Personalie

Verständnis für Wald und Natur zu wecken

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Susanne Lorenz-Munkler
am Donnerstag, 27.05.2021 - 12:40

Simon Östreicher ist der neue Bereichsleiter Forsten am AELF Kempten. Auf ihn warten große Herausforderungen.

Waltenhofen/Lks. Oberallgäu Er sei kein Mann der großen Worte, sagt Simon Östreicher über sich selbst. Aber einer, der gelassen dem entgegensieht, was man eine durchaus große Aufgabe nennen kann: Den Umbau der rund 65 000 ha großen Ober- und Westallgäuer Wälder in klimatolerante Zukunftswälder. Der 48-Jährige ist seit 1. Mai Bereichsleiter Forsten am AELF Kempten. Er hat Dr. Ulrich Sauter abgelöst, der dieses Amt 15 Jahre innehatte und zum Jahresende in den Ruhestand ging.

Östreicher war nach seinem Hochschulstudium und Forstreferendariat zunächst Geschäftsaushilfe beim AELF Weilheim, danach Sachbearbeiter bei der LWF in Freising, bevor er ab 2008 im bayerischen Forstministerium in München als Referent arbeitete. 2014 bis 2016 leitete er die Gruppe Landwirtschaft und Forsten an der Regierung von Schwaben in Augsburg, bevor er 2016 Abteilungsleiter am AELF Kaufbeuren wurde.

Seit Mai 2021 ist er Bereichsleiter Forsten und stellvertretender Behördenleiter am AELF Kempten, und damit gleichzeitig auch Leiter der Unteren Forstbehörde in den Landkreisen Lindau und Oberallgäu sowie der Stadt Kempten. Ein Amt, das ihn durchaus fordern wird. Denn die Waldökosysteme stehen unter Druck durch die vom Klimawandel begünstigten Faktoren Trockenheit, Hitze, Stürme und Schadinsekten. Er weiß: „Es besteht größter Handlungsbedarf. Die Fichte wird auch im Alpenvorland und am Bodensee immer größere Probleme bekommen durch längere Dürrephasen. Eine Hauptagenda von uns wird es sein, die Waldbesitzer dahingehend zu unterstützen, ihre Wälder schnellstmöglich in klimataugliche Mischwälder umzubauen.“

Für Beratung der Waldbesitzer zuständig

Seit wenigen Wochen führt Östreicher die drei Forstabteilungen des AELF. Er sieht seine primäre Aufgabe darin, sein Team zusammenzuhalten und auf Augenhöhe gemeinsam die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. „Im Vordergrund steht für uns die gemeinwohlorientierte Beratung der privaten und kommunalen Waldbesitzer. Das heißt: „Wir helfen beim klimagerechten Waldumbau unter Berücksichtigung der Allgemein-Bedürfnisse der Gesellschaft. In dem Rahmen kümmern wir uns auch um eine bedarfsgerechte Erschließung der Wälder mit Forst- und Rückewegen und unterstützen die Waldbesitzer mit forstlichen Förderprogrammen“, sagt Östreicher.

Daneben sind die Förster vom Amt auch für die Forstaufsicht und weitere hoheitliche Aufgaben im gesamten Wald zuständig. Das heißt, sie wachen über die Einhaltung des Waldgesetzes und fungieren als Fachbehörde, zum Beispiel bei Bauangelegenheiten, die den Wald betreffen, oder im Rahmen der Abschussplanungen mit dem Vegetationsgutachten. Er wisse, dass er im Ober- und Westallgäu hierfür ein durchaus schlagkräftiges Team zur Verfügung hat.

Auch auf die Jugend zugehen

Neben dem „Standard-Geschäft“ hält es Östreicher für absolut wichtig, bei der Bevölkerung das Verständnis für den Wald und die Natur zu wecken, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. „So bieten wir Waldführungen für alle Drittklässler an. Wir erleben dabei immer wieder, dass selbst in ländlichen Gemeinden Kinder noch nie im Wald gespielt haben. Das entsetzt mich ein bisschen.“

In seinem früheren Amtsbereich in Buchloe hätten die Förster zusammen mit Gymnasiasten eines jeden Jahrgangs einen Schülerwald angelegt. 2019 habe der erste Jahrgang das Abitur gemacht. „Den frischgebackenen Abiturienten war es echt ein Anliegen, dass sie zur Abiturfeier in den gepflanzten Schulwald gehen und ihre Bäume anschauen“, berichtet Östreicher. Er sieht in Kindern und Jugendlichen die besten Multiplikatoren für das Thema Wald. „Die nehmen ihre Eltern und Großeltern auf die gepflanzten Waldflächen mit.“

Für den Waldumbau, gerade in den Schutz- und Bergwäldern, die vor Lawinen, Hochwasser Murenabgängen und Steinschlag schützen, müssen die erfolgreichen Programme „Schutzwaldmanagement“ und „Bergwaldoffensive“ fortgesetzt und möglichst noch verstärkt werden, meint er. Für den Waldumbau brauche man nicht nur ein Miteinander mit den jeweiligen Waldbesitzern.

Als wichtige Voraussetzung müssten in Zusammenarbeit mit den Jagdgenossenschaften und Jägern die Schalenwildbestände so reguliert werden, dass eine Naturverjüngung aller Mischbaumarten möglich ist. „Dies funktioniert in vielen Teilen des Amtsgebietes schon erfolgreich.“ Es gebe aber noch einige Bereiche, wo Tanne, Buche und Bergahorn es schwer haben, hochzuwachsen. „Wir müssen unsere Jäger mit ins Boot holen, denn sie sind entscheidend für einen großflächigen Waldumbau“, postuliert er. „Wir müssen hier zusammenarbeiten, auch wenn die Interessen manchmal unterschiedlich sind“, ist er sich sicher.

Eine gezielte Besucherlenkung hält Östreicher für das Wild-Management in den touristischen Hotspots für wichtig. Das sei zwar nicht die primäre Aufgabe der Forstbehörde, im Rahmen der Bergwaldoffensive erstellte Schalenwildbewirtschaftungs- und Erholungskonzepte können aber zur Konfliktlösung beitragen. So wurde in seinem früheren Amtsgebiet u.a. auf deren Grundlage zwischen den Rechtlern und der Gemeinde Pfronten erfolgreich eine Vereinbarung zur Ausweisung von naturverträglichen MTB-Strecken geschlossen.