Forst

Waldbesitzer wünschen sich Schnee

Tanne
Bayerische Staatsforsten
am Mittwoch, 22.01.2020 - 08:22

Wasserversorgung der Nadelbäume durch Frost gefährdet.

Sonthofen/Lks. Oberallgäu - Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit, so heißt es in einem alten Kinderlied. Diese Frage stellen sich auch viele Waldbesitzer. Vor allem in von Fichten dominierten Regionen. Denn die Wetterprognose bis Ende Januar rechnet im Allgäu nicht mit nennenswerten Niederschlägen. Auch die Temperaturen liegen im Wintermonat Januar weit über dem Schnitt. „Das dürfte ein weiteres Zeichen für den fortschreitenden Klimawandel sein, der sich auch im Wald stark bemerkbar macht“, glaubt Sonthofens Staatsforsten-Chef Jann Oetting.

Markus König, Revierleiter am Forstbetrieb Sonthofen, erklärt die negativen Auswirkungen im Wald: „Vor allem für manche Nadelbäume wird es gefährlich, wenn die schützende Schneedecke ausbleibt: Im Gegensatz zu den im Winter blattlosen Laubbäumen verdunsten die immergrünen Pflanzen ganzjährig über ihre Nadeln Wasser. Deshalb sind sie auf ein Minimum an verfügbarem Wasser angewiesen. Eine Schneeauflage verhindert, dass der Boden durchfriert und das vorhandene Wasser steht den Bäumen somit zur Verfügung.

Risiko Frosttrocknis

Wenn die Schnee-Isolation fehlt und der Boden tief durchfriert, wird es vor allem für den Baumnachwuchs schwierig.“ Im Extremfall führt dies zur Frosttrocknis. König: „Wenn die Sonne scheint, öffnen die Bäume ihre Verdunstungsklappen, die Lentizellen. Aber aus der gefrorenen Erde kann die Sonne kein flüssiges Wasser mehr in die Krone pumpen. Die Bäume vertrocknen.“

Ohne Schnee, der im Frühjahr langsam wegtaut und in den Boden eindringt, werden auch die Wasserspeicher nicht ausreichend gefüllt. Die Humusbildung leidet, die wichtig für die Versorgung der Bäume mit Wasser und Nährstoffen ist. Schnee, der spät im Jahr kommt, verdunstet wegen der schon kräftigen Sonne zu einem größeren Teil. Das Wasser versickert also nicht und ist für die Pflanzen nicht verfügbar. Das alles hat Auswirkungen auf die Wasserversorgung, wenn die Vegetationsperiode beginnt. Und der Trockenstress macht die Bäume weitaus anfälliger für den Borkenkäfer.

Forstbetriebsleiter Oetting: „Bisher waren die begrenzenden Faktoren für Baumwachstum während der Vegetationsperioden Wärme und Licht. Es gibt Studien, die davon ausgehen, dass es zukünftig der Zeitraum sein wird, in dem die Bäume Wasser aufnehmen können.“

Was also tun, um den Wald und seine lebensnotwendigen Funktionen zu erhalten? Oetting: „Wir wollen einen Klimawald schaffen, mindestens vier Baumarten auf der Fläche.“ Dabei werden zusätzlich zu den geplanten Pflanzungen Baumarten eingebracht, die als klimaresistent gelten können. Das heißt aber auch, dass sich das Bild unserer Wälder wandeln wird. Speziell die Fichte ist als Flachwurzler besonders anfällig gegen Trockenheit und wird wohl in absehbarer Zeit auf vielen Standorten durch andere Baumarten ergänzt oder sogar ersetzt werden müssen.

Besser versorgt und verankert

Beim Nadelholz sind Tanne, Douglasie, Lärche und Kiefer eine gute Wahl, während bei den Laubbaumarten Linden, Eichen und auch der Bergahorn mit Trockenheit besser zurechtkommen. Revierleiter König sagt warum: „Diese Baumarten sind im Gegensatz zur Fichte keine Flachwurzler, sondern bilden ein tiefer in den Boden reichendes Wurzelwerk aus. Sie erschließen so Wasser aus tieferen Erdschichten. Zudem sind sie durch dieses Wurzelwerk besser im Boden verankert, sodass wir davon ausgehen, dass sie auch gegen die zunehmenden Sturmereignisse besser gewappnet sind.“