Anbau

Stangenbohnen in Mais - Ernüchterung nach erstem Versuch

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Michael Ammich
am Montag, 23.09.2019 - 11:13

Die Stangenbohnen im Mais sollen als Insektenweide und zur Aufwertung des Futters dienen.

  • Der Milchviehhalter Werner Oblinger baute versuchsweise Stangenbohnen im Mais an, um Insekten Nahrung zu bieten und das Grundfutter aufzuwerten.
  • Durch Frost und mangelnden Pflanzenschutz hat er gut die Hälfte der Bohnen verloren.
  • Mais und Bohnen wurden als Saatgutgemisch am 20. April gesät. Für die Bohnen ist das wegen der Frostgefahr zu früh.
  • Laut Beratung profitieren Mais und Stangenbohne voneinander, N und Pflanzenschutzmittel können eingespart werden.
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Finningen/Lks. Dillingen Den Mais durch die Einsaat von Stangenbohnen zu einem Blühparadies für Insekten machen und damit auch noch das Grundfutter aufwerten? Ganz so einfach ist das nicht, wie sich auf einem Feldtag in Finningen herausstellte, zu dem das AELF Wertingen eingeladen hatte. Landwirt Werner Oblinger jedenfalls hat sich von seinem Mais-Stangenbohnen-Gemisch mehr versprochen. Durch Frost und mangelnden Pflanzenschutz hat der Landwirt gut die Hälfte seiner Stangenbohnen verloren.

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Was das Wertinger AELF als „Erhöhung der biologischen Vielfalt auf dem Acker“ propagiert, hat also durchaus seine Tücken. „Die Stangenbohnen haben ein großes Problem, nämlich den Frost und den Pflanzenschutz“, bedauert Werner Oblinger. Für seinen Milchviehbetrieb in Finningen hat er in ein Maisfeld auf einer Fläche von rund 3000 m² Stangenbohnen eingesät. Die Saat des Maises und der Bohnen erfolgte zeitgleich am 20. April. Am 10. Mai legte sich dann ein Spätfrost über das Feld, die Hälfte der Bohnen ging ein. Vorfrucht war eine Zwischenfrucht mit Wildsaaten wie Sonnenblume und Buchweizen.

Pflanzenschutz erschwert

Das Ergebnis der Bodenbearbeitung war „top“, erklärte Oblinger. „Ich hatte noch nie einen solch gleichmäßigen Boden.“ Doch dann begannen die Probleme. Bis kurz vor der Maisernte Ende September wuchs immer wieder der Buchweizen durch – eine Folge des schwierigen Pflanzenschutzes. Da die Stangenbohnen kaum einen Wirkstoff tolerieren, musste Oblinger den Maisacker im Vorauflauf spritzen. Zu diesem Zeitpunkt war der Boden jedoch zu trocken, so dass das Bodenherbizid seine Wirkung verfehlte und insbesondere der Buchweizen immer wieder aufs Neue nachschieben konnte.

Jede Blüte ist wertvoll

Eine Enttäuschung für Oblinger waren die wenigen Blüten, die sich in dem Gemisch zeigten. „Für Bienen und andere Insekten bringt das gar nichts.“ Dem widerspricht Stephan Haase vom AELF Wertingen entschieden: „Jede einzelne Blüte bringt etwas.“ Ein Imker, der sich ebenfalls für den Feldtag interessierte, pflichtet Haase bei. „Die Bienen finden jede Blüte, auch im hohen Mais.“
Das Mais-Stangenbohnen-Gemisch will Oblinger an seine Milchkühe verfüttern. Von den Bohnen verspricht er sich nicht nur eine höhere Biodiversität auf dem Acker, sondern auch eine Aufwertung des Grundfutters, weil sie viel Eiweiß liefern. Für den Landwirt ist es der erste Anbauversuch mit dem Gemisch. 80 €/ha hat ihn das Saatgut gekostet, pro Quadratmeter säte er jeweils vier Bohnen- und acht Maispflanzen an. Ende September soll das Feld mit dem Häcksler abgeerntet werden. Gedüngt wurde das Mais-Bohnen-Gemenge, wie das gesamte Maisfeld, mit 30 m³ Rindergülle,120 kg Unterfußdünger YaraMila Mais und 120 kg Entec.

Bohnen ab Mitte Mai säen

„Von einem Mais-Bohnen-Saatgutgemisch halte ich wenig“, bekennt Oblinger. „Die Stangenbohnen gehören eigentlich erst Mitte Mai in den Maisbestand hineingesät.“ Um eine zeitgleiche Aussaat von Mais und Bohnen zu vermeiden, fehlt dem Landwirt noch die geeignete Sämaschine. Deshalb ist er auf der Suche nach einem mechanischem Sägerät, mit dem er das Bohnensaatgut auch dann noch ausbringen kann, wenn der Mais schon höher ist.
Trotz aller Einwände Oblingers, Stephan Haase hält an der Zweckmäßigkeit eines Mais-Bohnen-Gemisches fest. Diese Anbaumethode sei keineswegs neu, sondern bereits lange zuvor in Peru praktiziert worden. „Der Mais und die Bohnen konkurrieren nicht miteinander“, versichert Haase. Der Mais diene der Bohne lediglich als als Stütze und Rankhilfe und profitiere sogar von ihr. Die Bohne könne nämlich als Leguminose den Luftstickstoff binden und an den Mais weitergeben. Dazu komme noch die Aufwertung der Maissilage durch den höheren Eiweißgehalt.
Als weitere Argumente für den Mischanbau führt Haase die Erhöhung der Biodiversität sowie die mögliche Einsparung von Stickstoffdüngern und Pflanzenschutzmitteln an. Durch das Gemenge nehme der Unkrautdruck ab. Außerdem erweitert sich durch die Bohne die Fruchtfolge.

Mais sollte standfest sein

Damit es bei der Fütterung der Mais-Bohnen-Silage nicht zu Problemen kommt, empfiehlt es sich, eine phasinarme, kleinkörnige und dennoch ertragreiche Bohnensorte anzusäen. Phasin kann in höheren Konzentrationen nicht nur für den Menschen, sondern auch für Tiere schädlich sein. Bei der Wahl der Maissorte ist wiederum auf die Standfestigkeit zu achten, weil der Mais ja schließlich die Bohnen tragen muss. Angeraten wird der Anbau eines Mais-Bohnen-Gemenges auf Standorten mit geringerem Unkrautdruck, nachdem Pflanzenschutzmittel nur in engen Grenzen zur Verfügung stehen. Auch sehr trockene Standorte sind ungünstig, weil die Bohnen mehr Wasser zur Keimung benötigen als der Mais.

Pflanzenschutz im Vorlauf

Die Bereitung des Saatbetts gestaltet sich nicht anders als beim Anbau von Mais allein. Im Mischanbau werden 30 kg/ha weniger Stickstoff benötigt als in reinen Maisbeständen. Zur Aussaat der Bohnen oder eines Gemenges sollte der Boden eine Temperatur von mindestens 8°C aufweisen. Im Vorlauf lassen sich Stomp Aqua und Spektrum als Pflanzenschutzmittel anwenden. Andere Maisherbizide können die Stangenbohnen schädigen. Wie reiner Silomais wird auch das Gemisch mit dem Häcksler geerntet. Weil der Trockensubstanzgehalt der Bohnen mit rund 15 % recht gering ist, sollte der Mais zur Ernte gut ausgereift sein. Ansonsten reduziert sich der gesamte Trockensubstanzgehalt der Mischung.

Für das AELF Wertingen ist der Anbau eines Mais-Stangenbohnen-Gemisches eine gute Alternative zum Anbau von Mais in Reinkultur. Damit lasse sich ein Stück weit die Kritik der Bevölkerung an der „Vermaisung der Landschaft“ und der geringen Biodiversität auf den Ackerflächen entgegenwirken. Leider gab es im Anbauversuch von Werner Oblinger diesbezüglich zumindest heuer noch wenig zu sehen.