Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Waldkunde

Der Wald als Freiluftlabor

Viele Frauen folgten der Einladung zum Waldbegang ins Naturwaldreservat Dietershofen. Geleitet wurde die Exkursion von Försterin Carolin Albrecht (sitzend, vorne, v. l.), die von Stefanie Süß (AELF Mindelheim – Krumbach) und Simone Simon (Bayerische Staatsforsten Ottobeuren) begleitet wurde.
Toni Ledermann
am Montag, 31.10.2022 - 07:31

Die Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen führte einen Frauenwaldbegang im Naturwaldreservat Dietershofen durch.

Inmitten des Naturschutzreservats stehen einige Käferbäume, die stehen bleiben und die Kleinstlebewesen auch nach dem Absterben Unterschlupf bieten.

Dietershofen/Lks. Unterallgäu - Gute Tradition ist mittlerweile der alljährliche Frauenwaldbegang der FBG Memmingen. Diesmal ging es in das Naturwaldreservat Dietershofen. Die Leitung hatten Carolin Albrecht von der FBG Memmingen und Stefanie Süß vom AELF Mindelheim-Krumbach.

Alteingesessene Landkreisbürger wissen noch sehr gut, dass dort in den 70er Jahren vorgesehen war, eine große Mülldeponie des Landkreises Unterallgäu zu installieren. Aber der Aufschrei von Bürgerinnen und Bürgern und Naturfreunden hatte diesen „Frevel“, wie es damals hieß, verhindert. Stattdessen ist die Wertstoffdeponie in Breitenbrunn entstanden. An all dies erinnert dort heute nichts mehr. Auf den 41 Hektar befindet sich seit über 44 Jahren das Naturwaldreservat Dietershofen. Genauso lange wird das Areal auch nicht mehr waldbaulich bewirtschaftet. Das Waldstück befindet sich im Besitz der Bayerischen Staatsforsten. Die Richtlinien, was man in einem Naturwaldreservat machen darf und machen muss, gibt das zuständige AELF vor, das wiederum sehr eng mit der LWF (Landesanstalt für Wald und Forst) zusammenarbeitet.

Wald auf fruchtbarem Lößboden

Zuständig für dieses Waldstück ist primär Revierförster Reinhard Mahr. Er konnte beim Termin nicht da sein und wurde von Carolin Albrecht vertreten, die eigentlich für das südlichen FBG-Gebiet zuständig ist. Der Boden hier in diesem Waldstück sei sehr fruchtbarer Löß, sagte Albrecht. Buchen, Ahorn und Eichen kommen verhältnismäßig häufig vor. Naturverjüngung funktioniere recht gut. Auch Fichten haben sich trotz Dauerstress mit den Käfern gut behaupten können. Freilich können sich aber nur solche Baumarten verjüngen, die bereits vorhanden sind. In Wirtschaftswäldern werden daher zur Förderung der Vielfalt entsprechende Baumarten hinzugepflanzt. Bejagt werden die Flächen des Naturwaldreservates aber weiterhin.

Besonders beeindruckend für die Frauen war der Anblick einiger mächtigen Douglasien. Keine heimische Baumart freilich. Aber „unternehmungslustige Waldbauern“ hatten diese aus den USA kommende Baumart schon vor über 100 Jahren in Bayern gepflanzt. Das Holz der Bäume sei begehrt, sagte Albrecht. Es sei zu vergleichen mit dem Holz der Lärche. Eine Douglasie war durch starken Käferbefall an vielen Stellen aufgeplatzt. Doch waren am Boden vielfach Waldmeister, Sauerklee und Taubnessel zu sehen.

Käferbäumem bleiben im Naturreservat im Wald

Die Käferthematik kannten viele Frauen aus dem eigenen Wald und so fragten sie hier rege nach. „Oberstes Gebot“, sei, die vom Käfer befallenen Bäume schnell zu fällen und weit genug aus dem Wald zu schaffen. So würden keine neuen Stämme befallen, wenn die Käfer ausfliegen. Albrecht erläuterte auch, dass man in Naturreservaten den Käfer nicht bekämpft, solange er keine Gefahr für den benachbarten Wirtschaftswald darstellt. In diesem Fall könne der sehr wohl gefällt und entrindet werden. Aber er müsse im Bestand bleiben.

Auf eine entsprechende Frage bestätigte Albrecht, dass Borkenkäfer nur Fichten befallen. Allerdings gebe es auch an Laubbäumen „Käferschädlinge“. Jede Baumart habe mit „ihren“ Schädlingen zu kämpfen. Weil es so viel Fichte gibt, sei auch der Befall so enorm, sagte Albrecht.

Den Frauen fielen auch Bäume auf, die mit einem roten Kreis markiert waren. Dazu erläuterte Albrecht, dass diese vom Revierförster gekennzeichnet wurden, um den Überblick zu haben, wie sich der Käfer weiter entwickelt. Auch sei damit feststellbar, welche Käfer frisch von diesem Sommer sind.

Freiluftlabor des Naturschutzwaldes

Zum Abschluss standen die Frauen an einem eingezäunten Areal von 100 x 100 m, man könne es als „Freiluftlabor des Naturschutzwaldes“ bezeichnen. Denn auf diesem Hektar Wald ist jeder Baum seit 1978 nummeriert und katalogisiert, wie Stefanie Süss erklärte. In bestimmten Abständen werden diese neu vermessen, um so den Zuwachs festzustellen. Ebenso werden die Kronenentwicklung und weitere Merkmale notiert. Als Ergebnis dieses Versuchs unter Ausschluss von Eingriffen des Menschen oder Verbiss durch Wild konnte man feststellen, dass es durch eine natürliche Auslese immer weniger Bäume wurden. Aber insgesamt habe sich der Zuwachs an Festmeter Holz erhöht, wie Süß berichtete: von 605 fm/ha auf 950 fm/ha!

Als Resumee des Abends sagte Albrecht: „Es ist schön, dass es in Bayern Flächen gibt, die der Natur überlassen bleiben und man beobachten kann, wie sich die Natur entwickelt.“ Jedoch sei es gleichermaßen wichtig für den Rest der Waldflächen, dass diese Wirtschaftswälder blieben.