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Urlaub auf dem Bauernhof

Urlaub mit Stalldiplom

Alle im Einsatz: Erst seit letztem Jahr vermieten Karin und Frank Baur (Mitte) mit ihren Kindern (v. l.) Theresa, Lorena, Hannah und Julian ihre Ferienwohnungen. Umso überraschter waren sie über die Auszeichnung mit dem Goldenen Gockel.
Anja Kersten
am Montag, 24.10.2022 - 13:18

Mit hochwertiger Ausstattung der Ferienwohnungen und Gastfreundschaft punktet die Familie Baur bei den Gästen. Wichtig sind den Kunden auch die vielen Tiere auf dem Hof.

Gästekinder dürfen im Stall helfen und bekommen dann auch ein Stalldiplom mit Foto, das sie mit nach Hause nehmen dürfen.

Scheffau/Lks. Lindau - So schnell wurde wohl noch kaum ein Ferienhof mit dem goldenen Gockel ausgezeichnet. Erst im Juni im vergangenen Jahr hat Familie Baur in Scheffau (Lks. Lindau) mit der Vermietung ihrer zwei neugebauten Ferienwohnungen auf ihrem Biolandhof begonnen. Und bereits heuer erhielten sie als einer der gastfreundlichsten Ferienhöfe in ganz Bayern den Goldenen Gockel!

„Als die Nachricht mit der Post kam, habe ich es erst nicht glauben können und meinen Mann gefragt, ob das wirklich stimmen kann und man so schnell den Goldenen Gockel bekommen kann“, erzählt Karin Baur mit einem Lächeln. Die Wohnungen waren zwar bereits an Weihnachten 2020 zur Vermietung fertig. Wegen Corona konnten aber erst an Pfingsten 2021 die ersten Gäste kommen.

Große Begeisterung bei den Gästen

Blick in die Ferienwohnungen: Viel Holz, Echtholzparkett, Lehmputz in den Schlafzimmern und natürliche Materialien sowie hohe Räume von 3,50 Meter sorgen nicht nur für Komfort, sondern bringen die Achtung vor und Verbundenheit mit der Natur zum Ausdruck.

Doch die Begeisterung der Gäste über ihren Urlaub dort war gleich so groß, dass sie sich in ihren positiven Bewertungen fast überschlugen. „Alles perfekt“, „Wie schön der Urlaub war, lässt sich kaum beschreiben“, so lauten nur zwei von vielen Bewertungen, in denen die Gäste die hochwertige Ausstattung der Ferienwohnungen, die Gastfreundschaft der Familie Baur sowie den Hof selbst mit den vielen Tieren hervorhoben.

Besonders würden sie sich dafür bedanken, so schreibt eine Familie, dass „die Kinder mit viel Freude und Geduld bei der Hofarbeit mithelfen durften.“ „Wenn man das liest, freut einen das riesig“, sagen Karin und Frank Baur. Ein größeres Lob könne es eigentlich nicht geben.

Wir sind halt, wie wir sind

Auch rund um ihrem Hof in Scheffau bietet Familie Baur ein Paradies für die Urlaubsgäste.

„Wir sind halt, wie wir sind“, meinen die beiden bescheiden und angesprochen auf die Frage, was sie als Gastgeber auszeichnet. „Das Wichtigste ist, dass man authentisch und ehrlich ist“, fügt Frank Baur hinzu, und den Gästen nicht irgendeine Idylle vorspielt. „Ich bin gerne Landwirt, aber dahinter steckt harte Arbeit“, sagt der gelernte Zimmerer, der neben der Landwirtschaft noch eine Holzbaufirma führt.

2018 hat er die Landwirtschaft von seinem Onkel übernommen. Das nötige Wissen hat sich das Ehepaar beim BILA-Kurs (Bildungsprogramm Landwirt) sowie weiteren spezifischen Kursen angeeignet. Frank Baur hat dann im Anschluss die Abschlussprüfung zum Landwirt absolviert.

Auf Bio umgestellt

2020 hat die Familie, zu denen die drei erwachsenen Kinder Julian (24), Lorena (22), Theresa (20) und Nesthäkchen Hannah (8) gehören, den Betrieb auf Bio umgestellt. Seitdem halten sie zwölf Mutterkühe der Rasse Murnau-Werdenfelser mit Nachzucht und einen Zuchtstier.

Den Stall kennenlernen, füttern oder misten dürfen die Gästekinder, aber auch ihre Eltern, gerne, aber nur zu festgelegten Stallzeiten oder mit Frank und Karin Baur gemeinsam. Alles andere wäre zu gefährlich, erklärt Frank Baur die Regelung. Ein Bauernhof sei nun mal kein Kinderspielplatz, sondern ein Arbeitsplatz, der durchaus auch Gefahren berge. Natürlich wären sie ohne die Gäste oft viel schneller mit der Arbeit fertig, geben sie zu, aber genau das sei es, was sie als Urlaubsbauernhof ausmache. „Wir binden die Gäste mit ein und machen so unsere Arbeit transparent.“

Auf diese Weise werde dann auch verständlich, warum ihr Fleisch einen guten Preis haben muss. Das Fleisch der Tiere vermarktet das Ehepaar sowohl an Gäste als auch nach Vorbestellung direkt ab Hof. So manches Steak liegt dann gleich abends auf einem Grill der Urlauber oder in der Kühltasche für zuhause.

Gäste kaufen Fleisch ein

Etwa jeder dritte Gast, so schätzt Frank Baur, nimmt Fleisch der Rinder mit, die die Familie nur wenige Kilometer entfernt bei einem Schlachthof schlachten lässt. Baurs verpacken und vermarkten das Fleisch selbst. Das könnte aber schon noch ein bisschen mehr sein, merkt der Landwirt etwas selbstkritisch an und erzählt, dass er die Direktvermarktung noch ausbauen will. Ein neuer Stall für 20 Rinder ist derzeit im Bau.

Es ist die Kombination aus Biohof und hochwertig ausgestatteten Ferienwohnungen, die den Hof auszeichnen. „Die Gäste suchen uns deswegen gezielt aus“, weiß Familie Baur aus Gesprächen mit den Urlaubern. Die seien dafür auch bereit, einen höheren Preis zu zahlen. 130 Euro kostet die Nacht. „Für uns wäre aber eine andere Ausstattung nicht schlüssig gewesen“, begründet Karin Baur diese Entscheidung.

Naturholz und so weit es möglich war auch Altholz wurde verbaut, dazu Echtholzböden, Lehmputz in den Schlafzimmern, der feuchtigkeitsregulierend wirkt. Die Achtung vor der Natur und die Verbundenheit mit der Natur sollte nicht nur in der Landwirtschaft selbst, sondern auch in der Auswahl der Materialien im Haus zum Ausdruck kommen, sagt die Bäuerin. Hohe Räume von 3,50 Meter, Designerlampen, Betten in verschiedenen Härtegraden und Balkone, von denen man nicht nur eine beeindruckende Sicht hat, sondern auch genügend Platz für Liegestühle und Grill, sorgen für zusätzlichen Komfort.

Ansprechende Gästezimmer

Flächenbündige Türen und Sockelleisten sind nicht nur optisch schön, sondern reduzieren auch den Reinigungsaufwand, wie Karin Baur erwähnt. Von Anfang an habe man auf eine Klassifizierung mit 5 Sternen hingearbeitet. Den Innenausbau haben Frank Baur und Sohn Julian als Zimmerer selbst übernommen, für alles andere haben sie mit örtlichen Firmen zusammengearbeitet. Bereits im Vorfeld haben sie die Beratung vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Anspruch genommen und sind „Mir Allgäuer“ beigetreten, über deren Plattform man die Ferienwohnung buchen kann.

Damit die Gäste nicht mit Stallkleidung, Bergschuhen oder Gummistiefeln in die Wohnung gehen, hat Familie Baur nicht nur extra Overalls und Gummistiefel angeschafft, sondern auch einen Umkleidebereich im Erdgeschoss dafür geschaffen. Das hat sich wirklich bewährt, lautet ihr Tipp an andere Gastgeber. Ein Getränkeschrank, in dem gekühlte Getränke aus der Region gekauft werden können, und ein täglicher Brötchenservice, der von allen Gästen gern in Anspruch genommen wird, machen den Service am Hof komplett.

Selbst die Kleinen sind mit Eifer dabei

Wie ihre Eltern kümmert sich auch die achtjährige Hannah Baur um die Gäste, gibt ein bisschen Heimatkunde, indem sie die umliegenden Berge benennt, spielt mit ihnen oder zeigt ihnen die Tiere. Denn außer der Mutterkuhherde mit ihren Kälbern, die rings um den Biolandhof grasen, gibt es noch viele Tiere zu entdecken: Esel, Ziegen, Hühner, Lamas, Katzen und Hasen, die natürlich auch gestreichelt werden dürfen. Ein Highlight ist für die Kinder, wenn sie die Eier für das Frühstück aus dem Hühnerstall holen dürfen. Und weil Familie Baur unterschiedliche Rassen hält, kam von den Kindern schon mal die Frage, ob das Ei mit der grünen Schale schlecht wäre.

Familie Baur kann viele solcher Erlebnisse erzählen. So wie von dem schüchternen kleinen Jungen, der voller Stolz mit den Worten hereinstürmte: „So, jetzt ham es, des Federvieh“. Er hatte ein ausgebüxtes Huhn eingefangen und die Mutter konnte es kaum glauben, weil er noch nie ein Tier gestreichelt, geschweige denn je angefasst hätte.

Manche der Gäste haben bereits für nächstes Jahr und auch schon für das Jahr 2024 gebucht. Bis dahin ist für die Kinder das „Stalldiplom“, das sie bei der Stallarbeit zeigt, eine schöne Erinnerung.