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Milcherzeuger

Vorsitzender sieht LKV wieder in der Spur

Allgäu
Brigitte Früh
am Montag, 24.02.2020 - 10:05

Bei der Vertreterversammlung des Milcherzeugerrings Allgäu freuen sich die Verantwortlichen, dass beim LKV wieder Ruhe eingekehrt ist.

Die Erleichterung war Josef Hefele anzusehen und er drückte sie auch mit klaren Worten aus: „Mit dem neuen Geschäftsführer Ernest Schäffer ist das LKV Bayern wieder in einer Spur“, sagte der Vorsitzende des Milcherzeugerrings (MER) Allgäu e.V. bei der Vertreterversammlung in Aitrang. Nicht nur, dass mit dem Arbeitsantritt des neuen LKV-Geschäftsführers im Juli 2019 eine einjährige Karenzzeit nach der Abberufung seines Vorgängers im Juni 2018 zu Ende ging, die Hefele als Vorsitzendem des LKV Bayern e.V. und weiteren Verantwortlichen im LKV eine Menge Zusatzarbeit beschert hat. Mit Ernest Schäffer habe man auch einen ausgewiesenen Experten der Branche gewinnen können.

Der neue Mann im LKV hielt dann auch das Hauptreferat. Fachberater Stefan Immler vom Fachzentrum Rinderzucht am AELF Kempten legte den Geschäftsbericht des MER vor. Über den aktuellen Stand bei der Einführung des neuen Lactocorders LC-TT informierte Dr. Ansgar Adriany, Abteilungsleiter Milchleistungsprüfung im LKV Bayern.

Unterstützung durch die Politik aber die Gesellschaft . . .

Zuvor warf Hefele jedoch einen kritischen Blick auf die Lage der Landwirtschaft. Zwar habe man durchaus den Eindruck, dass die Politik hinter den kleinen Strukturen in Bayern stehe. „Aber in der Gesellschaft tickt man ganz anders, alles dreht sich um Haltung und Tierwohl, man traut sich das Wort Leistung kaum auszusprechen“, brachte es der MER- und LKV-Vorsitzende auf den Punkt. „Wir suchen den Dialog mit der Gesellschaft, stoßen aber nicht immer auf offene Ohren.“

Das LKV bewege sich als Dienstleister in diesem Spannungsfeld. „Landwirte sind unsere Mitglieder. Wir sitzen alle in einem Boot und stehen hinter der Landwirtschaft und der Tierhaltung“, bezog Hefele klar Position. Immer mehr Beeinträchtigungen in der Bewirtschaftung, Stichwort „rote Gebiete“ und „Düngeverordnung“, ließen viele Betriebe überlegen, ob sie sich das in Zukunft noch antun wollen. „Jeden Tag gehen in Bayern drei Milchviehbetriebe verloren“, benannte Hefele eine erschreckende Entwicklung. Das LKV dürfe aber die Augen vor dem Strukturwandel nicht verschließen. Die Leistungsprüfung habe nach wie vor oberste Priorität, aber das LKV wolle auch neue Aufgaben angehen und sich auf zukünftig gefragte Dienstleistungen und Arbeitsschwerpunkte vorbereiten.

Auch räumlich wird sich der MER verändern und nach Fertigstellung des neuen Viehmarktungszentrums der AHG bei Unterthingau dort mit seinem Büro einziehen. Er hoffe auf einen Mietpreis, mit dem beide Seiten zufrieden sein können, wandte sich Hefele mit einem Augenzwinkern an den künftigen „Hausherren“ Norbert Meggle.

Kälbermarkt liegt am Boden

Der AHG-Vorsitzende ging in seinem Grußwort ausführlich auf den geplanten Neubau der Vermarktungshallen samt Neben- und Verwaltungsgebäude ein, ebenso auf die geplante Fusion mit dem Schwarzbunt Rotbunt Zuchtverband Bayern (SRB) und die Problematik der Tiertransporte, die noch viel größer sei als die Blauzungen-Problematik (alle Themen wurden im Wochenblatt bereits ausführlich dargestellt).

In punkto Tiertransporte wäre eine schnelle Lösung dringend notwendig, „denn da wird jeden Tag viel Geld kaputt gemacht“, so Meggle. Allein im Allgäu kamen durch den Preisverfall bei Kälbern, Exporthemmnisse, Kosten für Blutproben, etc. rund 10 Mio. € zusammen, hat der AHG-Vorsitzende ausgerechnet. Entspannung sei jetzt in Sicht, man sei nah dran an einer Transportgenehmigung, aber die Preise lägen derzeit am Boden und verloren gegangene Märkte müssten wieder aufgebaut oder neue gefunden werden.

Zu Jahresbeginn 2020 hat das LKV die Federführung für das Projekt „ProGesund“ übernommen, darauf wies AHG-Zuchtleiter Dr. Franz Birkenmaier in seinem Grußwort hin. Das Projekt der AHG – „Braunvieh Vision“ – sei ebenfalls auf einem guten Weg und liefere Gesundheitsdaten für ProGesund. „Leistung ist auch Qualität und Gesundheit“, betonte Birkenmaier, man wolle das Augenmerk der Zucht noch stärker darauf lenken. Sein Appell an die Landwirte: die Gesundheitsdatenerfassung unterstützen und ProGesund nutzen, um die gesamte Branche voranzubringen und damit frühzeitig auf kommende Ansprüche der Gesellschaft zu reagieren.

Von schwierigen Rahmenbedingungen im Jahr 2019 sprach Fachberater Stefan Immler in seinem Geschäftsbericht. Darin ging er auf den Stand der Milchleistungsprüfung, die Prüfverfahren, die Entwicklung der Betriebs- und Kuhzahlen und weitere Dienstleistungsangebote ein.

Als neue Mitarbeiter im MER stellte er Veronika Wachter (Beratung, Nachfolgerin von Paul Moser), Cornelius Metzeler (LOP, bisher Springer für den Bereich Kempten), Thomas Poppler (LOP, Nachfolger von Peter Martin) und Josef Wiedemann (jetzt LOP, früher Anlagen- und Melkberater) vor. Insgesamt arbeiteten damit im letzten Jahr 1,5 Verwaltungsangestellte, 2 Teamleiter MLP, ein Regionalleiter Beratung (Bernd Ehrhart), 7 Fütterungsberater (6,1 AK), eine Melkberaterin (0,6 AK), ein Anpaarungsberater (0,5 AK), 35 Leistungsoberprüfer (33,8 AK) und 218 Probenehmer, 12 weniger als 2018, sowie 2,2 AK als Springer im MER Allgäu. Eine LOP AK betreute im Jahr 2019 92 Betriebe und 4619 Kühe, zeigte Immler auf.

Außer den Milchviehbetrieben betreuen die LOP 9 Ziegenbetriebe mit 715 Ziegen unter MLP, 1 Schafbetrieb mit 118 Schafen unter MLP, 107 Aufzuchtbetriebe mit 2200 Tieren (ohne Kalbungen), 93 Aufzuchtbetriebe mit 2300 Tieren (mit Kalbungen) und 50 Mutterkuhbetriebe mit 700 Mutterkühen. Außerdem werden die elektronischen Milchmengenmessgeräte von 158 hofeigenen Anlagen in Melkständen und 284 AMS-Betrieben mit 339 Boxen jährlich überprüft, letztere nehmen zu und binden mehr Personal, teilte der Fachberater mit. 
Den Kassenbericht legte der Teamleiter MLP, Patrick Fechtig, vor. Geprüft und für tadellos in Ordnung befunden wurde die Kasse von den Kassenprüfern Hermann Nigg und Andreas Fischer.

Man darf auch als Landwirt Geld verdienen

Allgäu

Bestens eingearbeitet hat sich Schäffer, der neben seiner neuen Aufgabe als LKV-Geschäftsführer auch Vorstandsmitglied im Milchwirtschaftlichen Verein Bayern und Beirat im Milchprüfring Bayern ist. Detailliert erläuterte er aktuelle Entwicklungen im LKV Bayern, das rund 24.500 Mitgliedsbetriebe betreut, und ging auf den Handel und die Auswirkungen für die Milchwirtschaft ein. Ein wichtiger Bereich ist für Schäffer die Werbung – hier konnte man mit Beiträgen, etwa im Bayerischen Rundfunk, punkten und kostenlos Imagewerbung betreiben.
„Ich gehe keinen Meter vom Begriff Leistung weg“, stellte Schäffer klar.

Die Milchleistungsprüfung sei „Tiereinzelbetreuung“. Die Erfassung der Leistungsdaten jedes einzelnen Tieres erfolge „zum Wohle der Kuh und des Bauern“ und erlaube nicht nur Aussagen zur Ökonomie und Ökologie, sondern auch zu Tierwohl, Gesundheit und Züchtung. Bei der Neuausrichtung der Dienstleistung Beratung sei die Haltungsberatung für Milchviehbetriebe zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und des Tierwohls der Grundsockel. Bestehende Beratungsfelder sollen ausgebaut, neue etabliert werden, etwa die CO2-Beratung.

Viel mehr in den Mittelpunkt stellen sollte man Schäffer zufolge, dass Lebensmittelerzeuger und Fachkräfte zur Weiterverarbeitung bestens ausgebildete Spezialisten mit dem nötigen Fachwissen sind. Der LKV-Geschäftsführer ist davon überzeugt, dass derjenige Erfolg haben werde, der eine gute Leistung – in Bezug auf die jeweiligen Vorgaben der Gesellschaft und des Handels – erbringt. Eine gute Qualität der Produkte reiche dafür freilich nicht mehr aus. Basis für die Tierhalter/Milcherzeuger der Zukunft seien:

  • Zu jeder Zeit über Kostenveränderungen auf dem Laufenden sein.
  • Eine Mindestgröße zur Deckung der Grundkosten – „500 000 Liter müssen es sein“, so Schäffer.
  • Gesellschaftliche Veränderungen begleiten und Forderungen der Zeit einhalten.
  • Und nicht zuletzt: „Man sollte sich nicht schämen, dass man als Landwirt Geld verdienen will.“ Die Nutztierhaltung gehöre zu Bayern. „Zeigen Sie sich positiv in der Gesellschaft und bei Veranstaltungen, nicht aggressiv!“

Neue Lactocorder

Abschließend erläuterte Dr. Ansgar Adriany, Abteilungsleiter Milchlei­stungsprüfung im LKV Bayern, den  Stand bei der Einführung des neuen Lactocorders LC-TT. Die für 2019 bestellten 55 Geräte mit dem gewünschten horizontalen Barcode-Leser konnten erst im Juli geliefert werden. Eine Verzögerung ergab sich bei der Programmierung, die Software LactoPro konnte aus personellen Gründen erst jetzt auf den neuen Lactocorder umgeschrieben werden.

Seit Ende Januar sind nun die ersten zwei Probenehmer im Bereich Weilheim mit den neuen Geräten ausgestattet, die Testphase läuft. Nach ersten Rückmeldungen arbeitet die Hauptfunktion gut, das Reinigungsmonitoring fehlt allerdings noch. Ein Vorteil des neuen Geräts: Während des Melkens kann das Vakuumprofil abgefragt werden. Die Daten im Lactocorder sind vollständig auf den Server in München übertragbar. Daraus werden Profile (Reinigung, Milchfluss, etc) erstellt und den Landwirten zur Verfügung gestellt.