Forst

Durch viele Hochs und Tiefs

Grünes Zentrum
Susanne Lorenz-Munkler
am Mittwoch, 05.02.2020 - 07:44

Die FBG Oberallgäu feiert ihr 50-jähriges Bestehen - eine Geschichte von der Bewältigung stets neuer Herausforderungen.

An einem Montag im Dezember 1969 trafen sich im Gasthaus Engel in Immenstadt 37 Waldbesitzer, um einen neuen Zusammenschluss zu gründen: die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu. Heute, mehr als 50 Jahre später, zählt der Verein knapp 3000 Mitglieder, welchen 23 000 ha Wald gehören. Rund die Hälfte davon ist Schutzwald.

Die FBG erwirtschaftet in normalen Jahren einen Jahres­umsatz von 5 Mio. €, blickt auf 1100 km2 Vereinsgebiet – und ist stolz auf 2700 Follow­er auf ihrer Facebook-Seite. Als größter forstlicher Zusammenschluss Schwabens feiert der Verein in diesem Jahr mit vielen Events sein 50-jähriges Bestehen. Anlass, einen Blick auf die vergangenen Jahre zu blicken.

Gemeinsame Beschaffung von Material

1969 gab es plausible Gründe, diesen Verein zu gründen. Das Gründungsprotokoll bringt es auf den Punkt: „Eine rationelle Bewirtschaftung der Forstflächen ist dringend erforderlich, um eine größere Rentabilität zu erreichen. Durch gemeinsame Maschinenbeschaffung, gemeinsame Pflanzgutbeschaffung und gemeinsame Holzvermarktung könnten für die Mitglieder erhebliche Vorteile erzielt werden.“

Bereits drei Jahre nach der Gründung der FBG kauften die Mitglieder die erste gemeinsame Maschine: einen Hydraulik-Anbaubagger. Nach sieben Jahren begann man das Holz gemeinsam zu vermarkten: 800 RM Papierholz im Jahr. „Das waren noch Zeiten“, schmunzelt der aktuelle Vereinsvorsitzende Johann Jordan, der schon seit 42 Jahren mit von der Partie ist, seit 20 Jahren als erster Vorsitzender.

Wibke bringt Holz zu Boden

Immer mehr wurde die Bündelung der zu vermarktenden Holzmengen ein Thema, da die Sägewerksstruktur in den 80er- und 90er-Jahren einen krassen Wandel erlebte. Die Expansion der Branchenriesen im waldreichen Bayern machte den vielen kleinen Sägereien im Allgäu das Leben schwer. Die Global Player auf dem Holzmarkt diktierten den Preis.

Das einschneidendste Erlebnis für die FBG in ihrer 50-jährigen Geschichte aber war der Orkan Wiebke. Ein schwerer Orkan, der vom 28. Februar auf den 1. März 1990 über Deutschland sowie Teilen der Schweiz und Österreichs wütete. Rund eine Million Festmeter Holz lagen laut Jordan seinerzeit allein im Oberallgäu am Boden.

Wiebke hatte nicht nur immense Schäden und einen massiven Holzpreisverfall zur Folge, sondern auch viele Innovationen. Die ersten Harvester kamen zum Einsatz, die ersten Trocken- und Nasslager wurden eingerichtet. „Noch fünf Jahre später haben wir Windwurfholz von Wiebke bis nach Italien vermarktet“, erinnert sich Jordan. „Der Holzpreis lag damals bei 20 bis 60 Mark, je nach Sortiment. Vor dem Orkan hatten unsere Mitglieder über 200 Mark erhalten."

Es gab nicht mal eine Schreibmaschine

Wiebke habe aber auch gezeigt, dass die Organisationsstruktur der FBG zur Aufarbeitung solcher Schadensereignisse bei weitem nicht genügt. „Unsere Organisationsstruktur war mehr als bescheiden. Alle arbeiteten ehrenamtlich. Wir hatten nicht einmal eine Schreibmaschine. Und hier ging es plötzlich um Millionen von Mark“, erinnert sich Jordan. So habe man sich entschlossen, die FBG auf professionelle Beine zu stellen. Am 1. August 1996 wurde Roman Prestele eingestellt. Als För­ster und hauptamtlicher Geschäftsführer. Der Verein zählte damals bereits 1650 Mitglieder. Als Folge von Wiebke hatte auch die Hackschnitzelproduktion im großen Stil begonnen. Als eines der ersten Biomasse-Heizwerke Bayerns wurde 1996 das Heiz­werk Immenstadt gebaut und von der FBG beliefert.

Im Jahr 2000 hatte die FBG Oberallgäu 2000 Mitglieder mit einer Mitgliedsfläche von 20 000 ha. In den Folgejahren wurden weitere Kooperationen und Dachverbände für die übergeordnete Interessenstärkung aufgebaut, wie die „inSilva e.G.“, eine waldbesitzerseitige internationale Holzhandels- und Logistikgenossenschaft. Desweiteren kooperierte man mit der Allgäuer Sägerunde, ein Zusammenschluss von 28 Sägewerken, und mit der Wald Säge Fuchstal e.G., die die Verarbeitung von Starkholz in der Region ermöglichte.

580 ha Wald unter Vertrag

Gemäß dem Leitsatz „Partner für ihren Wald“, positionierte sich die FBG auch immer stärker in sämtlichen Dienstleistungen der Waldbewirtschaftung. Waldpflegeverträge wurden geschlossen, Sammeldurchforstungen durchgeführt und 1996 eine Tochtergesellschaft „FBG GmbH“ gegründet. Über diese GmbH konnten Stockkäufe abgewickelt werden.

Auch die Mitgliederstruktur veränderte sich. Die klassischen Landwirte wurden aufgrund des Strukturwandels und der Erbteilung immer weniger und die sogenannten urbanen Kleinstwaldbesitzer immer mehr. Waldpflegeverträgen kam eine immer größere Bedeutung zu. Heute hat die FBG 580 ha Wald unter Vertrag.