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Abschusszahlen

Waldschutz: Aufholjagd beim Rotwild

Starke Trophäen bei der Herbst-Hegeschau. Aber das Abschuss-Soll beim Rotwild wurde bis Mitte Oktober erst zu 38 Prozent erreicht.
Josef Gutsmiedl
am Freitag, 11.11.2022 - 08:38

Beim Abschuss-Soll für Rotwild hinkt die Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen noch hinterher.In diese Richtung ging auch der Appell der Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller, am bewährten Verfahren der flexiblen Schonzeitgestaltung festzuhalten und punktuell Schonzeitaufhebungen durchzusetzen.

Prof. Dr. Walter Arnold erörterte neue Erkenntnisse zum Rotwild.

Fischen / Lks. Oberallgäu  Noch viel Arbeit kommt in den kommenden Wochen und Monaten auf die Jägerinnen und Jäger im südlichen Oberallgäu zu: Beim Abschuss-Soll für Rotwild hinkt die Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen noch hinterher. In diese Richtung ging auch der Appell der Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller, am bewährten Verfahren der flexiblen Schonzeitgestaltung festzuhalten und punktuell Schonzeitaufhebungen durchzusetzen.

Jagdberater Markus Schwarz redete bei der Herbst-Hegeschau in Fischen nicht um den heißen Brei herum: „Gerade im Hinblick auf die Abschusserfüllung beim Rotwild ist die Jägerschaft in den nächsten Wochen und Monaten einschlägig aufgefordert, diese zu erfüllen.“ Bis Mitte Oktober seien mit 378 Stück Rotwild nur 38 Prozent des Solls von knapp 1000 Stück erreicht worden. Etwas besser sieht es beim Rehwild aus: knapp 20 Prozent des dreijährigen Solls. Beim Gamswild wurde erst ein Drittel des Jagdjahressolls erreicht.

Rotwildbestand lässt sich eigentlich gut steuern

Dabei lasse sich das Rotwild bei fach- und wildtiergerechtem Umgang gut steuern, meinte der Jagdberater weiter. Eine gut gesteuerte Rotwildpopulation unter Beteiligung und Abstimmung aller Interessensgruppen werde in Zukunft die bessere Alternative für die Kulturlandschaft darstellen als „selbstverliebt und egoistisch“ nur eigene Interessen zu verfolgen. Revier-Egoismus werde weder bei der Rotwildbewirtschaftung noch beim Waldbau ans Ziel führen. Das jüngste Gutachten zur Naturverjüngung im Wald habe die klare Empfehlung ausgesprochen, die bisherigen Abschusshöhe beizubehalten, ergänzte die Landrätin. Umso weniger könne sie die Bestrebungen einiger Verbände verstehen, das „Werkzeug der räumlichen Steuerung“ mittels Schonzeitaufhebung auszuhebeln.

Rotwild verlangsamt im Winter seinen Stoffwechsel

Allein der Ruf nach höheren Abschusszahlen bringe nichts, schickte der langjährige Leiter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Prof. Dr. rer. nat. Walter Arnold, seinem Vortrag über saisonale Verhaltensänderungen beim Rotwild voraus. Das sei nicht zielführend.

In aufwendigen Untersuchungen hatte das Institut Rotwildpopulationen in Österreich durch die Jahreszeiten begleitet. Die Auswertung zeigte einerseits Bekanntes auf, ließ andererseits neue Schlüsse zu. Dass Rotwild im Winter in einen Energiesparmodus gehe, ist nichts Neues. Die Hirsche haben auch weniger Appetit, verlangsamen ihren Stoffwechsel deutlich und kommen mit wenig Futter geringer Qualität gut über die Runden. Auf Sparflamme leben führe auch keineswegs zum gefürchteten Wildverbiss.

Seine Erkenntnis: „Unser Wild braucht im Winter Ruhe!“ Wer es dagegen „rausballere“, brauche sich über Wildschäden nicht wundern. Auch der zunehmende Freizeitdruck auf den Wald müsse gestoppt werden. Man werde mehr tun müssen, als man sich heute vorstellen könne, deutete der Experte an und verwies auf Betretungsverbote im Winterhalbjahr – auch in ausgesprochenen Tourismusregionen – in der Schweiz.

Das Rotwild brauche im Winter nicht zusätzliches Futter, sondern vor allem sichere Ruhe. Der Organismus eines Rothirsches habe das Potenzial, dank seines Stoffwechsels, längere Zeit des Mangels zu überstehen, sofern er die Ruhe dazu hat, also dauerhaft im Winterbetrieb zu bleiben.