Landfrauentag

Trotz Frust: Jetzt erst recht!

20_ortsbäuerinnen_nu_1
Michael Ammich
am Montag, 13.05.2019 - 09:52

Öffentlichkeitsarbeit im Mittelpunkt der Neu-Ulmer Ortsbäuerinnen-Tagung.

20_ortsbäuerinnen_nu_2
Kadeltshofen/Lks. Neu-Ulm Der BBV initiiert den Verein „Unsere Bayerischen Bauern“, er protestiert vor Supermärkten, verschickt Pressemitteilungen, betreibt intensive Lobbyarbeit und führt zahllose Gespräche mit Politikern. Und dennoch: Die Verbraucher greifen nach wie vor zu „billig“ und die Landwirtschaft steht beim Tier-, Wasser- und Klimaschutz unter medialem Dauerfeuer. Auf der Frühjahrsversammung der Neu-Ulmer Ortsbäuerinnen zeigte BBV-Bezirksgeschäftsführer Markus Müller Wege auf, wie sich jede Bäuerin und jeder Bauer für seinen Berufsstand in der Öffentlichkeit einsetzen kann.
Der Frust in den bäuerlichen Familien und selbst bei den Ehrenamtsträgern im BBV scheint tief zu sitzen: Zur Versammlung in Kadeltshofen waren gerade einmal 20 Ortsbäuerinnen erschienen. „Ich bin etwas irritiert“, sagte Kreisbäuerin Christiane Ade mit Blick auf den schwachen Besuch. Aber auch anderweitig nimmt das Interesse der Bäuerinnen an Veranstaltungen ab. Es werde immer schwieriger, die eigenen Leute auf Veranstaltungen zu bringen, klagte Ade. „Das macht uns ratlos.“

Öffentlichkeitsarbeit ist unabdingbar

Dabei gibt es durchaus Erfolge in der Öffentlichkeitsarbeit. Auf eine gute Resonanz stießen etwa die Felderrundfahrt des Neu-Ulmer BBV, die „Tour de Flur“, das Auftreten bei der Gewerbeschau in Senden oder bei der traditionellen „Apfelschau“ und der Hundekot-Flyer des BBV. Im Vorfeld des Volksbegehrens traten die Neu-Ulmer Landfrauen auf vier Wochenmärkten auf, um den Verbrauchern die Sachlage aus Sicht der Landwirtschaft zu erklären. Die Kreisbäuerin verwies auf die gute Zusammenarbeit mit den Schulen, die Lehrerfortbildung mit Betriebsbesuch und das neue Projekt „Landfrauen machen Schule plus“.
Jetzt erst recht, meint auch Markus Müller. „Was kann jeder Einzelne von uns für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit tun?“, fragte er in seinem Vortrag. „Wie können wir dabei die Strukturen des Bauernverbands nutzen?“ Mit ein paar Schlagworten beschrieb der Bezirksgeschäftsführer die Stimmung in der Bevölkerung: Es gibt eine Sehnsucht nach ländlicher Idylle, in Umfragen rangiert das Ansehen des bäuerlichen Berufs ganz weit oben, zugleich tauchen ständig Begriffe wie Massentierhaltung, Agrarindustrie oder Antibiotikamissbrauch auf, die Landwirtschaft wird in den Medien skandalisiert und immer noch gilt das Motto „Geiz ist geil“. In der Politik und Gesellschaft sei es zu einem Kampf um die agrarpolitische Deutungshoheit gekommen. Einerseits. Andererseits: „Die Bäuerinnen und Bauern halten den Schlüssel zur Öffentlichkeitsarbeit in der Hand“, stellte Müller fest. Verbraucher, die einen Landwirt persönlich kennen, urteilen meist positiv über die Landwirtschaft und lassen sich von schlechten Schlagzeilen kaum beeinflussen, wie Umfragen ergeben haben.
Wie bei jedem guten Unternehmer gehöre die Kommunikation auch beim Landwirt zu den Grundkompetenzen, so Müller. Die Erzeugung und Verarbeitung werde immer mehr zu einem Kaufkriterium. Die Konsequenz daraus: Transparenz muss in der Landwirtschaft zum Normalfall werden. Mit anderen Worten: Es gilt, die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken. Dabei müssten die Bäuerinnen und Bauern allerdings authentisch und glaubwürdig erscheinen, betonte Müller. Mit einem feschen Dirndl am Info-Stand scheint es also nicht getan. Jede bäuerliche Familie habe die Chance, die Meinung der Bevölkerung durch das persönliche Auftreten und Handeln auf dem eigenen Betrieb zu beeinflussen. Dafür hielt Müller zehn Tipps bereit.

Entgegenkommen
bringt Sympathie

Zudem empfahl Müller den Ortsbäuerinnen, auch einmal mit einem Leserbrief auf Kritik zu reagieren und sich in die Kommunalpolitik einzubringen. Und dann gibt es da auch noch ganz einfache Dinge, um sich nicht die Sympathie der Bevölkerung zu verscherzen: Nicht am Wochenende Gülle ausbringen, die Fahrgeschwindigkeit in der Ortschaft drosseln, nach guter fachlicher Praxis arbeiten und mit einer Pressemitteilung auf Beeinträchtigungen in der Erntezeit hinweisen. Bei all diesen öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen lässt der BBV die Bäuerinnen und Bauern nicht allein. Auf Anforderung stellt er ihnen ebenso wie andere berufsständische Organisationen zahlreiche Info- und Arbeitsmaterialien zur Verfügung.
Abschließend versicherte Aloisia Ott, Leiterin des Bereichs Landwirtschaft am AELF Krumbach, dass das AELF auch in der Hauswirtschaft jede Gelegenheit nutze, mit den Verbrauchern in den Dialog zu treten. Michael Ammich

Tipps zur besseren Kommunikation

  • Die Mitbürger offen informieren und damit Gerüchten entgegenwirken, beispielsweise durch das transparente Kommunizieren der Hintergründe für einen Stallneubau.
  • Feldrand- und Hoftorgespräche führen und dabei dem Bürger Ängste nehmen, indem man ihn beispielsweise über die gute fachliche Praxis im Pflanzenschutz aufklärt.
  • An der dörflichen Gemeinschaft teilnehmen, um als Multiplikator für die Anliegen der Landwirtschaft zu wirken.
  • Infotafeln am Feldrand oder Betrieb aufstellen, um das persönliche Gespräch zu ergänzen und zusätzliche Infos zu übermitteln.
  • Die Gemeinde unterstützen, beispielsweise durch kleine Spenden oder hofeigene Produkte für Feste und andere Veranstaltungen. Das erhöht die Akzeptanz und erreicht die Herzen der Dorfbewohner.
  • Bei kritischen Fragen nicht in die Defensive gehen, sondern gleichfalls Fragen stellen und die Ängste ernst nehmen.
  • Gut vorbereitet sein, um Kritiker glaubwürdig überzeugen zu können.
  • Kinder auf den Betrieb einladen und ihnen die Möglichkeit zum engen Kontakt mit Tieren geben, um ihnen die Herzen zu öffnen.
  • Eine eigene Hofwebsite einrichten, um wirksam Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und Vertrauen aufzubauen.
  • Im Internet aktiv sein, um der Stimmungsmache in sozialen Netz- werken entgegenzutreten und das Feld nicht den Kritikern zu überlassen. MA