Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Klimawandel

Den Wald für die Zukunft wappnen

Baustelleneinweisung im Wald nordwestlich von Landensberg: Rund 2,5 km neue Wege werden hier in den kommenden Monaten angelegt, teilweise in Hanglage. Erschlossen werden damit zahlreiche neu geordnete Flurstücke, um einen zukunftsfähigen, an den Klimawandel angepassten Waldumbau zu ermöglichen.
Lothar Birzle
am Mittwoch, 26.10.2022 - 08:24

Warum bei Landensberg der Forst neu geordnet und erschlossen wird.

Aus der Fichtenmonokultur soll Zug um Zug ein Mischwald werden. Auch zwei Tot-holzbiotope werden im Rahmen der Wegebauarbeiten geschaffen. Links Baudirektor und Projektleiter Lothar Birzle vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben.

Landensberg/Lks. Günzburg Weg von der Monokultur, hin zu einem gesunden Mischwald: Der Klimawandel macht es unabdingbar, dass viele heimische Wälder umgebaut werden müssen. Schwierig wird das allerdings, wenn einzelne Flurstücke unzureichend erschlossen und zwar lang, aber nur wenige Meter schmal sind – so wie im Wald nordwestlich von Landensberg, schreibt das Amt für ländliche Entwicklung Schwaben (ALE) in einer Mitteilung. Dort wird aktuell der Boden neu geordnet, um günstigere und zukunftsfähige Bewirtschaftungseinheiten zu schaffen.

134 Flurstücke, einzelne kaum zehn Meter breit

Der rund 48 Hektar umfassende Privatwald westlich des Schluchtbergs setzte sich vor der Bodenneuordnung aus 134 Flurstücken zusammen – viele davon weniger als zehn Meter breit. Und zugänglich, ohne auf fremdem Eigentum unterwegs zu sein, waren einige der Parzellen ebenfalls nicht. Mit einem Waldneuordnungsverfahren schafft das ALE aktuell die Rahmenbedingungen, damit die insgesamt 32 Waldbauern dort ihren Baumbestand vernünftig nutzen und ihn für künftige Anforderungen umbauen können.

Seinen formellen Anfang nahm das Verfahren im Jahr 2018, ein Jahr später wählte die Teilnehmergemeinschaft der betroffenen Eigentümer eine ehrenamtlich tätige Vorstandschaft. 2020 erfolgte dann die Wertermittlung für den Boden und den Holzbestand: Eine überaus wichtige Grundlage für intensive Gespräche mit den Grundstückseigentümern, mit denen auch das neue Wegenetz abgestimmt wurde. Mittlerweile ist die Neuverteilung abgeschlossen.

Aus 134 Flurstücken sind nun 72 geworden. „Wir haben jetzt sehr kompakte Wirtschaftseinheiten, die auch einen späteren Waldumbau ermöglichen“, erläutert Baudirektor und Projektleiter Lothar Birzle vom ALE. Die Gespräche mit den Eigentümern seien konstruktiv gewesen, etwaige Bedenken konnten ausgeräumt werden und das Engagement der ehrenamtlich tätigen Vorstandschaft habe gute Lösungen möglich gemacht.

Jüngst erfolgte die Baustelleneinweisung, im November sollen die Arbeiten zum Ausbau des Wegenetzes dann beginnen. Insgesamt werden rund 2,5 km neue Wege angelegt, die sämtliche Flurstücke erschließen werden – einige von ihnen waren bisher intensiv bewirtschaftet, andere weniger, was maßgeblich durch die schwere Zugänglichkeit und den schmalen Zuschnitt begründet war.

Hanglagen erschweren die Bewirtschaftung

Die in Abschnitten vorherrschende Hanglage erschwert die Bewirtschaftung zusätzlich und ist auch der Grund, warum in Teilbereichen neben den neuen Wegen Gräben angelegt werden. Damit das Wasser nach Starkregen nicht den Hang hinunterschießt, soll es kaskadenförmig abgeleitet werden, wovon auch Amphibien profitieren sollen.

Auch Nistkästen für Fledermäuse sind geplant, zudem werden zwei Holzlagerplätze und zwei Totholzbiotope angelegt, eines am östlichen, eines am westlichen Waldrand. Hier wird Sand eingebracht und in Kombination mit Wurzelstöcken und anderem Totholz Lebensraum für Reptilien, etwa für Zauneidechsen, geschaffen. Die ökologischen Maßnahmen sind mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt besprochen und abgestimmt, auch mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stand das federführende ALE in kontinuierlichem Austausch.

Start im November, Abschluss im Frühjahr

Sofern die Witterung mitspielt, sollen die Baumaßnahmen im Frühjahr abgeschlossen werden. „Wir haben versucht, das neue Wegenetz an alten Fahrten zu orientieren“, erklärt Projektleiter Birzle. Speziell für die Holzabfuhr wird ein lastwagentauglicher Ringweg geschaffen, die neuen Wege sollen neben Eigentümern aber auch Einheimische nutzen können: Der bislang sehr unzugängliche Wald wird dann deutlich einfacher begehbar sein, was auch den Freizeitwert erhöht.

Und was den Waldumbau angeht: Einige der Landensberger Waldbauern haben schon die ersten Laubbäume gepflanzt und begonnen, die bisherige Fichtenmonokultur fit für das Klima von morgen zu machen.

Auch in den anderen Flurstücken können durch Stürme beschädigte oder abgeholzte Fichten künftig Zug um Zug durch andere Bäume ersetzt werden – die Erschließung im Zuge der Waldneuordnung macht es möglich.