Weidetier haltenden landwirtschaftlichen Betrieben lieb ist. Allein im vergangenen Jahr wurden in der Bundesrepublik nämlich bereits rund 4000 Wolfsrisse gemeldet – und das, obwohl die betroffenen Herden laut Bartl zum großen Teil gut geschützt waren.

Der Landesgeschäftsführer erläuterte auch die weiteren allgemeinen Fördermöglichkeiten für die Schafhalter. So bezuschusse der Freistaat Bayern Bestände mit 20 und mehr Mutterschafen mit jährlich 30 € pro Tier. Die Förderobergrenze innerhalb von drei Jahren liege bei 20 000 €. Ab den Jahren 2023 bis 2026 soll es eine Mutterschafprämie für jeden Schafhalter geben, der mindestens einen Hektar bewirtschaftet und/oder mindestens sieben Mutterschafe hält und damit über die Mindestfördersumme von 225 € kommt.

Aus der ersten Säule der EU-Agrarförderung gebe es eine Grundprämie von 156 €/ha, in Natura 2000-Gebieten von 40 €/ha. Die ersten Hektare werden mit einem Aufschlag von 69 €/ha bedacht. Bei der Extensivierung seines Gesamtbetriebs könne der Schafhalter 100 bis 115 €/ha erhalten, wenn er mit 0,3 bis 1,4 Großvieheinheiten/ha belegt ist. Winterbegrünungen und Stilllegungsflächen dürften vom 15. August bis zum 1. September beweidet werden.

Starke Organisation für die Schafhalter

„Unser Sorgenkind ist die zweite Säule“, sagte Bartl. In ihr seien nämlich im Grunde bereits die bayerischen KULAP-Fördermöglichkeiten enthalten und eine Doppelförderung ist bekanntlich nicht möglich. Bartl schloss seinen Vortrag mit einem Hinweis auf die Bedeutung einer starken Organisation für die Schafhalter. „Wenn wir uns nicht selber helfen, dann wird es auch kein anderer tun.“

Längst überfällig waren die Neuwahl des Vorsitzenden und des Ausschusses der schwäbischen Schafhaltervereinigung, die pandemiebedingt erst jetzt über die Bühne gehen konnten. Für die kommende fünfjährige Amtsperiode wurden in den Ausschuss zehn Schafhalter berufen: aus dem Lks. Unterallgäu Jürgen Maucher (Oberauerbach), Johannes Joder (Mindelau), Franz Mühlbauer (Weiler) und Xaver Schäffler (Türkheim); aus dem Lks. Günzburg Julian Eggstein (Freihalden) und Ernst Huber (Ziemetshausen); aus dem Lks. Neu-Ulm Jörg Ederle (Gannertshofen), aus dem Lks. Augsburg Wolfgang Seifert (Dinkelscherben); aus dem Lks. Donau-Ries Franz Rupprecht (Fünfstetten) und aus dem Lks. Dillingen Daniel Anthuber (Wertingen).

Im Anschluss wählten die Ausschussmitglieder Jürgen Maucher erneut zum Vorsitzenden der Schafhaltervereinigung und Julian Eggstein zu seinem Stellvertreter.