Ernährung

Auf der Suche nach dem Superfood

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Anja Kersten
am Freitag, 09.04.2021 - 14:30

So wie bei der Mode ist es auch bei der Ernährung: Alexandra Gregor hinterfragt aktuelle Ernährungstrends und klärt auf.

So wie in der Mode, gibt es auch in der Ernährung Trends: Lebensmittel, die gesünder sein sollen als andere, und Lebensmittel, die man meiden sollte. Was gerade angesagt ist und was Flexitarier oder Fructarier essen, darüber gab Alexandra Gregor, Ernährungsreferentin im BBV, bei einer Onlineveranstaltung des BBV Kaufbeuren/Landsberg einen spannenden Überblick.

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Ein Trend, der schon seit längerem anhält, ist die vegetarische Ernährung und der bewusstere Konsum von Fleisch. Laut dem Ernährungsreport 2020 essen 5 % der Deutschen gar kein Fleisch, 1 % ernähren sich vegan, das heißt, sie verzichten auf sämtliche tierische Produkte. Immerhin 55 % sind sogenannte Flexitarier. Sie ernähren sich aus Tierschutz-, Klima- und Umweltgründen und um ihre Gesundheit zu fördern überwiegend vegetarisch, verzichten aber nicht ganz auf Fleisch.

Diese Ernährung ist nichts Neues, sagt die Ernährungsreferentin. Man kenne sie von früher, als Fleisch noch teuer war. Neu ist nur der Name dafür. Pescetarier lehnen dagegen Fleisch ab, essen aber Fisch. Weil sie sich zwar vegetarisch ernähren, sich ansonsten aber wenig Gedanken darum machen und eine Vorliebe für Fast Food haben, wird diese Gruppe als Pudding-Vegetarier bezeichnet. Extrem schwierig umzusetzen ist die Ernährung der Fructarier, die nur Obst und Gemüsen von Pflanzen zu sich nehmen, bei denen bei der Ernte die Mutterpflanze nicht zerstört wird.

Verbraucher achten auf die Herkunft

Für immer mehr Verbraucher ist die Herkunft der Lebensmittel wichtig. Im BMEL-Ernährungsreport geben 83 % der Befragten an, Wert auf regionale Herkunft zu legen. 11 % haben sich schon einmal Gemüse und Obst direkt von Bauern aus der Region nach Hause liefern lassen, seit der Corona-Pandemie auch häufiger. Ein Trend, der auch Potenzial für die Landwirtschaft bietet.

Wer regionales Gemüse und Obst isst, der braucht kein Superfood, wie Chia-Samen oder Goji-Beeren zur gesunden Ernährung. Unter Superfood versteht man exotische Früchte, wie zum Beispiel Chia oder Goji, die einen besonders hohen Anteil an Vitaminen und Antioxidantien haben sollen. „Superfood ist ein reiner Marketingbegriff. Es gibt keine wissenschaftliche oder lebensmittelrechtliche Definition“, sagt Alexandra Gregor. Ein Mehrwert gegenüber heimischem Gemüse und Früchte sei nicht gegeben. Außerdem sei Superfood oft schadstoffbelastet.

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Wie alle Menschen auf der Erde auch in Zukunft gesund ernährt werden können, ohne die Erde weiter zu zerstören, darüber haben sich Wissenschaftler Gedanken gemacht und diese Art der Ernährung „Planetary Health Diet“ genannt. Der Speiseplan sieht vorwiegend den Konsum von Obst und Gemüse vor und eine Verdoppelung von Hülsenfrüchten und Nüssen. Der Konsum von Zucker und Fleisch soll halbiert werden. So soll nur alle zwei Wochen eine Portion rotes Fleisch gegessen werden.

Hülsenfrüchten wie es die Wissenschaftler bei der „Planetary Health Diet“ vorschlagen sind eine Proteinquelle. Es wird aber nach weiteren Alternativen gesucht, denn im Jahr 2050 sollen Prognosen zufolge 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben und Eiweiß ist der „limitierende Faktor“, sagt die Ernährungsreferentin. Gregor ergänzt, dass Fleischersatzprodukte immer beliebter würden. Sie machen zwar nur einen ganz kleinen Teil der Fleischprodukte aus, aber sie haben von 2019 bis 2020 einen enormen Zuwachs von 37 %.

Als mögliche Proteinquelle werden neben Hülsenfrüchten und Algen auch Insekten als in Betracht gezogen. Immerhin gibt es 2000 essbare Insektenarten wie Käfer, Raupen oder Heuschrecken. Auch wenn es für uns ungewöhnlich ist, für viele Menschen in anderen Ländern sei es ganz normal, Insekten zu essen, sagt Gregor. Argumentiert wird damit, dass Insekten weniger Platz und Wasser als Rinder, Schweine oder Hühner brauchen, weniger Treibhaus-Emissionen verursachen und mit 80 % einen deutlich höheren essbaren Anteil haben im Vergleich zum Rind (40 %).

Viele Allergene und Fragen rund um Insekten

Doch viele Fragen sind noch nicht geklärt, zum Beispiel, ob Insekten Zoonosen übertragen können. Das Risiko würde zwar als gering angesehen, aber man wüsste noch zu wenig darüber. Darüber hinaus hätten Insekten relativ viele Allergene. Noch gäbe es weder spezielle Hygienevorschriften, noch Haltungsvorschriften für Insekten Auch der Einsatz von Arzneimitteln werde bislang nicht neutral kontrolliert und ob die Tötung durch Tieffrieren oder kochendes Wasser sowie Dampf wirklich schonend wäre, sei fraglich.
Weitaus appetitlicher als Insekten ist der Trend Fusion Food oder Food Pairing. Bei Fusionsfood (Fusionsküche) werden Esskulturen und Kochkünste sowie klassische Regional- und Nationalküchen kombiniert und vermischt, etwa Cheeseburger-Shushi mit Fleischpflanzerl. Bei Food Pairing werden Geschmäcker kombiniert zum Beispiel Schokolade mit Blumenkohl oder Birne mit Käse.
So wie in der Mode muss man auch in der Ernährung nicht jeden Trend mitmachen, sagt Gregor. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit regionalen und saisonalen Produkten mag in den Augen vieler nicht gerade trendy sein, aber gesund für uns und gut für die Umwelt.