Aktion

Ein Waldbegang nur für Frauen

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Dr. Josef Hiemer
am Donnerstag, 08.07.2021 - 15:38

Der Waldbegang der FBG für Frauen führte in den Füssener Stadtwald. Die fachliche Begleitung lag ebenfalls in Frauenhänden.

Füssen/Lks. Ostallgäu Ausschließlich an Frauen richtete sich der Waldbegang, den die Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) Füssen und Marktoberdorf bereits zum 7. Mal gemeinsam veranstalteten. Frauen spielen in beiden FBG nämlich eine wichtige Rolle: Die Füssener FBG wird von Gabi Schmölz geführt, als Nachfolgerin von Christa Rodenkirchen. Mit Perpetua Zwick bestimmt auch in der FBG Marktoberdorf eine Frau die Geschicke mit.

Mit dem Frauenwaldbegang sollen die Frauen motiviert werden, sich mit dem Thema Wald zu beschäftigen. Nicht wenige sind selbst Waldbesitzerinnen, alleine oder mit dem Ehepartner. Unter sich, in der Frauenrunde, entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre. Da fällt es vielen leichter, sich zu äußern.

Überraschend großes Interesse

Das Interesse am Waldbegang war überraschend groß. 32 Frauen, neben Waldbesitzerinnen auch Wald- und Naturinteressierte, begaben sich auf den etwa 4 km langen Weg durch den Füssener Stadtwald bei Bad Faulenbach. Die fachliche Begleitung lag ebenfalls in Frauenhänden: bei Christine Nordhaus und Nina Östreich, beides Försterinnen vom AELF Kaufbeuren.

Umbau zu klimastabilen Wald

Der Füssener Stadtwald erstreckt sich auf der Nord- und Südseite eines Höhenrückens westlich von Füssen. Er war bis zur Säkularisation 1803 im Eigentum des Klosters St. Mang in Füssen. Anfang des 20. Jahrhunderts konnte ihn die Stadt von Zwischenbesitzern erwerben. Der Wald umfasst 450 ha in Deutschland und 400 ha in Österreich. Auf der Nordseite dominieren trotz des laufenden Umbaus zu einem Mischwald noch die Fichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bereich für Reparationsleistungen abgeholzt und mit schnell wachsenden Fichten wieder aufgeforstet worden. Daneben wachsen Lärchen, Bergahorn und der Mehlbeerbaum. Die gesamte Waldfläche ist heute ein Eigenjagdrevier und verpachtet.

Eher untypisch für den Bergwald sind die im Süden vorherrschenden Kiefern. Diese Flächen wurden lange Zeit als Viehweide genutzt. Damit unter der Lichtbaumart Kiefer genügend Gras für die Weidetiere wächst, wurden die Schattbaumarten Buche und Tanne entfernt.

Unter einer geringen Humusauflage steht der Fels an. Bei Trockenheit bekommt die Fichte als Flachwurzler deshalb schnell Probleme. Durch den konsequenten Umbau in einen zukunftsfähigen Mischwald konnte der Laubanteil auf 50 % zunehmen. Während Naturanflug von Ahorn und Buche stattfindet, fehlt die Tanne vollständig. Sie ist auch nicht im Altbestand vorhanden.

Für den Klimawandel wappnen

Das Waldgebiet liegt in der Gebietskulisse der Bergwaldoffensive (BWO). Neben der Betriebsführung durch den zuständigen Revierförster vom Landwirtschaftsamt Kaufbeuren unterstützt die BWO personell und mit zusätzlichen Fördermitteln die Entwicklung des Waldes, um die Bestände für die Herausforderungen des Klimawandels auszurichten.

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„Der Füssener Stadtwald ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Berücksichtigung der verschiedenen Nutzungen des Waldes für die Forstwirtschaft, die Erholungssuchenden und den Naturschutz“, begründete Schmölz die Auswahl für den Waldbegang. Die Forstwirtschaft schreibe hier seit 25 Jahren schwarze Zahlen, trotz der vielfältigen Nutzungsansprüche. Die Bewirtschaftung erfolgt durch Selbstwerber. Sie entnehmen Bäume und Brennholz. Nur in schwierigen Lagen kommen professionelle Unternehmer zum Einsatz, erklärte Schmölz.

Der Wald bildet hier auch ein besonderes Habitat für Vögel, Insekten, Fledermäuse, den Klaiber, Meisen, Siebenschläfer und Hummeln. 15 der in Bayern heimischen 25 Fledermausarten nisten hier in 25 aufgehängten Nistkästen. Fledermäuse nisten normalerweise auch in abgeplatzten Rinden, Spalten oder Höhlen im Wald.

Försterin Östreich appellierte daher, nicht alle Spalten an Stadel und Häusern dicht zu machen. Fledermäuse könnten dort Nistmöglichkeiten finden. Sie verursachen keine Schäden und sind auch nicht krank. Zum Überwintern fliegen sie bis zu 1000 km in den Süden und kommen im April/Mai wieder zurück. Das sei eine faszinierende Leistung für den kleinen Abendsegler, der bei einer Flügelspannweite von 35 cm nur 8 g wiegt, wie Östreich erklärte.

Neben dem Vertragsnaturschutz-Programm (VNP) für landwirtschaftliche Flächen bietet Bayern auch VNP-Fördermaßnahmen für den Wald an. Gefördert werden Totholz- und Biotopbäume. Biotopbäume leben noch, weisen aber zum Beispiel abgebrochene Zwiesel oder einen Pilzbefall an der Bruchstelle auf. Totholz muss im Wald liegen gelassen, Biotopbäume dürfen nicht gefällt werden. Auch für Baumkronen ist eine VNP-Förderung möglich. Die beiden Försterinnen empfahlen die Teilnahme am VNP-Programm für Wald in schwierigem Gelände.

VNP-Förderung ist möglich

Wem die notwendige Ausrüstung und auch das Können fehlt, könne einen umgestürzten Baum liegen lassen und hierfür eine VNP-Förderung beantragen. Der Mindeststammumfang beim Totholz in 1,3 m Höhe betrage 30 cm. Je stärker der Baumumfang ist, um so höher ist die Förderung. Diese werde als einmaliger Zuschuss ausbezahlt und könne bis zu 220 €/Baum betragen. Fichten würden nur im Bergmischwald gefördert. Käferbäume seien von der Förderung ausgeschlossen.

Der Verpflichtungszeitraum beträgt 12 Jahre. Danach könne die Förderung erneut beantragt werden – falls das Programm dann noch existiert.

Alle geförderten Bäume werden in einer Karte erfasst und in einer Datenbank zentral gespeichert. Zuständig sind die Abteilung Forsten beim jeweiligen Landwirtschaftsamt und die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt.