Betriebsgründung

Stillgelegten Betrieb reaktiviert

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Brigitte Früh
am Donnerstag, 18.10.2018 - 12:18

Sternfahrt des vlf Immenstadt zum Betrieb Schega in Hergensweiler

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Hergensweiler/Lks. Lindau Diesen Schritt würden wohl nur die wenigstens wagen: die Reaktivierung eines stillgelegten Milchviehbetriebes. Da gehört schon einiges an Mut und Risikobereitschaft dazu, mit 9 ha und ohne Vieh wieder anzufangen, aber vor allem braucht es eines: eine große Leidenschaft für die Landwirtschaft. Roman Schega aus Hergensweiler-Schillers ist diesen Schritt gegangen und hat auf der elterlichen Hofstelle einen neuen Milchviehlaufstall mit Güllegrube gebaut, den alten Anbindestall umgebaut, eine neue Heubergehalle errichtet und den früheren Nebenerwerbsbetrieb zu einem Vollerwerbsbetrieb mit Schwerpunkt Bioheumilch aufgebaut – aus Liebe zum Beruf Landwirt.

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Der Betrieb Schega war jetzt das Ziel der diesjährigen Sternfahrt des vlf Immenstadt, zu der die Vorstandschaft mit Bernhard Heim an der Spitze und Geschäftsführerin Veronika Siefer eingeladen hatten. Bei herrlichem Spätsommerwetter kamen viele Hundert Besucher und erlebten einen geselligen und informativen Tag. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die neu gegründete vlf-Kapelle, die auf der Sternfahrt ihren ersten Auftritt hatte. Auch fürs leibliche Wohl war bestens gesorgt. Einmal mehr waren die selbst gebackenen Kuchen und Torten der Landfrauen der Renner, aber auch Herzhaftes wurde serviert. Dazu gab es eine kleine Maschinenausstellung und ein Mitmachangebot für den Nachwuchs. Sehr gut kamen die Betriebsführungen an, bei denen Betriebsleiter Roman Schega und seine Kumpels, der Landwirtschaftsmeister Markus Ganal und Dominik Wilhelm, der zurzeit seinen Meister macht, die Besucher in Gruppen durch den Bioland-Betrieb führten und alle Fragen beantworteten.

Traumjob Landwirt

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Die Entwicklungsgeschichte des Hofes ist eine besondere. Der kleine Nebenerwerbsbetrieb mit 8 bis 10 Kühen gehörte Roman Schegas Mutter Christine und wurde von seinem Onkel Robert Breyer umgetrieben. „Ich bin auf einem Milchviehbetrieb aufgewachsen, dieses bäuerliche Umfeld hat mich geprägt“, erläuterte der 27-jährige Betriebsleiter, warum sein Herz schon seit der Kindheit für die Landwirtschaft schlägt. So war es auch keine Frage, dass er 2006 eine landwirtschaftliche Lehre begann. Während der Lehrzeit kam eine Anfrage vom Nachbarbetrieb, ob man sich vorstellen könnte, die beiden Höfe zusammenzulegen. 2009 wurde dann der Betrieb Schega stillgelegt und eine GbR mit dem Nachbarn gegründet. Das funktionierte vier Jahre lang, aber 2013 hat sich die GbR wieder aufgelöst. Diese Zeit möchte Schega dennoch nicht missen: „Ich habe dabei sehr viel über Betriebsführung gelernt, mehr als sonst irgendwo möglich gewesen wäre.“
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Was nun? „Kannst Du Dir nicht vorstellen, etwas anderes als Landwirtschaft zu machen?“, war die Frage, die die Familie und Roman Schega sich selbst stellte. Nach einigem Hin und Her und diversen anderen Tätigkeiten stand für ihn aber fest: „Da ist nichts dabei, was ich mir für immer vorstellen könnte, ich will Landwirt bleiben.“ Der junge Mann begann daraufhin mit der Meisterschule. Der aufgelassene Betrieb habe in der Schule immer als Beispielbetrieb zum Durchrechnen verschiedener betriebswirtschaftlicher Aspekte gedient, erzählt Schega. Unter anderem wurde an diesem Beispiel auch die Neugründung eines landwirtschaftlichen Betriebes berechnet. Was die Initialzündung für den begeisterten Landwirt war.

Von null auf hundert

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Mit 9 ha Fläche und ohne Vieh stellte die Familie einen Bauantrag und einen Förderantrag. Es dauerte dann bis zum Ende der Landwirtschaftsschule, bis schließlich im Mai 2014 die Baugenehmigung erteilt wurde. Am 1. Oktober 2014 kamen 38 Kühe auf den Betrieb, die aus zwei Aufgabebetrieben gekauft wurden, und die Milcherzeugung startete. Die Herde wurde sofort auf Bio-heumilch umgestellt. Im Mai 2018 hat Roman Schega den Betrieb von seiner Mutter offiziell übernommen.
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Es war ihm wichtig, den Betrieb so zu planen, dass die Arbeit – mit Ausnahme von Arbeitsspitzen – von einer Person bewältigt werden kann. Vorerst kann er noch auf familiäre Hilfe bauen: Der Onkel, inzwischen Rentner, hilft ihm morgens und abends im Stall. Er treibt die Kühe zum Melkstand, streut die Buchten ein und schiebt das Futter hin. Mutter Christine, die halbtags arbeitet, erledigt die Büroarbeit und Vater Jürgen, Zollbeamter in Vollzeit, unterstützt beim Heuen und ist der „Hausmeister“ am Hof. Bei Arbeitsspitzen helfen sich der Betriebsleiter und sein Kumpel Markus Ganal gegenseitig aus.

Mehrere Standbeine

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„Ich habe gerne einen Kleinbetrieb“, betont Schega, der nebenher auch als Garten- und Landschaftsbauer arbeitet. Das dritte Einkommensstandbein, neben Milcherlös und GaLa-Bau, ist die Schnapsbrennerei. Zusätzlich zum eigenen Brennrecht brennt Schega noch für zwei seiner Verpächter. „Ich kann jedem nur raten, sich nicht nur von einer Erwerbsquelle abhängig zu machen, denn wenn es einmal nicht so läuft, ist man nicht völlig aufgeschmissen“.
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Für die Betriebsneugründung hat Schega freilich eine Menge Arbeit investiert und viel Geld in die Hand genommen. Der alte Anbindestall wurde komplett ausgehöhlt und zu Schmutzschleuse, Lagerraum und Büro umgebaut. Auch der Heustock im Altbau wurde umgebaut zu einem modernen Heulager mit Kondensationstrocknung und Warmluft-Heizung. Über 1000 m³ Heu können dort in vier Kammern gelagert und mit dem Altbaukran bewegt werden. Die ersten beiden 3,5 m tiefen Kammern mit zusammen 600 m³ kann die 8,5 kW- Kondensationstrocknung gleichzeitig trocknen. In der dritten Kammer kommt bei Bedarf eine Warmluftheizung, die mit Heizöl betrieben wird, zum Einsatz. In der vierten, 9 m tiefen Kammer wird gelagert. Den Kondensationstrockner betreibt Schega nur im Sommer, weil er im Frühjahr und Herbst, bei weniger als 10 °C Außentemperatur, vereist. In den Umbau des Altstalls und des alten Heulagers investierte er 90 000 € netto.

Keine eigene Nachzucht

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Die Güllegrube (540 m³) schlug mit 35 000 € netto zu Buche. Ein großer Brocken war der Neubau des Milchviehlaufstalls für 39 Großvieheinheiten mit 360 000 € netto. Eigene Nachzucht gibt es nicht am Betrieb. Alle Kühe werden mit Fleischrasse besamt, das erledigt der Weißblaue Belgier-Stier, die Abkalbung erfolgt saisonal. Die Kälber gehen an die AHG, der Bestand wird mit dem Zukauf von Jungrindern von der AHG ergänzt. Der dreireihige Stall ist an das Altgebäude angebaut und mit Hochboxen, Spaltenboden, Kraftfutterstation, Abkalbebox, Selbstfangfressgitter und integriertem Doppel-Fünfer-Fischgrätmelkstand mit Abnahmeautomatik und Milchmengenmessung ausgestattet. Die Hülle besteht aus Sandwichplatten als Außenwände und Dach, Hubfenstern und Lichtfirst zum Öffnen. Während der Saison haben die Kühe Weidegang.
2017 errichtete Schega eine neue große Heubergehalle mit 1200 m³ Heulagerraum in einem Stock. Vor allem der erste Schnitt wird hier getrocknet, mit einer 240-kW-Warmluftheizung, die auf 400 kW erweitert werden kann. Außerdem ist Lagerraum für Maschinen und Streueballen vorhanden, eine Gesamtinvestition von 220 000 € netto.

Trotz der hohen Investitionen ist Roman Schega nicht bang um die Zukunft. Sein Ziel ist es, den Schuldenberg möglichst schnell abzubauen. „Und wenn das geschafft ist, glaube ich, dass man von 38 Kühen mit Bioheumilch und weiteren kleinen Standbeinen recht gut leben kann“, blickt der junge Landwirt optimistisch in die Zukunft. Mit der Reaktivierung des Betriebes hat sich Roman Schega einen Wunschtraum erfüllt. Und das Glück und die Zufriedenheit, die man aus einer Arbeit gewinnt, die man ausüben möchte, sind sowieso unbezahlbar.

Betrieb Schega

  • Familie: Betriebsleiter Roman Schega (27), Landwirtschaftsmeister; Mutter Christine (57), Krankenschwester, ländliche Hauswirtschafterin; Vater Jürgen (57), Zollbeamter; Bruder Johannes (30), Kälteanlagenbaumeister; Onkel Robert Breyer (55), Rentner; Oma Paula Breyer.
  • Flächen: 30 ha, davon 25,5 ha Mähweide, 3 ha Biomais/Kleegras im Wechsel und 1,5 ha Streue; 0,8 ha Wald.
  • Viehbestand: 38 Milchkühe (BV, SB, RB), 7500 kg – 4,3 % F – 3,4 % EW, 1 Stier (WBB), keine Nachzucht.
  • Standbeine: Bioheumilcherzeugung, Biostreuobst, Brennerei, Arbeit im Garten- und Landschaftsbau.
  • Programme: Ökologischer Landbau, Weideprämie, VNP.
  • Betriebsentwicklung: 2009: Stilllegung des bestehenden Nebenerwerbsbetriebs mit 8 bis 10 Kühen plus Nachzucht; 2013: Bau Güllegrube (540 m³), 2014: Neubau Milchviehlaufstall für 38 Kühe plus Stier, Umbau alter Stall und Nutzung als Büro, Lager und Schmutzschleuse, Umbau Heustock für Heutrocknung, im Oktober 2014: Kauf von 38 Milchkühen, Beginn der Milchablieferung, 2017: Neubau separate Heubergehalle (1200 m³).
  • Ehrenämter: diverse, unter anderem bei der Viehzuchtgenossenschaft und 2. BBV-Ortsobmann Hergensweiler. BF