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Betriebskalkulation

Urlaub auf dem Bauernhof: Den richtigen Preis ansetzen

Anbau-BU
Horst Hacker
am Freitag, 24.06.2022 - 07:57

Was kann man von den Urlaubern verlangen. Der richtige Preis entscheidet über das Betriebsergbenis und ob weiter investiert werden könne.

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Eschach/Lks. Oberallgäu Eine von mehreren Gebietsversammlungen im Vereinsgebiet von „Mir Allgäuer – Urlaub auf dem Bauernhof“ mit 520 Mitgliedsbetrieben fand in der neuen „Hoimat Genusskäserei“ in Eschach statt. Am Vormittag versammelten sich 90, in der zweiten Versammlung am frühen Nachmittag noch einmal 30 Besucher. Bevor die drei Jungunternehmer Lisa Gräsel, Philipp Haggenmüller und Sebastian Herz zur Besichtigung der modernen Räumlichkeiten einluden, eröffnete Vorsitzende Angelika Soyer den Tag.

Erst am Vortag aus der Region um den Zürichsee vom Ländertreff Schweiz, Südtirol, Bayern zurückgekommen, äußerte sich Soyer darüber „dankbar, dass wir unsere Betriebe nicht in der Schweiz“ haben. Von dem bekanntermaßen sehr hohen Preisniveau (39 Franken für eine Heu-Übernachtung im eigenen Schlafsack) abgesehen, wirkten dort stark restriktive Reglementierungen „ausgesprochen abschreckend“, wie sie sagte.

Notwendigkeit von nachhaltigem Urlaub

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Soyer berichtete, dass „Mir Allgäuer“ das ZAK-Projekt „Marlene“ für einen nachhaltigen Urlaub unterstütze. In Kooperation mit österreichischen Partnern strebe der Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten mit diesem Projekt die Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen an. Ziel sei, die Notwendigkeit von nachhaltigem Urlaub zu vermitteln. Mit Allgäuer Leitungswasser von bester Trinkwasserqualität können die Gäste vor ihren Wanderungen ihre Trinkflaschen auffüllen. Empfohlen werden zudem regionale Einkaufsmöglichkeiten wie zum Beispiel die vielen Hofläden oder Wochenmärkte.

Cornelia Strubl vom Allgäuer Strubl-Hof in Wagneritz referierte sehr detailliert über die neue Klassifizierung des DTV (Deutscher Tourismus-Verband) für Ferienunterkünfte, die seit 1. Januar 2022 gültig ist. Die DTV-Klassifizierung sei seit 25 Jahren wichtiger Bestandteil des Deutschlandtourismus, da er wesentlich zu seiner Qualitätssteigerung beitrage. Zu den selbstverständlichen Mindestkriterien gehören unter anderem: einwandfreier sauberer und hygienischer Zustand der Ferienwohnung, eine Gästemappe und Rauchmelder. Die Ferienunterkunft dürfe zudem nicht komplett im Keller sein. Für jede Wohnung müsse ein Grundriss vorliegen und auch kommuniziert werden.

Abnutzungserscheinungen darf es keinesfalls geben

Bei 3-Sterne-Komfort gehöre ein Flachbild-TV und funktionierendes WLAN dazu. Bei 4 Sternen müssen ausreichend verschiedene Sitzflächen, z. B. auf Bank, Sofa oder Sesseln gegeben sein. Die Küche müsse eine Spülmaschine aufweisen. Im Badezimmer brauche es feste Duschwände, pro Person sind mindestens zwei Handtücher bereitzulegen. Und zur 5-Sterne-Luxusausstattung gehöre auch eine Waschmaschine. Abnutzungserscheinungen – gleich welcher Art und wo – dürfe es nirgends geben.

Bei der Punktezuweisung spiele auch die Größe der Wohnung eine Rolle. Neu für die Bepunktung sei eine E-Lademöglichkeit. Auch soll ein gut verschließbarer Abstellraum vorhanden sein. Die Größe der Bäder (4 bis 20 Quadratmeter) sei für die Klassifizierung fortan unerheblich.

Mit Nachdruck betonte Cornelia Strubl: „Der Preis ist der Hebel für das Betriebsergebnis.“ Denn das trage dazu bei, dass weiter investiert werden könne.

Doris Ochsenreiter vom AELF Kempten stellte fest, dass der Urlaub auf dem Bauernhof in den letzten Jahren „super entwickelt“ worden sei. Sie appellierte aber auch daran, dass „wir nicht stehenbleiben dürfen“. Sie lobte die Zusammenarbeit mit jungen Leuten, die neue Ideen einbrächten, beispielsweise neuerdings das Thema Barrierefreiheit.

Mutige Investition für qualitativen Hochgenuss

Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer dann der Käserei-Betriebsführung. Respekt wurde den jungen Leuten für ihren Mut gezollt, für den Umbau der 250 Jahre alten Hofstelle und die moderne Einrichtung insgesamt rund 2,5 Mio. € in die Hand zu nehmen. Wo bisher Kühe standen und Heu lagerte, baute das Trio eine Käserei, in der Weichkäsesorten hergestellt werden. Außerdem gibt es einen Schauraum, einen Veranstaltungsraum und einen einladend eingerichteten Laden für die Direktvermarktung. Das Preisniveau ist entsprechend der außergewöhnlichen Qualität der handwerklich hergestellten Sorten gestaltet.