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Ein Umdenken ist erforderlich

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Toni Ledermann
am Freitag, 05.03.2021 - 13:36

Der Unterallgäuer Pflanzenbautag des AELF Mindelheim und vlf Unterallgäu widmete sich einer breiter Palette von Themen rund um den Pflanzenschutz.

Was gibt es für neue Sortenempfehlungen? Welche Versuchsergebnisse beim Pflanzenschutz? Solche und ähnliche Fragen standen im Raum beim jüngsten Unterallgäuer Pflanzenbautag. An der Online-Veranstaltung von AELF Mindelheim und vlf Unterallgäu hatten sich 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeloggt. Das immer sehr informative, regionale Versuchsberichtsheft gibt es freilich weiterhin. Es kann über den Erzeugerring bezogen werden.

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Albert Höcherl vom Fachzentrum Pflanzenbau beim AELF Augsburg sprach über „Neuerungen und Versuchsergebnisse im Pflanzenschutz bei Getreide und Mais“. Zuerst informierte er jedoch über Neuausrichtungen der Landwirtschaftsverwaltung. So erfolge ab dem 1. Juli 2021 die Auflösung aller bisherigen Fachzentren „Pflanzenbau“.

Während die Pflanzenbau- und Pflanzenschutzberatung inklusive des Monitoring und der Bereich Saatenanerkennung beim Amt bleiben, werden alle Kontrollaufgaben an die Ämter Krumbach und Fürstenfeldbruck ausgelagert. Künftige Schwerpunkte seien die Anpassung der Beratungsziele an regionale und gesellschaftliche Bedürfnisse, sowie klima- und gemeinwohlorientierte Versuche. Der Tenor lautet: „Die Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft tragen.“

Nach dem „Bienen“-Volksbegehren sei eine Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes erfolgt, mit einer Mindestquote für den ökologischen Landbau. Dieser ökologische Landbau muss auf staatlichen Flächen ab 2020 erfolgen. Ab 1. 1. 2022 gelte ein Verbot auf Dauergrünland Pflanzenschutzmittel flächenhaft einzusetzen. Bei Gewässern erster und zweiter Ordnung sei ein Verbot der ackerbaulichen Nutzung im Bereich von fünf Metern bis zur Uferlinie gegeben. Ebenso eine Begrenzung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes.
Inzwischen liege auch die Konkretisierung der Absichtserklärung auf die Reduzierung des Pestizideinsatzes vor: bis 2028 50 % weniger. Das Versuchswesen soll künftig verstärkt mechanische und biologische Alternativen prüfen sowie den Einsatz von Nützlingen vorantreiben. Weiter erfolge eine neue Ausrichtung beim Kulap: Vor allem im Fokus stehen hier die Herbizide. Beim neuen Kulap B 62 werde beim Verzicht eine Prämie von 80 €/ha bezahlt.
Höcherl sprach auch das neue B63-Programm beim Kulap an, den Trichogramma-Einsatz im Mais. Dies sei durchaus geeignet die Umsetzung der Richtlinie 2009/128 EG durchzusetzen, so Höcherl, allerdings wird seitens der EU-Kommission kritisiert, dass es weder klare Kriterien noch spezifische Anforderungen gebe, die dazu beitragen können, die Durchsetzung des integrierten Pflanzenschutzes zu gewährleisten und die Regelkonformität zu beurteilen.

Einsatzmengen sind seit Jahren rückläufig

Höcherl stellte auch eine Grafik über die Entwicklung des Herbizid-Inlandseinsatz in Deutschland von 2012 gegenüber 2019 vor, in dem die Top 20 Wirkstoffe im Ackerbau aufgelistet waren: Demnach ist die Menge an Glyphosat im genannten Zeitraum um 6000 t pro Jahr auf die Hälfte zurückgegangen. Auch die weiteren Herbizidaufwandmengen waren demnach meist stark rückläufig. Auffällig hier besonders der Rückgang vom Wirkstoff Chlortoluron von etwa 900 auf ca. 200 t. Die Herbizid-Einsparungen der Landwirte machten sich auch an der rückläufigen Zahl an Herstellern bemerkbar. Insgesamt, so Höcherl weiter, sei beispielsweise in den Jahren 2019/2020 bei Getreideherbiziden der Umsatz um 19 %, bei Wachstumsreglern gar um 22 % rückläufig gewesen.
In einem weiteren Beitrag ging Höcherl auf die Wasserreinheit ein. Dabei erläuterte er auch die Wasserrahmenrichtlinie. Ans Herz legte der Referent den Bauern den freiwilligen Verzicht auf bestimmte wassersensible Wirkstoffe. Höcherl wies auch auf die prüfpflichtigen Pflanzenschutzgeräte hin. Prüfpflichtig sind künftig alle Pflanzenschutzgeräte, mit Ausnahme der handgehaltenen, schulter- und rückengetragener Geräte.
„Zulassungsveränderungen seit 2020“, war ein weiterer Tagesordnungspunkt. Dazu stellte Höcherl verschiedene Präparate vor, etwa „Steward“ mit dem Wirkstoff 300 g/kg Indoxacarb, einzusetzen in Mais und Zuckermais gegen Maiszünzler. Die Änderung bezieht sich auf die Einstufung der Bienengefährlichkeit von B4 auf B1 seit 16.3.2020. Gleiches bei Sindoxa mit dem Wirkstoff 300 g/kg Indaxacarb im Raps gegen den Rapsglanzkäfer. Dabei erfolgte ebenso die Änderung von B4 auf B1, dies schon seit 7. 2. 2020. Teppeki beinhaltet 500 g/kg Flonicamid, wobei sich die Änderungen in Getreide gegen Blattläuse, nur in Wintergerste gegen Blattläuse als Virusvektoren beziehen. Zum „Beizen im Mais“ stand bisher das Fungizid Metalaxyl zu Verfügung, was aber unsicher sei, denn die EU-Zulassung reiche nur noch bis 1. 6. 2021. Mit Sonido gebeizter Mais dürfe nicht mehr ausgesät werden.
Beim Maiswurzelbohrer-Monitoring 2020“ wurde die die höchste Fangdichte mit 252 Käfern im Landkreis Lindau festgestellt. Im Gebiet „Memmingen“ habe es gar keine Fänge gegeben, im Landkreis Unterallgäu waren es 16 Fänge. In ganz Schwaben gingen 308 dieser Insekten ins Netz – 2019 waren es noch 154 Käfer gewesen.
Bei den Mais-Herbiziden stellte Höcherl „Botiga“ vor mit den Wirkstoffen 300 g/l Pyridat und 90 g/l Mesotrione. Einsetzbar ist das Mittel gegen einjährige, zweikeimblättrige Unkräuter, gegen Hühnerhirse in Mais mit 1,0 l/ha und zwei mal 0,5 l/ha im Sieben-Tage-Abstand.
Gegen Ackerfuchsschwanz im Winterweizen riet Höcherl zu Mateno Duo mit den Wirkstoffen 500 g/l Aclonifen und 100 g/l Diflufenican. Im Vorauflauf könne dieses Mittel in Winterweizen und Triticale mit 0,7 l/ha gegen Windhalm, Rispe und einjähriges zweikeimblättrige Unkräuter eingesetzt werden. Schwächer sei die Wirkung bei Windhalm, Rispe, Wurzelunkräuter, Kornblume, Kamille und Klettenlabkraut in der niedrigeren Aufwandmenge.
Die Versuche ergaben somit: Auf problematischen Standorten sei bei zeitiger Saat eine Herbstbehandlung mit möglichst hohem Wirkungsgrad Grundlage einer sicheren Bekämpfungs-Strategie. Im Frühjahr schwankten die Wirkungen zunehmend auch in Abhängigkeit von Witterung und Bestandsentwicklung. Konflikte könnten beim Resistenz-Management entstehen. Ein hoher Fuchsschwanzbesatz bei früher Saat sowie vorwiegend Winterungen, das werde auf Dauer nicht mehr gutgehen, sagte Höcherl. Und: „Sorgfalt bei ackerbaulichen Maßnahmen wird immer wichtiger!“

Weizen litt unter trockenem Frühjahr

Der Weizenanbau war in vielen Regionen von einem trockenen Frühjahr gekennzeichnet, was teils dünne Bestände hervorbrachte. Die moderaten Temperaturen um 25 °C zur Korneinlagerung sorgten indes für eine sehr schöne Kornausbildung. Insgesamt konnten sehr gute Erträge eingefahren werden.

Ergänzend stellte Gerstmeier einen Versuch vor, der verschiedene Sorten mit drei Düngungsstufen abgleicht. Die Düngestufen wurden der Düngeverordnung angepasst. Stufe 1 (niedrig) spiegelt das A-Weizen-Niveau in roten Gebieten wieder. Die Stufe 3 (hoch) liegt auf dem Niveau der E-Weizen-Düngung in den grünen Gebieten und die Stufe 2 (mittel) ist exakt das errechnete Mittel aus Stufe 1 und Stufe 3. Es kann daher nur als Anhaltspunkt verwendet werden, kommt aber der A-Weizen-Düngung in den grünen Gebieten sehr nah. Als Fazit aus den vergangenen drei Versuchsjahren können folgende Punkte herausgegriffen werden:

  • Vorfrucht und Fruchtfolge werden wieder wichtiger.
  • Beachtung des Standorts und sortenangepasste Düngung sind unumgänglich.
  • Eine vierte Gabe zu A-Weizen ist nahezu unmöglich.
  • Das Ertragsoptimum kann in Hochertragsjahren wie 2020 und bei ertragsstarken Sorten unter Umständen nicht erreicht werden.
  • Ziel müsse es somit sein, Sorten zu finden, die eine möglichst hohe Stickstoffausnutzung haben mit entsprechend geringen N-Bilanzen. Dies können ertragsstarke E-Sorten, die Empfehlungssorten im A-Bereich, sowie die hochertragreiche B-Sorte Campesino. Campesino sei aber in der Qualität eher schwach, wodurch sich die Sorte mehr zur Futternutzung im eigenen Betrieb eigne.

    Mais: viele Sorten in der Empfehlung

    Thomas Gerstmeier vom AELF Augsburg, Fachzentrum Pflanzenbau, stellte Sortimentsmittelwerte mittelfrüher und mittelspäter Silomaissorten an den Standorten Günzburg (günstige Lage) und Buchdorf (kalte Lage) vor. Anhand der Werte konnten die Reifegruppen in den letzten zwei Jahren in Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten näher betrachtet werden. Anschließend stellte er die aktuellen Sortenempfehlungen und Versuchsergebnisse vor. Die Empfehlungssorten beim Silomais werden in Sorten für die grasbetonte beziehungsweise für die maisbetonte Fütterung unterschieden. Bei den Sorten für die grasbetonte Fütterung ging er u.a. auf die Sorten LG 30258 (S 240) und LG 31256 (S 250) ein, die überdurchschnittliche Stärkegehalte lieferten. Beide Sorten besitzen zudem eine gute bis sehr gute Restpflanzenverdaulichkeit. Für die maisbetonte Futterration eignen sich Sorten, die trotz unterdurchschnittlichen Stärkegehalten, gute Energiedichten erreichen, etwa die Sorten ES Bond (S 240), ES Metronom (S 240) und ES Palladium (S 250).

    Die Empfehlungssorten für die Produktion von Biogas werden zu einem großen Teil aus dem mittelspäten Silomaissortiment ausgewählt. Mittlerweile ist ein Großteil der Sorten, welche im Landessortenversuch mittelspäter Silomais stehen, mit der Reifezahl 260 versehen. Dementsprechend hoch ist auch der Anteil der 260er Sorten in der Empfehlung. Es handelt sich um Sorten, die vor allem mehrjährig im Biogasertrag, wie auch im Gesamttrockenmasseertrag gute bis sehr gute Ergebnisse liefern, etwa Agrogant, DS 1891 B, Farmurphy, Janeen, LG 31276 und SY Glorius. Die Sorte LG 31285 (S270) erreichte nun zweijährig sehr hohe Gesamttrockenmasseerträge und konnte somit neu in die Empfehlung aufgenommen werden. Die weiteren Sorten Sucorn/DS1710C (S 270), ES Peppone (S 280), ES Yeti (S 280) und P 8888 (S 280) vervollständigen die Empfehlungssorten. Sorten der Reife S 280 sollten, wenn der Betriebsleiter sich dafür entschließt, im Allgäu nur auf sehr günstigen Lagen angebaut werden, sagte Gerstmeier.

    Beim frühen wie auch mittelfrühen Körnermais basiere die Entscheidung der Empfehlungssorten auf die Kriterien Ertrag, Standfestigkeit und geringe DON-Belastung im Erntegut. Daraus ergeben sich als Empfehlungssorten DKC 3097 (K 210), ES Hubble (K 220), RGT Chromixx (K 230), Farmidabel (K 240), DKC 3350 (K 250), LG 31276 (K 250) und SY Glorius (K 250).