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Erzeugergemeinsacht

Wohin steuert der Rapspreis?

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Brigitte Auer
am Dienstag, 02.08.2022 - 06:21

Raps-EG Mittelschwaben: Gut informieren und dann gemeinsam handeln

Aislingen/Lks. Dillingen An den Warenbörsen geht es wieder einmal rund: Wie bei vielen anderen Rohstoffen ändern sich auch die Rapsnotierungen fast täglich. Für den einzelnen Rapsbauern der beste Weg: sich gut informieren und dann gemeinsam handeln. Auf der Jahreshauptversammlung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Mittelschwaben in Aislingen war Gelegenheit dazu.

„Eine Investition ist eine Spekulation auf die Zukunft.“ Angesichts der aktuellen Lieferengpässe durch den Ukraine-Krieg setze man in der Straubinger Gegend beispielsweise gerade auf die Sonnenblume, berichtete der Leiter des AELF Nördlingen-Wertingen, Dr. Reinhard Bader, in seinem Grußwort.

Und wie sieht das unternehmerische Risiko der Landwirte beim Raps aus? Der Vorsitzende der Raps-EG Mittelschwaben, Georg Zimmermann, zog eine gemischte Bilanz des letzten Jahres. Zunächst seien die Rapspreise deutlich gestiegen. „Und dann kam der 24. Februar, als die Preise für Diesel und Dünger durch die Decke gingen.“

Der Geschäftsführer der Schwäbischen Natur Energie GmbH (SNE) Eugen Bayer sprach in seinem Vermarktungsbericht zum Erntejahr 2021/22 sogar von einer „Zeitenwende“ bei der Preisentwicklung. Diese starke Preisdynamik habe man angesichts stabiler Durchschnittswerte von 30-36 €/dt in den letzten zehn Jahren zunächst so nicht erkennen können. Die Hauptkontrakte wurden bei 550-600 €/t Raps abgeschlossen. „Wäre der Krieg nicht gekommen, wären wir bei diesem Preis geblieben,“ ist Bayer überzeugt.

Rund 1100 t Raps gehandelt

Rund 1100 t Raps wurden im vergangenen Erntejahr in den BayWa-Sammelstellen der Raps-EG Mittelschwaben über individuelle Kontrakte oder die Poolpreis-Vermarktung gehandelt. Ende Februar 2021 habe man bei 38 €/dt begonnen, später habe man einen Poolpreis von 48 € erzielt, im August 2021 habe man dann den Raps für 52 € vermarktet. Über die Einzelkontrakte konnten im gleichen Zeitraum Preise von 37 - 52 € erreicht werden.

Für die bevorstehende Ernte 2022 habe man sich nun entschieden, sich bei der Poolpreis-Vermarktung zurückzuhalten, und den Bauern empfohlen, ihren Raps zum Tagespreis individuell zu handeln. Rund 650 t aus der neuen Rapsernte seien bereits kontraktiert. 48 €/dt habe der erste Kontrakt nach der Aussaat erzielt, der teuerste Kontrakt sei bislang bei 84 € abgeschlossen worden. „Wir haben lange Zeit geglaubt: Der Baum wächst und wächst“, sagt Bayer. Dann sei die Preisentwicklung an den Börsen aber doch zum Stillstand gekommen. Inzwischen, ist Bayer überzeugt, seien die absoluten Spitzenpreise schon gebrochen.

Eine ähnliche Marktentwicklung wie beim Raps sagt Bayer auch bei anderen Saaten voraus. So werde man beim Weizen bei der Ernte auf einen Preis von 35 €/dt zulaufen. Die Käufer hielten sich bei einem Preis von 40 € inzwischen bereits zurück. Bei der neuen Ernte, so Bayer, werde man auf Preise von 30 € zugehen. Bayer erwartet einen Abstand von 3 - 4 € zwischen Gerste und Weizen.

Beim Weizen kommen noch Anpassungen

Auch beim Weizen werde es noch zu Anpassungen kommen, sollte es keine Ernteausfälle durch Naturschäden geben. Auch hier empfiehlt Bayer, jetzt Teilmengen zu vermarkten. Generell setzt der SNE-Geschäftsführer auf Kontinuität in der Vermarktungsstrategie: Wer seinem bislang erfolgreichen Stil treu bleibt, so zeige die Erfahrung, sei auch in Zukunft im oberen Segment dabei.

Welternährung im Blick

Die Welternährungslage nahm auch Ernst Artur Bommer von der Firma KWS zum Anlass, um über „neue Sorten und insektentoleranten Raps“ zu referieren. 2050 werde weniger als die Hälfte der Pro-Kopf-Anbaufläche zur Verfügung stehen. Neben ertragreichen Sorten seien vor allem auch solche gefragt, die eine große Schädlingstoleranz aufweisen. Durch den Flächenrückgang im Rapsanbau der letzten Jahre hatte der Insektendruck abgenommen. Jetzt ist der Raps wieder da – und mit ihm das Schädlingsrisiko.

Zudem nähmen die Pyrethroid-Resistenzen zu und andere, früher wirkungsvolle Beizen aus ursprünglich fünf Wirkstoffgruppen stehen nicht mehr zur Verfügung. Die Lösung: Die Schädlingsbekämpfung muss mit insektentoleranten Sorten beginnen.

Die Sorten Allesandro und Ernesto von KWS hätten in einem nach der Berlese-Methode im März 2022 in Straußberg/Mecklenburg-Vorpommern durchgeführten Test unter Applikation der beiden Insektizide Lumiposa 625 FS und Buteo signifikante Unterschiede in der Insektentoleranz aufgewiesen. Bei einer zweijährigen Untersuchung in Bayern 2020 und 2021 habe die Sorte Ernesto von KWS zudem die größte Marktleistung erzielt.

Schädlingstolerante Sorten im Kommen

Auch der zweite Referent des Abends, Thomas Gerstmeier vom AELF Augsburg, sieht das Thema „neue, schädlingstolerante Sorten“ im Kommen. Empfehlenswert seien die Sorten DK Expansion, Ernesto KWS, Ludger und Smaragd. In der einjährigen Testung fallen, so Gerstmeier, vielsprechende neue Sorten wie Daktari auf, die gesund sei und mit einem hohen Kornertrag überzeuge.

Eine wirksame Schädlingsbekämpfung setze aber ein individuelles Monitoring am Standort voraus. Das Anbringen und Kontrollieren von Gelbschalen hält der Fachberater für unerlässlich. Für manche Insekten wie die Stängelschädlinge sei eine allgemeine Empfehlung für die optimale Bekämpfung nahezu unmöglich. Es sei jeweils zu prüfen, ob der Insektizideinsatz notwendig, die Bekämpfungsschwelle überschritten sei. Dies sei beim Kohlschotenrüssler schon bei einem Tier pro Pflanze der Fall. Bei anderen Schädlingen wie dem Rapsglanzkäfer ließe sich der Ertragseinfluss von Insektizidmaßnahmen kaum messen. Dem stehe eine hohe Bienengefährlichkeit mancher Tankmischungen im Winterraps gegenüber.

Wichtig sei auch der richtige Zeitpunkt für die Spritzung. So sei der Erdfloh im letzten Jahr Ende September/Anfang Oktober zufällig aufgetaucht. Mit einer Spritzung im Oktober hätte man den Schädling bei einem späteren zweiten Befall gut in den Griff bekommen können.

Sorgen bereite den Landwirten das Aufkommen des Schwarzen Kohltriebrüsslers, der im Raum Fürstenfeldbruck und in der Gegend von Ingolstadt und Eichstätt in größerer Menge aufgetreten sei. In der Region Mittelschwaben spiele er bislang aber noch keine Rolle, so Gerstmeier. Der Kohltriebrüssler trete in günstigen Klimaten und bei enger Fruchtfolge unter drei Jahren auf. Leider wisse man noch nicht, wie hoch der Befall in der Gelbschale sein müsse, um einen wirtschaftlichen Schaden zu haben. Das Insekt fliege in der Regel später bis in den November hinein zu, es empfehlen sich also späte Gelbfallenkontrollen.

Was helfen soll, kann auch schaden: So zeigen Untersuchungen zum Fungizid- und Wachstumsreglereinsatz: „Wenn die Bedingungen nicht passen, spritzt man sogar den Ertrag weg.“ Gerstmeiers Fazit: In der Regel hat man nur einen Schuss. Und der muss sitzen.