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Öffentlichkeit

Viel über die Landwirtschaft gelernt

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Anja Kersten
am Montag, 31.08.2020 - 11:02

Das AELF Kaufbeuren organisierte eine Fahrradtour durch die Buchloer Kulturlandschaft. Mehr als 40 Verbraucher nahmen daran teil.

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Unterhaltsam, informativ und sportlich: Bei einer vom AELF Kaufbeuren organisierten Fahrradtour rund um Buchloe konnten Verbraucher Einblicke in die Landwirtschaft gewinnen, mehrere Betriebe besichtigen und erfahren, auf welche Weise Landwirte für die Artenvielfalt in ihrer Heimat beitragen.

„Stadt und Land – das geht nur gemeinsam Hand in Hand“ erklärte Daniel Dörfler vom AELF Kaufbeuren die Idee hinter der Veranstaltung. Die Verbraucher konnten sich so einmal selbst vor Ort ein Bild machen und statt über die Landwirte mit den Landwirten reden sowie ganz nebenbei noch erkunden, was auf den Feldern ihrer Heimat wächst. Dazu gehört beispielsweise die noch Vielen unbekannte Durchwachsene Silphie.

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Helmut Miederer baut die Silphie auf seinem Betrieb mit 160 ha Nutzfläche, 100 Milchkühen und Biogasanlage an. Er habe schon viele Alternativen zum Mais ausprobiert, darunter auch Hirse, erklärte Miederer. Er machte aber auch klar, welchem finanziellen Risiko ein Landwirt ausgesetzt ist, wenn ein Anbauversuch wie im Fall der Hirse nicht so erfolgreich war.

Nicht anders verhalte es sich mit der Silphie.Einmal ausgesät kann sie zwar gut 15 Jahre lang auf dem Feld bleiben, die Saatkosten seien jedoch so teuer, dass sich die Investition erst nach zehn Jahren rechnet. „Da kann ich nach zwei Jahren nicht sagen, das gefällt mir nicht“, zeigte Miederer die weitreichenden Konsequenzen seiner Entscheidung auf. Dennoch habe er sich neben dem Mais für die Silphie entschieden, weil diese Pflanze gut für den Boden und darüber hinaus noch bienenfreundlich sei.

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Ohne Pollen und ohne Nektar gibt es auch keinen Honig, freut sich Katharina Wallach, nach eigenen Worten eine leidenschaftliche Imkerin, über die blütenreichen Silphie-Felder. Weil das Frühjahr in diesem Jahr so trocken war, bildeten die Pflanzen in der Natur zu wenig Nektar. Dementsprechend wenig Honig gibt es, so Wallach. Die Imkerin erzählte auch, welcher Gefahr Bienen durch die Varroa-Milbe ausgesetzt sind und was Imker gegen diesen Parasiten unternehmen.

Mit Blühmischungen und Wiesen tragen die Landwirte entscheidend zur Artenvielfalt bei, wie sich die Radler an einer bunten Fläche mit Sonnenblumen, Borretsch, Kornblumen und Phacelia überzeugten konnten. Da summte und brummte es auch noch am Abend. Staunen ließ so machen ein ausgeklügelter Mechanismus der Sonnenblumen, die mittels eines Hormons ihre Blüten nach der Sonne ausrichten können. Abends drehen sie ihre Blüten wieder nach Osten, wo sie den Sonnenaufgang erwarten.

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Auch die Sojapflanze verblüffte die Radler. Bakterien bilden an den Wurzeln von Leguminosen wie der Sojabohne Knöllchen, in denen sie leben. Sie binden den Stickstoff der Luft und versorgen die Pflanze gleich mit. Die Knöllchen lassen sich sogar sogar mit bloßem Auge erkennen, wie Daniel Dörfler an einer Sojapflanze zeigte.

Dass Landwirte über viel Wissen zu Saat, Pflege und Ernte verfügen und bei der Auswahl der Kulturen stets das Wetter berücksichtigen müssen, machte Dörfler anhand der Wetteraufzeichnungen deutlich. Das Frühjahr habe alles andere als gut begonnen. Es fehlte deutlich an Wasser, im Juni waren dann an einem Tag 50 Liter gefallen. Für den Landwirt entscheidet das Wetter über eine gute oder weniger gute Ernte und damit auch über seine Existenz.

Trotz der Fahrstrecke von 15 km kam aufgrund der vielen Stopps keiner der mehr als 40 Radler aus der Puste. Die Stationen waren allesamt kurzweilig und informativ. So zeigte Martin Tröbensberger nicht nur sein Feld mit Roggen, sondern auch, wie er prüft, ob dieser ausreichend trocken für die Ernte ist. Selbst die Kinder hatten auf einem Kartoffelfeld ihren Spaß, durften sie doch helfen, ein paar Kartoffeln auszugraben.

So mancher Aha-Effekt bei den Mitradlern

„Ich wusste gar nicht, dass auch bei uns Kartoffeln angebaut werden“, räumte ein Radler bei der Besichtigung des Kartoffelfelds ein. Auch wenn es während der Radtour nicht eigens angesprochen wurde: Es zeigte sich immer wieder deutlich, wie der Verbraucher mit seiner Kaufentscheidung die heimische Landwirtschaft unterstützen und beispielsweise dazu beitragen kann, dass es noch Metzgereien gibt, die Fleisch von Tieren aus der Region anbieten.

So wird vielleicht der eine oder andere künftig Eier und Milch auf dem Betrieb der Familie Bernthaler in Honsolgen kaufen. Der Einstieg in die Direktvermarktung sei so eigentlich gar nicht geplant gewesen, sagte Christian Bernthaler. Mit einem Schmunzeln erzählt er, dass er seiner Frau Sonja 20 Hühner geschenkt hatte, aus denen mittlerweile 600 geworden sind. Aufgrund der Nachfrage sei die Hühnerschar nach und nach gewachsen. Die Legehennen werden in drei Gruppen gehalten, zwei Gruppen in Ställen, eine im Hühnermobil.
Die Eier werden nur ab Hof verkauft und nicht nach Größe sortiert, sodass sich in den Kartons sowohl große als auch kleine Eier befinden. Zehn Eier werden für 3 € verkauft. „Kleine und große Eier – das ist die Natur“, erklärt der Landwirt. Er führt aber auch an, dass sich damit die Familie das Sortieren spart.

Arbeit nur gemeinsam zu schaffen

Denn mit 100 Milchkühen, 40 ha Acker, 60 ha Grünland und 50 Mutterschafen für die Landschaftspflege gelangt die Familie mit ihrer Arbeitskapazität an die Grenze. Die Familie besteht aus dem Betriebsleiterpaar, Onkeln und einem Praktikanten. „Wir schaffen die Arbeit nur, weil wir alle zusammenhelfen“, antwortete Bernthaler ehrlich auf die Frage, wie er die viele Arbeit bewältigen könne.Würde sein Betrieb noch weiter wachsen, bestünde die Gefahr, dass er gegenüber seinen Tieren nachlässig wird, meinte der junge Landwirt.

Mit Blick auf eine neue Lüftung im Stall fügte er hinzu: „Wenn ich mich in meinem Stall beim Melken wohl fühle, dann gilt das auch für meine Tiere.“ Umgekehrt gelte das ebenso. Wenn es seinen Tieren nicht gut geht, dann würde es auch ihm nicht gut gehen.