Tagung

Stresssignale nicht ignorieren

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Michael Ammich
am Montag, 19.11.2018 - 14:00

Gemeinsame Herbstversammlung der Ortsobleute im Landkreis Neu-Ulm

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Attenhofen/Lks. Neu-Ulm Früher wurde unter Bäuerinnen und Bauern darüber nicht geredet, aber mittlerweile ist der Leidensdruck so groß geworden, dass das Thema „Stress“ auch in dieser Bevölkerungsgruppe kein Tabu-Thema mehr ist. Auf der gemeinsamen Herbstversammlung der Neu-Ulmer Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner warnte Christiane Mayer von der SVLFG eindringlich davor, Stresssignale einfach wegzudrücken. „Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern“, zitierte sie den schwäbischen Gesundheitsapostel Sebastian Kneipp.

Rückblicke auf das vergangene Jahr

Kreisbäuerin Christiane Ade eröffnete die Herbsttagung in Attenhofen mit einem Rückblick auf die Landfrauenarbeit im vergangenen Sommerhalbjahr. Neben Gesundheitsthemen hatten zum Programm auch Tagesfahrten nach Rain und München, die Teilnahme an einer Gewerbeschau in Kempten und einer Apfelausstellung gehört. Mit wenig Aufwand ließen sich auf der „Tour de Flur“ viele Bürger für eine Fahradfahrt von Feld zu Feld gewinnen und in Gespräche über die moderne Landwirtschaft verwickeln. Erneut wurden die Landfrauen beim Neu-Ulmer Schulamt vorstellig, um eine Lehrerfortbildung auf Bauernhöfen durchzuführen. Die Neu-Ulmer Landfrauen setzen sich ferner dafür ein, dass künftig nicht nur Grundschüler, sondern auch die Mädchen und Buben aus den fünften und sechsten Klassen aller Schularten am Projekt „Landfrauen machen Schule“ teilnehmen können. Der Landkreis habe sich dafür nach ersten Gesprächen durchaus offen gezeigt, freute sich Ade.
Bei den Männern des Neu-Ulmer BBV-Kreisverbands standen in den Versanstaltungen die Agrarpolitik und kommunale Angelegenheiten im Vordergrund, wie Kreisobmann Andreas Wöhrle erklärte. Gut besucht war eine Podiumsdiskussion vor der bayerischen Landtagswahl, bei der sich 16 Kandidaten aus verschiedenen Parteien vorstellten und zu landwirtschaftlichen Anliegen und Problemen Stellung nahmen. „Die Politiker haben ja oft hinten und vorne keine Ahnung von der modernen Landwirtschaft, werden aber regelmäßig von Naturschützern mit Kritik bestürmt“, sagte Wöhrle. Dasselbe gelte für die Lehrer. In der Fortbildung sei deren wichtigste Erkenntnis gewesen: „Dann bestimmen wir Verbraucher mit unserem Einkaufsverhalten ja tatsächlich, was und wie in der Landwirtschaft produziert wird“. Der Dialog mit den Verbrauchern auf der „Tour de Flur“ habe andererseits auch den Bäuerinnen und Bauern so manches Aha-Erlebnis beschert.

Stressoren, die zu Belastungen führen

Solche „Aha-Erlebnisse“ können durchaus dazu beitragen, den psychischen Stress abzubauen, unter dem viele bäuerliche Familien leiden, gehören doch fehlende Kommunikation und Wertschätzung zu den Stressfaktoren, die Christiane Mayer in ihrem Vortrag auflistete. Weitere „Stressoren“, die zu typischen psychischen Belastungen von Bäuerinnen und Bauern führen, sind der Hang zur Perfektion, das Dilemma von Wachsen oder Weichen, die immer komplexere Technik, der Zeitdruck, Generationenkonflikte, Betriebsübernahme, fehlende Erholung, Unwägbarkeiten oder auch ein schlechtes Familienklima.
Im Grunde sei Stress eine Reaktion auf Gefahrensituationen, erklärte Mayer. Dabei schütte der Körper Stresshormone aus, ein Tunnelblick entsteht, die Atmung wird flacher, die Muskeln spannen sich an und werden vermehr durchblutet, der Puls schnellt nach oben und der Blutdruck steigt. Dies kann auf Dauer ebenso zur Ausbildung von Rückenschmerzen führen wie das Heben und Tragen von schweren Lasten oder Zwangshaltungen bei der Arbeit. Am Ende drohen chronischer Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Verdauungsstörungen.
Dabei gibt es durchaus Abhilfe gegen Dauerstress: „Ändern, was ich ändern kann, und gelassen hinnehmen, was ich nicht ändern kann.“ Ändern lassen sich beispielsweise ein mangelnder Sozialkontakt, eine ungesunde Erährungsweise oder der Mangel an Bewegung. Der Stressgeplagte kann Entspannung suchen, Freude an der Arbeit entwickeln, sich der Familie widmen, Pausen zur Regeneration einlegen und mit Humor auf unangenehme Situationen reagieren. Außerdem bietet die SVLFG Vorsorgeuntersuchungen und Seminare zum Stressmanagement an.

Junges Landteam braucht Unterstützung

Fachberaterin Amelie von Seydlitz-Wolffskeel von der Günzburger BBV-Geschäftsstelle motivierte die Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner, sich in ihren Dörfern für ein stärkeres Engagement des bäuerlichen Nachwuchses in der Bayerischen Jungbauernschaft einzusetzen. Unter deren Dach wurde vor vier Jahren das „Junge Landteam Neu-Ulm“ gegründet, nachdem die lokale Jungbauernschaft ihre Aktivitäten bis zum Jahr 2000 eingestellt hatte. Das Junge Landteam setzt sich für die Interessen der jungen Leute im ländlichen Raum ein, erklärte von Seydlitz-Wolffskeel.
Als erster Vorsitzender des 55 Mitglieder umfassenden Jungen Landteams agiert Martin Ritter, sein Stellvertreter ist Benedikt Ritter. Ferner gibt es eine WhatsApp-Gruppe mit 30 Teilnehmern. In den vergangenen Jahren war das Junge Landteam beispielsweise bei der „Tour de Flur“ aktiv oder führte eine Besichtigung des Traktorenwerks der Firma Deutz-Fahr in Lauingen durch.
Für die Zukunft plant das Junge Landteam jährlich zwei bis drei Veranstaltungen. „Leider entwickelt sich das Junge Landteam nicht so gut wie erhofft“, bedauerte Kreisbäuerin Christiane Ade. Dabei wäre es doch sehr wichtig, dass sich die jungen Bäuerinnen und Bauern miteinander vernetzen, um sich auszutauschen und gegenseitig zu helfen, ergänzte BBV-Kreisgeschäftsführer Matthias Letzing.

Letzing machte den Ortsbäuerinnen und Ortsobmännern in seinem Vortrag zur Bauleitplanung die Bedeutung ihrer Stellungnahmen zu lokalen Bauprojekten klar. Hier sei ein Engagement umso wichtiger, als die Fläche besonders im Ballungsraum Günzburg und Neu-Ulm immer knapper werde. Als Träger öffentlicher Belange werden der Günzburger BBV-Kreisgeschäftsstelle regelmäßig Bebauungs- und Flächennutzungspläne, Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren zur Stellungnahme vorgelegt.