Verhandlungen

Ungewisse Zukunft für den Spitalhof

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Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Freitag, 26.03.2021 - 14:24

Verliert der Spitalhof in Kempten die Grünlandforschung und Melkerschule? Die Verhandlungen scheinen festgefahren.

Der Spitalhof in Kempten könnte seine Melkerschule und die Grünlandforschung verlieren. Der bisherige Vertrag, der die Zusammenarbeit zwischen dem Milchwirtschaftlichen Verein Bayern als Besitzer des Spitalhofes und den Bayerischen Staatsgütern als Betreiber der Einrichtung regelt, ist bereits Ende des Jahres 2020 abgelaufen. Der alte Vertrag wurde zwar um einige Monate verlängert, doch Ende März endet diese Frist. Wie sich die Verhandlungen in den kommenden Tagen gestalten, sei gerade noch vollkommen offen. Die Allgäuer Zeitung berichtet, dass die Verhandlungen völlig festgefahren zu sein scheinen.

Ein möglicher Tiefschlag für die gesamte Region

Droht der Region eine „Katastrophe“, wie es Dr. Leopold Herz, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler aus Wertach und Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Landtag, formuliert? Alfred Enderle, BBV-Bezirkspräsident in Schwaben und Kreisobmann im Kreisverband Oberallgäu, spricht gegenüber dem Wochenblatt von einem „möglichen Tiefschlag für die gesamte Region“. Die Diskussion über die Zukunft der landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsanstalt laufe schon länger, sagt Enderle, doch inhaltlich seien einige Argumente nicht nachvollziehbar. „Gerade eine so viehdichte Region mit so vielen Betrieben benötigt diese Angebote dringend.“

Sollten die Verhandlungen wirklich scheitern und Kurse sowie Forschung wegbrechen, führe das zu großen Auswirkungen, warnt Enderle: „Dann wird es besonders für Seiteneinsteiger und auch die Alpwirtschaft schwierig.“ Es dürfe nämlich nicht nur die klassische Ausbildung berücksichtigt werden. Insbesondere bei der Ausbildung von Seiteneinsteigern spielen die im Spitalhof angebotenen Kurse eine herausragende Rolle. „Und hier sind die Kurse immer bestens gebucht.“

Doch auch die Grünlandversuche seien gerade in der aktuellen Situation, in der über Umweltschutz und die neuen Vorschriften der Düngeverordnung diskutiert werden, „dringend notwendig“. Für Enderle stellt sich deshalb nur eine Frage: „Wie kann man eigentlich auf die Idee kommen, diesen wertvollen Standort aufzugeben?“ Der BBV-Bezirkspräsident sieht auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) in der Pflicht, sich für den Erhalt des Kemptener Spitalhofes als Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Tierhaltung und Grünlandwirtschaft einzusetzen: „Hier verbinden sich sämtliche Kompetenzen auf einem Fleck.“ Für die kleinen bäuerlichen Strukturen müsse gekämpft und auch die entsprechenden Angebote zur Verfügung gestellt werden.

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Ähnlich äußert sich der Abgeordnete Dr. Leopold Herz, Vorsitzender des Landwirtschaftsausschuss im Bayerischen Landtag, auf Anfrage des Wochenblatts. Der Spitalhof habe nicht nur als Forschungsstandort und Ausbildungseinrichtung einen hohen Stellenwert für die Region. Er habe sich, wie der Abgeordnete sagt, „sowohl bayern- wie auch bundesweit und nicht nur im Allgäu ein Renommee geschaffen“. Ein mögliches Ende wäre laut Herz „ein Schlag ins Gesicht nicht nur für die Allgäuer Grünlandbauern, sondern für die gesamte Milchwirtschaft“.

Der FW-Abgeordnete hat sich, genau wie BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle, deshalb auch schriftlich an Staatsministerin Kaniber gewandt. Das Schreiben von Herz liegt unserer Redaktion vor. Darin heißt es, dass es wichtig sei, den Betrieb weiterzuführen. Von der Staatsministerin habe er eine mündliche Rückmeldung auf sein Schreiben erhalten, teilte Herz dem Wochenblatt mit. Er sei „sehr optimistisch“, dass es zu einer „guten Lösung“ kommen werde. Dies hätten sowohl der Koalitionspartner als auch die Staatsministerin signalisiert.

Verhandlungen zu einem guten Abschluss führen

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Fast identisch fällt die Antwort des großen Koalitionspartners aus. CSU-Fraktionsvorsitzender Thomas Kreuzer sagte dem Wochenblatt: „Wir haben hier bereits gute Gespräche mit allen Beteiligten und natürlich auch mit unserer Landwirtschaftsministerin geführt.“ Der aus Kempten stammende Abgeordnete ist optimistisch, „dass wir eine Lösung finden“. Die Einrichtung habe nicht nur Tradition, sondern werde gerade auch für die Ausrichtung der Landwirtschaft in der Zukunft dringend gebraucht. „Die Vertragsverhandlungen laufen und ich werde mich dafür einsetzen, dass sie zu einem guten Abschluss geführt werden.“

Das Landwirtschaftsministerium teilte mit, dass über die laufenden Verhandlungen keine Aussagen gemacht werden. Eine verkürzte Pachtdauer sei demnach aber eine der diskutierten Optionen, wie das Wochenblatt vom Staatsministerium erfuhr. Dies könne beiden Seiten flexible Reaktionen auf weitere Entwicklungen ermöglichen. Auch das Ministerium weist auf die überregionale Bedeutung des Spitalhofs hin, der auch durch die Branche eine breite Unterstützung erfahre.

Für die überbetriebliche Ausbildung – Melk- und Tierhaltungskurse – stehen in Bayern neben dem Spitalhof vier weitere Einrichtungen zur Auswahl. Im Vergleich zu den anderen Einrichtungen weist der Spitalhof laut dem Staatsministerium hierbei die geringste Auslastung aus.