Forst

Wald - der Freizeitdruck nimmt stark zu

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BBV Ostallgäu
am Montag, 23.09.2019 - 10:48

Beim Waldbegang der Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften des BBV Ostallgäu im Kenzengebiet wird einmal mehr deutlich: Waldbesitzer und Jäger stehen gemeinsam vor großen Herausforderungen.

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Wie jedes Jahr trafen sich Jagdgenossenschaften und Jäger zum mittlerweile traditionellen Waldbegang der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Jagd des BBV Ostallgäu. Mit über 40 Teilnehmern war die Veranstaltung wieder sehr gut besucht. Dies mag zum einen an der ansprechenden Umgebung im Kenzengebiet liegen, zum anderen aber auch an den interessanten Themen, die vor Ort diskutiert wurden.

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Die Gruppe bewegte sich im Bereich der Waldkörperschaft Buching-Trauchgau, die eine Fläche von rund 6000 ha umfasst, davon circa 4500 ha Wald. Die Körperschaft organisiert auch die Bewirtschaftung der verschiedenen Alpen.
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An einigen Standorten, die die Gruppe besichtigte, war zwar starke Naturverjüngung mit Weißtanne und Bergahorn zu erkennen, welche von sehr starkem Wildverbiss betroffen war. Aus Sicht der Jäger ist die Jagd im Kenzengebiet schwierig. So sei die Freizeitnutzung durch Wanderer aber auch durch Mountainbiker und neuerdings durch E-Biker stark angestiegen, was die Jagd deutlich erschwere. Gerade im Winter sei bei sehr hohen Schneelagen oft über Monate hinweg keine Jagd möglich, was das Risiko für Waldschäden erhöhe.

Trotz vermehrtem Abschuss mehr Wild

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Trotz gestiegener Abschusszahlen sei offenbar wieder mehr Wild in den Wäldern, hieß es. Aufgrund der Zählung in den Rotwild-Wintergattern konnte der Anstieg des Rotwildes auch zahlenmäßig bestätigt werden – vor allen Dingen im letzten Jahr, wo aufgrund der hohen Schneelage besonders viel Rotwild ins Wintergatter gezogen sei.
Forstdirektor Stephan Kleiner betonte, dass hier die Jagd eine Schlüsselstellung inne habe, um die Waldbestände für die Zukunft klimafest zu machen. Gerade die Weißtanne sei hierzu eine wichtige Baumart. „Sie ist bei verändertem Klima wesentlich widerstandsfähiger als die Fichte“, erklärte Kleiner. Und weiter: Auch die Waldbesitzer seien in der Verantwortung. Es müsse vor allem bei der Holzentnahme auf die vorhandene Naturverjüngung geachtet werden, denn gerade die Tanne brauche einen Wachstumsvorsprung gegenüber anderen Baumarten, um entsprechend wachsen zu können. Vor allem beim Bergahorn sei das Jugendwachstum wichtig, um entsprechendes Wertholz zu erreichen. Zur Qualitätssteigerung sollte der Ahorn im Verbund aufwachsen und keine Wachstumsverzögerungen durch Wildverbiss erfahren.

Zäunungen sind hier oben ziemlich sinnlos

Wie der Vertreter der Rechtler, zweiter Vorstand Martin Ott, betonte, seien Zäunungsmaßnahmen bei Schneelagen von zwei Metern oder mehr nicht nur teuer, sondern auch sinnlos.
Der Einzelpflanzenschutz sei sehr arbeits- und kostenintensiv und auf diesen großen Flächen nicht zu leisten. Es werde zwar in einzelnen Standorten durchgeführt, sei aber erfahrungsgemäß nicht immer wirksam.

Der körperliche Nachweis wurde jetzt eingeführt

Intensiv wurde über die Möglichkeiten diskutiert, bei diesen Rahmenbedingungen die Jagd und die Naturverjüngung erfolgreicher zu gestalten. Auch Bewegungsjagden könnten im Hochgebirge durchaus zielführend sein, vor allem dann, wenn das Rotwild Richtung Wintergatter ziehe. Das Rotwild könnte auch in einem Vorfanggatter reduziert werden. Dies müsse jedoch von der Unteren Jagdbehörde genehmigt sein, was in der Regel erst nach Ausschöpfung aller anderen Möglichkeiten der Fall sei.
Die Jäger betonten, dass eine wirksame Reduktion des Rotwildbestandes nur durch schwerpunktmäßige Bejagung der Zuwachsträger, also der weiblichen Tiere, zielführend sei. Als vertrauensbildende Maßnahme wurde kürzlich in der gesamten Hegegemeinschaft der körperliche Nachweis eingeführt.
Andreas Schneider, der Revierleiter der Rechtler, erläuterte, dass keine Seite in ihren Bemühungen nachlassen dürfe. So habe die Körperschaft noch vor rund zehn Jahren den Waldpreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung bekommen und jetzt gebe es in Teilbereichen wieder deutliche Probleme mit der Naturverjüngung.
Jäger und Rechtler waren sich einig, dass die geänderten Rahmenbedingungen wie sich verändernde Lebensräume, Klimawandel aber auch stark gestiegene Freizeitnutzung des Waldes die gesamte Energie und den Ideenreichtum von Waldbesitzern und Jägern erfordern, um auch hier zukünftig zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen.