Forstbetriebsgemeinschaft

Wappnen gegen weitere Schädlinge im Wald

Eichenprozessionsspinner
Toni Ledermann
am Dienstag, 03.12.2019 - 09:21

Die FBG-Mindelheim informiert über Eichenprozessionsspinner, ALB und Nonne.

Herretshofen/Lks. Unterallgäu - Im zweiten Informationsabend der FBG Mindelheim, in den „Bertele-Stuben“ standen die Schädlinge „Eichenprozessionsspinner, ALB und Nonne als neue Gefahren für den Wald“ im Mittelpunkt. Referent waren der Forstreferendar Maximilian von Stern-Gwiazdowski am AELF Mindelheim und Leitender Forstdirektor und AELF-Leiter Rainer Nützel.

FBG-Vorsitzender Georg Paulus eröffnete die Versammlung und bat die Waldbesitzer gleich eingangs, die richtigen Schlussfolgerungen zur Vermeidung der heute vorgestellten Gefährdungen zu ziehen.

Eichenprozessionsspinner (EPS) bereits in der Nähe gefunden

Leider sei der Eichenprozessionsspinner (EPS) bereits in der Nähe gefunden worden. Die Erderwärmung trage auch im Allgäu dazu bei, dass dieser Schädling auf dem Vormarsch ist. Maximilian von Stern-Gwiazdowski wies darauf hin: Egal ob im Wald, im Stadtpark oder überall dort, wo Eichen an sonnigen und warmen Plätzen zu finden sind, lauere diese nicht zu unterschätzende Gefahr, die Raupen des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea). Diese lieben es warm und trocken und haben es auf die Laubbäume abgesehen.

Der Name „Prozessionsspinner“ rühre daher, dass sich die kleinen Tiere von ihrem Nest (Gespinstnest) am Stamm oder in der Astgabel aus gemeinsam in einer Art „Prozession“ auf Nahrungssuche begeben: Sie kriechen in langen Reihen nachts bis zur Baumkrone zum Fressen und kehren im Morgengrauen wieder zurück. Bedeutet: Kahlfraßgefahr für die Eichen – und nicht nur das.

Gefahr für den Menschen geht von den Brennhaaren der Raupe aus

Der Eichenprozessionsspinner-Schmetterling ist für den Menschen ungefährlich. Anders sieht es bei der Raupe aus. Denn auf deren Hinterteil befinden sich so genannte Brennhaare. Und genau dort lauere die Gefahr. Denn diese Brennhaare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das die Raupe vor Fressfeinden wie Vögeln schützen soll. Beim Menschen kann das Gift eine (pseudo-) allergische Reaktion unter anderem mit einem charakteristischen Hautausschlag und starkem Juckreiz hervorrufen.

Die gefährlichen Brennhaare werden ab dem dritten Larvenstadium etwa Mitte Mai gebildet. Die voll entwickelte Raupe Ende Juni, verfüge über rund eine halbe Million dieser Brennhaare. Problematisch dabei: Die Brennhaare brechen beispielsweise durch die Raupenbewegung leicht ab und werden dann insbesondere bei trocken-warmer Witterung mit dem Wind über weite Strecken durch die Luft getragen. Auch Brennhaare in verlassenen Gespinstnestern, im Unterholz oder am Bodenbewuchs in der Umgebung können für den Menschen noch bis zu zehn Jahre gefährlich sein! 

Hinzu komme, dass auch Haustiere nach einem Spaziergang im Grünen die Brennhaare verschleppen und sogar mit nach Hause bringen können. Wichtig sei deshalb den Schädling nicht zu berühren und das Befalls-Areal der Gemeinde oder dem Forstamt zu melden, um sicherheitsrechtliche Anordnungen zu erreichen.

Nach einem Kontakt mit den Brennhaaren sollte man jedenfalls sofort die Kleidung wechseln und sich duschen. Bekämpfungsmöglichkeiten sind: Absperrung und Absaugen durch Fachleute und chemisch durch Präparate (Häutungshemmer). Präventiv wirken naturnahe, strukturreiche und widerstandsfähige Mischwälder und auch die kurzfristige Förderung von Gegenspielern wie Raupenfliegen und Kuckuck. Befallen werden in der Regel nur Eichen. Benachbarte andere Baumarten werden nicht befallen.

Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) - eine neue Gefahr für die Wälder

Der nächste Schädling den der Referent vorstellte, war der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB). „Er stellt eine neue Gefahr für die Wälder dar“, so von Stern-Gwiazdowski, für den hier das AELF Mindelheim im Wald und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising zuständig sind, wenn er außerhalb des Waldes gefunden wird. Dieser Käfer ist meldepflichtig, mit Strafbewehrung! Der Schädling werde oft mit Verpackungsholz eingeschleppt. In Schönebach bei Ziemetshausen habe man schon einen gefunden, auch im Münchner Raum sowie in diesem Jahr bei Miesbach in Oberbayern.

Der „blinde Passagier“ befällt gesunde Laubbäume, vor allem Ahorn aber auch Rosskastanie, Birke, Pappel, Weide und eine Vielzahl anderer Laubbäume. Durch die Ein- und Ausbohrlöcher des Käfers gelangen holzzersetzende Pilze in den Stamm und die Äste, die dann, nach starkem, mehrjährigen Befall, absterben.

Schäden sind Rindenverletzungen und eventuell Saftfluss. Erkenntlich ist der Befall durch große Bohrspäne am Stamm-Fuss und Astgabeln, wobei die ausgeworfene Menge beträchtlich sein kann. Das Einbohrloch ist schlitz- oder sichelförmig. „Es sind kreisrunde Ausbohrlöcher, wie mit einem 10-er Bohrer gemacht“, so von Stern.

Vorsitzender Georg Paulus warf ein, dass er Hunde gesehen hat, die den Käfer aufspüren, da sie speziell dafür ausgebildet wurden. Der Referent bestätigte dies und wies darauf hin, dass bei Befall Pufferzonen eingerichtet werden. Damit möglichst wenig Käfer ins Land kommen, werden phytosanitäre Kontrollen des eingeführten Verpackungsholz durch das AELF durchgeführt sowie die Öffentlichkeit informiert und sensibilisiert.

Kahlfraß durch die Nonne

Der nächste Schädling, der vorgestellt wurde, hieß Nonne, (Lymantria moncha L.), ist wie der Eichenprozessionsspinner auch ein Nachtfalter und zählt zu den Großschädlingen an Kiefer und Fichte.

Die Nonne legt ihre Eier an Kiefer und Fichte, meist versteckt hinter der Grobborke und bei anderen Gehölzen am liebsten in Rindenritzen ab. Die Raupen wandern zu den Kronen, die daraufhin kahlgefressen werden. Besonders gefährdet sind warm-trockene Gebiete. Die Forstämter arbeiten mit Pheromon-Fallen, um Flugzeit und Menge der Schädlinge zu messen und bei Gefahr rechtzeitig reagieren zu können.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung informierte Geschäftsführer Roland Lembach über das umfangreiche Dienstleistungsangebot der FBG. Dazu meinte er treffend: „Es gibt im forstlichen Bereich fast nichts was die FBG nicht macht oder wer ansonsten helfen kann.“