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Ein Viehscheid ohne Zuschauer

Um Corona-bedingt ein Massenveranstaltung zu vermeiden, wurde der Viehscheid Immenstadt in diesem Jahr zur Geheimsache erklärt.

am Donnerstag, 24.09.2020 - 11:00
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Jubiläum

Es ist 8 Uhr morgens. Das Städtle liegt noch im dichten Nebel und ist wie ausgestorben. Lediglich die Präsenz von einigen Polizeibeamten und Feuerwehrleuten lässt vermuten, dass heute irgendetwas los sein muss. Die wenigen Menschen die auf der Straße unterwegs sind, tragen Tracht und eilen Richtung Friedhof. Dort wartet bereits eine Handvoll anderer Lederhosen- und Dirndlträger. Plötzlich dröhnt aus dem Nebel kurz oberhalb der Steigbachbrücke das Geläut von gefühlt hundert Zugschellen und eine Rinderherde durchbricht die Nebelwand, geführt von Rosi und Gerlinde Lackner von der Alpe Schwanden (Besitzer Raiffeisenbank Oberallgäu Süd). Sie und ihre Helfer treiben über 70 Schumpen ins Tal. Nach einem unfallfreien Sommer.

Aber in diesem Jahr ohne prächtig geschmücktes Kranzrind. Das ist in der Corona-Zeit nicht erwünscht. Der Immenstädter Viehscheid, ein Scheid mit uralter Tradition, soll in diesem Jahr so unspektakulär wie möglich über die Bühne gehen. In anderen Jahren werden, seit 1930, die Rinder von neun Alpen mitten durchs Städtle zum traditionellen Viehmarktplatz getrieben. Ein Spektakel, dem gewöhnlich tausende von Zuschauern beiwohnen.

Vieles läuft anders

Heuer, im Jahr 2020 ist das anders. Wegen der Covid-19-Pandemie. Heuer treiben die Älpler die Tiere um die Stadt herum, hinter dem V-Markt vorbei in die heimischen Ställe oder zu ihren Besitzern. Und nur sechs Alpen nehmen am Scheid teil. Die Sennalpe Mittelberg hat bereits ihre Kühe abgetrieben, die Alpe Alp/Kessel tut das an einem anderen Tag.