Vermarktung

Stark auftreten auf den Märkten

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Michael Ammich
am Dienstag, 12.01.2021 - 10:16

Erzeugergemeinschaften leisten wichtige Arbeit für die Landwirte.

Bei der Logstik und den Verhandlungen zeigt sich der Wert der Erzeugergemeinschaften. „Sie funktionieren aber nur, wenn ihnen auch die erforderlichen Mengen angedient werden“, erklärte Eugen Bayer auf der Online-Mitgliederkonferenz zum Marktfruchtbau, die von den BBV-Kreisverbänden Günzburg und Neu-Ulm organisiert wurde.

Der Geschäftsführer der Schwäbischen Natur Energie GmbH (SNE) schilderte den 45 Konferenzteilnehmern, wie beispielsweise die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide Aislingen/Bibertal für ihre Mitglieder die Preisfindung und Vermarktung abwickelt.

An Erfordernisse des Markts anpassen

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Zuvor erklärte Doris Kreitner vom Schwaben-BBV den Sinn und Zweck von Erzeugergemeinschaften. An der Hauptgeschäftsstelle in Augsburg übernimmt sie die Geschäftsbesorgung für mehrere schwäbische Gemeinschaften.

Bei ihnen handle es sich um wirtschaftliche Vereine mit dem Ziel, die bäuerliche Erzeugung und Vermarktung den Erfordernissen des Markts anzupassen. Das geschieht auf verschiedenen Ebenen:

  • durch gemeinsame Erzeugungs- und Qualitätsregeln zur Sicherung eines marktgerechten Angebots,
  • durch gemeinsame Regeln bei der Vermarktung und
  • durch das Anbieten der von den Mitgliedern erzeugten Waren.

Zu den vom Schwaben-BBV über Geschäftsbesorgungsverträge betreuten Erzeugergemeinschaften gehören mehrere EG´s für Qualitätsgetreide, für Qualitätsraps und für Veredelungskartoffeln sowie die MeG Augsburg-West.

Die Bündelung der erzeugten Warenmengen hilft den Mitgliedern, mit ihren Marktpartnern auf Augenhöhe zu verhandeln. Der EG-Mitgliedsbeitrag beläuft sich laut Kreitner pro Betrieb auf jährlich 20 bis 25 € - „ein echtes Schnäppchen sozusagen“.

Getreide: steigender globaler Endverbrauch

Der Dillinger BBV-Bezirks- und SNE-Geschäftsführer Eugen Bayer warf einen Blick auf den Getreidemarkt. Für das Wirtschaftsjahr 2020/21 werden für die EU eine Weizenernte von 137 Mio t, ein Verbrauch von 118 Mio t und ein Exportvolumen von 26 Mio t prognostiziert.

Weltweit beläuft sich die Ernte auf 772, der Verbrauch auf 753, der Ex- und Import auf 190 Mio t. Bayer geht von einem steigenden globalen Endverbrauch aus, nachdem die Weltbevölkerung immer weiter anwächst.

Um die Markt- und Preisentwicklunegn abschätzen und die Waren jeweils in den besten Preisphasen vermarkten zu können, ist eine ständige Marktbeobachtung erforderlich, betonte Bayer. Schließlich seien die Getreidepreise starken Marktschwankungen unterworfen.

„Es braucht schon auch einen gewissen Mut, um zum richtigen Zeitpunkt zu verkaufen oder Kontrakte abzuschließen.“ So bewegten sich die Weizen-Erzeugerpreise zur Ernte im Jahr 2012 bei 23,58 €, 2013 bei 16,63, 2018 bei 18,65 und 2020 bei 16,15 €. Ähnlich beim Raps: 2012 wurden für die Dezitonne 48,35, 2020 aber nur 36,23 € bezahlt.

Auszahlungspreise in Schwaben

In Schwaben läuft die Vermarktung des Winterweizens beispielsweise über die EG Aislingen/Bibertal in dieser Reihenfolge ab:

  • Ernte 2020
  • Anlieferung ex Ernte bis zum 30. September 2020
  • im Oktober 2020 Preisverhandlung für die Ernte 2021
  • laufende Preisverhandlungen und Vermarktung der Lagerware 2020
  • laufende Anlieferung der Lagerware aus der Ernte 2020
  • weitere Preisverhandlungen und Kontraktangebote für die Ernte 2021
  • Mengenabfrage zur Erntelieferung 2021
  • Ernte 2021.

Für das Jahr 2021 hatte die EG Aislingen/Bibertal bis Mitte Dezember 2020 bereits 3000 t Getreide kontraktiert.

Je nach Abnehmer bewegen sich die Auszahlungspreise in Schwaben beim A-Weizen zwischen 15,86 und 16,09 €/dt und beim B-Weizen zwischen 15,51 und 15,71 €/dt.

Im Dezember 2020 beliefen sich die Kontraktpreise für einen Liefertermin ex Ernte 2021 jeweils mit einem Hektolitergewicht von 76 kg und einer Fallzahl von 250 beim A-Weizen mit 13 % Proteingehalt auf 18,0 €/dt und mit 13,5 % Protein auf 18,50 €/dt, beim B-Weizen mit 12,5 bis 12,9 % Protein auf 17,80 €/dt und mit 11,5 bis 12,4 % Protein auf 17,50 €/dt.

Unverschuldet: keine Haftung

An Raps werden über die SNE in Schwaben jährlich 1000 bis 1500 t kontraktiert. In Deutschland bewegten sich die Rapserntemenge 2020 bei 3,5 Mio t und die Anbaufläche bei 1 Mio ha.

„Die Rapspreise hängen mittlerweile weniger von der erzeugten Menge, sondern mehr vom Palmölpreis ab“, stellte Bayer fest. Im Januar 2020 belief sich der Rapspreis auf 39,8 €/dt, im Juni waren es nur noch 35,9 €/dt.

Über die SNE, eine Tochter der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Mittelschwaben, gab es 2020 beispielsweise Poolpreise von 35,80 bis 36,50 €/dt. „In der Regel hat die SNE die Rapsabrechnung bis jeweils zum 30. September erledigt“, versicherte Bayer den Landwirten.

Und: „Bei unverschuldeten Ertragsausfällen wie nach einer verhagelten Ernte wird kein Lieferant in Haftung genommen.“

Projekt mit neuer Braugerstensorte

Bayer machte sich dafür stark, bei der Vermarktung des Getreides die heimischen Verarbeiter zu berücksichtigen. So gebe es beispielsweise in der Region zwei leistungsstakre Mälzereien. Mit einer von ihnen läuft derzeit ein Projekt mit einer neuen Braugerstensorte.

Für den einen oder anderen schwäbischen Landwirt könnte darin eine Chance liegen, sagte Bayer. Immerhin suche die Mälzerei nach 300 t der neuen Sorte. „Wenn wir hier nicht liefern, dann liefern andere.“

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