Ernte 2019

Überall ein Summen und Brummen

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Anja Kersten
am Montag, 29.07.2019 - 11:07

Erntepressefahrt im Ostallgäu: Durchschnittliche Erträge sind zu erwarten

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Weicht/Lks. Ostallgäu Ein durchschnittliches Jahr mit Eisheiligen, einem nassen Mai, einem Juni mit Rekordhitze, aber rechtzeitigem Regen und damit auch eine durchschnittliche Ernte, So lautete die Prognose von Kreisobmann Josef Nadler bei der traditionellen Erntepressefahrt des BBV Ostallgäu in Zusammenarbeit mit dem AELF Kaufbeuren. Ziel dieser Fahrt sei es nicht nur, eine Bestandsaufnahme auf den Feldern vorzunehmen, sondern auch den Verbrauchern zu zeigen, woher die Lebensmittel kommen, so der Kreisobmann bei der Eröffnung auf dem Betrieb von Andreas Schmid in Jengen-Weicht. Der Landwirt, auf dessen Betrieb die Pressefahrt bereits zum dritten Mal stattfand, bewirtschaftet mit seiner Familie einen 70 ha großen Milchviehbetrieb mit 85 Milchkühen und Nachzucht. Davon sind 15 ha Dauergrünland, 10 ha Ackergras und Luzerne, der Rest Ackerbau.

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Dass in der Landwirtschaft genau wie auch im Leben jede Sache zwei Seiten hat, wurde bei der Besichtigung der Kulturen deutlich. So produziere der häufig bei der Bevölkerung in der Kritik stehende Mais auf einem Hektar mehr Sauerstoff als ein Hektar Wald, erklärte Andreas Schmid. Darüber hinaus brauche Mais am wenigsten Pflanzenschutz. Das bestätigte Daniel Dörfler vom AELF Kaufbeuren. Auch mit Mais könne man Gewässer- und Bodenschutz betreiben. „Da ist Leben drin“, zeigte er an einer Bodenprobe aus dem Maisfeld, auf dem Andreas Schmid Mais im Mulchsaatverfahren angebaut hat – im Vergleich zum Anbau nach dem Pflug. Ein bisschen nervenstark müsse man allerdings bei der Mulchsaat schon sein, meinte Andreas Schmid, weil man länger warten müsse. Er hätte Ende April gesät, dann sei im Mai aufgrund der im Durchschnitt niedrigeren Temperaturen und wenigen Sonnenstunden erst einmal gar nichts passiert. Er hätte nicht einmal nachsäen müssen und jetzt stehe der Mais prächtig da. Schmid rechnet mit einem Ertrag von 450 dt pro Hektar.

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Ganz ohne Pflanzenschutz werde es bei Mais aber nicht gehen, erklärte Schmid. Bio-Mais funktioniere zwar, aber der Arbeitsaufwand sei extrem hoch. Dieser Mehraufwand, egal ob bei Mais oder anderen Kulturen in Bio-Qualität, müsse dann aber auch von den Verbrauchern bezahlt werden, setzte Dörfler hinzu. Es könne nicht sein, dass von den Verbrauchern Bio gefordert, aber dann nicht gekauft werde. „Die Entscheidung wird an der Ladenkasse getroffen“, kritisierte auch Schmid die Forderungen der Verbraucher, die ihren Worten keine Taten folgen ließen.

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„Mit Sorge“ und „sehr kritisch“ würde er die zunehmende Diskussion zwischen Bio und konventionell sehen, meinte Kreisobmann Josef Nadler. „Wir sind alle Landwirte und wollen unsere Betriebe und unseren Boden an die nächste Generation weitergeben“, fügte Kreisbäuerin Karina Fischer hinzu.

Jeder Pflanzenschutz koste den Landwirt viel Geld, hob Andreas Schmid in diesem Zusammenhang gegenüber der örtlichen Presse hervor. Jeder Landwirt werde deshalb darauf achten, so wenig wie möglich zu spritzen. Oft sei es eine Gratwanderung wie oft man mit dem Spritzmittel in das Feld hineinfahre, zeigte er an seinem Feld mit Winterweizen. In diesem Fall wäre ein nochmaliges Spritzen gut gewesen. Sein Ziel von 100 dt/ha werde er wohl nicht erreichen, meinte er mit einem Blick auf die Kultur.

Dass bei der Düngung der Zeitpunkt entscheidend ist , zeigte Daniel Dörfler an der Wintergerste. „Wenn die Pflanze Düngung braucht, dann nimmt sie das auch vollständig auf“, erklärte er, und brachte es mit „ohne Düngung kein Ertrag“ auf den Punkt. Etwa 80 bis 85 dt/ha erwarte er als Ernte auf seinem Feld mit Wintergerste, so Andreas Schmid.
Als ein „Sensibelchen“ unter den Pflanzen bezeichnete Franziska Mitzdorf vom AELF Kaufbeuren den Raps. So gut Raps für die Bienen und so wichtig als heimische Eiweißquelle ist, es werde immer schwieriger Raps anzubauen, bestätigte Schmidt. Weil das Beizen verboten ist, müsse mit Insektiziden behandelt werden, damit der Ertrag stimme.
Darüber hinaus hätte der Raps ganz bestimmte Standortansprüche. „Im Grunde will der Raps seinen Besitzer jeden Tag sehen“, schilderte Schmidt sehr anschaulich, mit welchen Schwierigkeiten Landwirte beim Rapsanbau zu kämpfen haben. In diesem Zusammenhang kritisierte Josef Nadler den Import von billigem Palmöl, der auf die „Rapspreise drückt“ und in vielen Lebensmitteln aus der Industrie verwendet wird. Für die Produktion von Palmöl werde nach wie vor Regenwald abgeholzt. Auch deshalb sei der heimische Raps und der Anbau allen Widrigkeiten zum Trotz wichtig, ergänzte Schmid.
Landwirte sind Neuem durchaus aufgeschlossen., so wie bei der Durchwachsenen Silphie, die bereits im 4. Jahr angebaut wird. Erst seit zehn Jahren sei diese mehrjährige Energiepflanze, die bis zu zwölf Jahren genutzt werden kann und als Alternative zu Mais dient, in Süddeutschland wieder im Gespräch, informierte Daniel Dörfler.
Der Vorteil, der auch der Presse nicht verborgen blieb: Die Pflanzen bereichern das Landschaftsbild mit ihrer Blüte und sind eine Bienentrachtpflanze. Darüber hinaus, so Mitzdorf und Dörfler, verhindern sie durch die ganzjährige Bodenbedeckung mit intensiver Durchwurzelung des Bodens Bodenerosion und Nährstoffauswaschung. Der „Methanhektarertrag“ erreiche bis 75 Prozent vom Silomais, und das Saatgut ist teuer, schilderten sie aber auch das Problem dieser Pflanze.
Ebenfalls ein Farbtupfer mit seinen Blüten in der Landschaft ist das Luzernefeld, das Andreas Schmid nun im 3. Jahr angebaut hat und vor allem für trockene Standorte gut geeignet ist. Er brauchte nicht extra darauf hinzuweisen, dass das Luzernenfeld gern von Insekten aufgesucht wird, das hörte und sah man am deutlichen Summen und Brummen im Feld.

Mais erzeugt auf einem Hektar mehr Sauerstoff als Wald, und braucht sehr wenig Pflanzenschutz.