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Schlachtung

Tierwohl bis zum Schluss

Metzger
Brigitte Auer
am Montag, 20.06.2022 - 16:08

Metzger Felix Hagenberger betreibt die einzige mobile Schlachteinheit für Rinder im Landkreis Donau-Ries

Metzger, die noch selber schlachten, leben gefährlich. Moderne Haltungsformen haben die Rinder wilder gemacht. Artgerechte Tierhaltung und Tötung im Großschlachtbetrieb aber schließen sich aus. Die Lösung: Schlachten vor Ort. Metzger Felix Hagenberger aus Wemding hat nun die erste und bislang einzige mobile Schlachteinheit im Landkreis Donau-Ries in Betrieb genommen.

Die Traditionsmetzgerei liegt inmitten der Altstadt von Wemding. Ohne die neue Schlachteinheit hätte er vermutlich das Schlachten von Rindern aufgeben müssen, so der Jungmetzger. Der Trend gehe Richtung Weide- und Mutterkuhhaltung. Auch Tiere, die im Laufstall gehalten werden, seien das Anhängen nicht mehr gewohnt. Das Verladen, der Transport und auch das Betäuben der Tiere werde so zum unkalkulierbaren Risiko.

Schlachtungen auf landwirtschaftlichen Betrieben

Mobile Schlachtung

Hagenberger nutzt mit seinem Angebot eine Gesetzesänderung, die die Schlachtung im Haltungsbetrieb als Ausnahme vom Schlachthofgebot zulässt. Die EU-Verordnung Nr. 853/2004 erlaubt es seit August 2021, Normalschlachtungen von bis zu drei Rindern, sechs Schweinen oder drei Einhufern auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Betriebs durchzuführen. Dazu bedarf es neben der Genehmigung durch die zuständige Veterinärbehörde eines Transportfahrzeuges, das die EU-Hygienebestimmungen einhält.

Ein Grundanhänger wurde zur mobilen Schlachteinheit umgebaut. Dieser ist mit einer Bodenwanne mit Ablassventil ausgestattet, mit dem das Schlachtblut aufgefangen werden kann. Ein Aluriffelprofil am Boden gewährleistet dem Schlachter Rutschfestigkeit beim Arbeiten. Eine Türe hinten, die als Rampe genutzt werden kann, und abnehmbare Seitenbordwände erleichtern das Beladen und Entladen der Tiere. Eine starke Seilwinde unterstützt diesen Vorgang. Nach oben verschließt eine Plane den Anhänger. Die Hygieneeinrichtung ist außen am Anhänger angebracht und besteht aus einem Handwaschbecken, das über eine Tauchpumpe mit Frischwasser gespeist wird.

Mit Fangstand und Hänger hat Hagenberger um die 25 000 € in den ISS-Trailer von Lea Trampenau aus Lüneburg investiert. Die Agrarwissenschaftlerin berät europaweit Landwirte zu alternativen Schlachtmethoden. Den Fangstand hat Hagenberger von Metallbau Strauß im nahe gelegenen Niederaltheim nach eigenen Wünschen anfertigen lassen. Landwirte, die das Angebot der mobilen Lohnschlachtung nutzen wollen, müssen dies beim zuständigen Landratsamt einmalig beantragen, was mit etwa 50 € zu Buche schlägt.

Kurze Wege zur Metzgerei

Wenige Kilometer von der Metzgerei entfernt hält der Landwirt Stephan Fackler in der Gemeinde Gosheim-Huisheim seine Angus-Rinder auf der Weide. In einem Nebengebäude wartet der Fangstand von Felix Hagenberger gerade auf den Einsatz. Direktvermarkter Fackler ist sehr dankbar für das neue Angebot: „Für das Tierwohl ist es das Beste.“ Vor allem für Tierhalter, die einen Bio-Betrieb führen, scheint das Angebot unerlässlich. „Die Tiere werden in gewohnter Umgebung im Fangstand fixiert, betäubt und anschließend entblutet“, so Hagenberger. Der Transport lebender Tiere ist hinfällig. „Die Tiere haben keinerlei Stress, was sich natürlich auch auf die Fleischqualität auswirkt.“

Die mobile Schlachtung bedeutet für den Metzger einen deutlich höheren Aufwand, da zunächst der Fangstand auf den landwirtschaftlichen Betrieb gefahren und später das Tier mit der mobilen Schlachteinheit abgeholt werden muss. Da das Einfangen der Rinder aber wesentlich entspannter verlaufe, gehe es zum Teil sogar schneller, lautet das Fazit von Hagenberger, der die Anschaffung noch keinen Tag bereut hat.

Eigeninitiative gefordert

Weniger entspannt gestaltete sich dann eher der Weg zu Anschaffung und Genehmigung der mobilen Schlachteinheit. Die nötigen Informationen musste sich Hagenberger in ganz Deutschland zusammensuchen, vonseiten des Landratsamts Donau-Ries erhielt er wenig Unterstützung. Den Tierärzten auf den Veterinärämtern seien die vielen Kleinbetriebe, wie es sie auch im Landkreis Donau-Ries noch gebe, ein Dorn im Auge. „Es ist nicht gewollt“, mutmaßt Hagenberger. So wundert es nicht, dass die mobile Schlachtung im Haltungsbetrieb in Bayern noch wenig bekannt ist. Engagierte Metzger wie Felix Hagenberger tragen dazu bei, dass sich das vermutlich bald ändert.