Tiere fressen ja keine Geldscheine

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Hubert Gerstmeier
am Montag, 03.09.2018 - 15:10

Das heiße, trockene Wetter hat viele Landwirte hart getroffen. Daher helfen Biolandbetriebe aus dem Landkreis Donau-Ries Kollegen in Oberfranken.

Des einen Freud, des anderen Leid. Während sich unter anderen Schüler und Urlauber über das extrem schöne Wetter in unseren Regionen freuen, leiden viele landwirtschaftliche Betriebe speziell im fränkischen und Oberpfälzer Raum an Futterknappheit.

Um die größte Not seiner Berufskolleginnen und -kollegen durch die Trockenheit zu lindern, half Biobauer Hubert Gerstmeier aus Donauwörth zwei Biolandwirten aus der Region Kulmbach aus. Auf seinen Kleegrasflächen, die normal zur Regeneration und Strukturbildung des Bodens dienen, mähte er den jetzigen Aufwuchs und transportierte sie mit vielen Mitstreitern auf die Betriebe von Hermann Grampp sowie von Gerhard und Michael Sack ins 200 km entfernte Kulmbacher Land.

Diese Betriebe konnten heuer gerade mal für zweieinhalb Monate Futter von ihren Flächen ernten. Außerdem ist noch nicht klar, ob die ausgedörrten Böden und Wiesen, einen weiteren Aufwuchs bringen. „Wir müssen wohl alles umbrechen und neu ansäen“, vermutet Michael Sack.

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Der Donauwörther Biobauer Gerstmeier sprach mit seinem Anbauberater von Bioland über die Situation. Dieser stellte über seinen Kollegen in Franken den Kontakt für die Biolandhöfe her. Und so kam die Hilfsaktion ins Rollen. „Wir haben in unserer Region genügend Futter, um Betrieben zu helfen, die davon zu wenig haben“, meint der Betriebsleiter aus Donauwörth. „Bevor meine Kollegen an eine Keulung und Reduzierung ihres Tierbestandes denken, sollten wir über solche Selbsthilfeaktionen nachdenken. Hier könnten staatliche Hilfen viel effektiver eingesetzt werden. Tiere fressen bekanntlich ja keine Scheine und werden nicht durch Geld satt“, sagt Gerstmeier, der seinen Betrieb im Jahr 2016 auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt hat und dem Biolandverband beigetreten ist.

Die Futteraktion wäre jedoch nicht denkbar, wenn es nicht auch Firmen gäbe, die eine solche Initiative massiv unterstützen. Die Landtechnik Hans Ayerle mit ihrer Filiale in Donauwörth-Nordheim stellte das Mähwerk und den dazu passenden Schlepper kostenfrei zur Verfügung. Das Lohnunternehmen Steinle aus Mündling schwadete und presste die Siloballen zum Selbstkostenpreis, ebenso wie das Transportunternehmen um Mitinitiator Ewald Bauer.

„Das Problem liegt schlichtweg im Transport dieses Futters, weil es an der Transportwürdigkeit über diese Distanz fehlt. Selbst durch unsere angespannte Fahrersituation werden wir das hin bekommen“, war Bauer, der für sein expandierendes Unternehmen Fahrer sucht, überzeugt.

So macht es auch in schwieriger Zeit Spaß

So startete an Maria Himmelfahrt diese Hilfsaktion. Alles ging Hand in Hand, alle Beteiligten waren daran interessiert, dass diese für sie erstmalige Aktion gelingen mag. Schließlich war es für alle Neuland, Silage fachgerecht über diese Distanz zu bringen, um gutes Futter auf diese Weise bereitzustellen. „Uns gibt das ein gutes Gefühl, helfen zu können“, sind sich die Beteiligten einig.

Die Kulmbacher sind wirklich froh über den Anstoß zu einer solchen Aktion. „So können wir unseren Tierbestand aufrecht erhalten und bekommen biozertifiziertes Futter, was für unseren Betrieb extrem wichtig ist. Hoffentlich ist das ein Beispiel für andere Betriebe. Solange wir uns gegenseitig auf diese Weise unterstützen, macht selbst in schwierigen Zeiten unser Beruf wirklich Spaß!“, meinte Grampp und ging wieder zum Abladen des Futters aus dem Donautal auf seinem Betrieb in Franken.