Rinderzucht

Stabile Kuhzahlen bei der BZG Oberallgäu Süd

Braunvieh
Josef Berchtold
Josef Berchtold
am Mittwoch, 29.01.2020 - 07:22

Leistung steigt, aber Berg- und Biobetriebe füttern Potenzial der Kühe nicht aus.

Immenstadt/Lks. Oberallgäu - Der Hallenneubau in Unterthingau und die geplante Fusion mit den Holsteins waren zentrale Themen bei der Jahresversammlung der BZG-Oberallgäu Süd, zu der Obmann Ludwig Auffinger wieder viele Gäste begrüßen konnte. Hier, im treuen Braunvieh- und traditionellen Aufzuchtgebiet mit starker Marktbeschickung, hätte man dazu am ehesten noch Diskussionen erwarten können, aber auch im südlichen Oberallgäu verlief die Versammlung ohne kritische Wortmeldungen zu den großen Plänen der AHG.

Noch 333 Betriebe mit 9250 Kühen stehen im Gebiet der BZG Oberallgäu-Süd, berichtete Fachberaterin Heide Wagner, die Milchmenge ging um 65 kg auf 7986 kg mit 4,14 % Fett und 3,61% Eiweiß zurück. Braunvieh ist zwar eine spätreife Rasse, bringt aber auch Kühe mit enormen Anfangsleistungen heraus. Zum Beispiel Erasco-Tochter Petra von Anton Althaus in Fischen mit 11 996 3,64 3,72 Erstlaktation, das sind 883 Fett- und Eiweiß-kg. Aladin-Tochter Dorle von Donat Hindelang aus Rettenberg liegt mit 10 000 4,45 4,21 auf Platz zwei.

Bei den Kühen mit höchster Jahresleistung tauchen die Betriebe Adalbert Kleinheinz aus Rettenberg und Andreas Lingenhel aus Oberstaufen zweimal unter den Top 10 auf, ganz vorne liegt Kleinheinz Vigor Fortuna mit 16 080 4,86 3,69 (1375 F+E-kg). Beim Fleckvieh liegt Thomas Wild aus Oberstaufen mit zwei Kühen (1025 und 1005 F+E-kg), bei Holstein Christian Geiss aus Rettenberg mit einer Luna-Tochter (1032 F+E-kg) vorne.

Nur noch 37 Stiere wurden im Vorjahr aus dem AHG-Gebiet in die Besamung gestellt, sechs davon aus vier Betrieben der BZG OA-Süd.

Kühe oft nicht ausgefüttert

Viele Braunviehkühe stehen im Grünland- und Berggebiet und es werde immer schwerer, diese Kühe auszufüttern. Im Gebiet der BZG OA-Süd waren die Kuhzahlen in den letzten vier Jahren sehr stabil (-57 Kühe in vier Jahren), starke Rückgänge gab es hingegen im Unter- und im nördlichen Ostallgäu. Durch den Rückgang der Kuhzahlen beim Braunvieh komme man in einen Bereich, in dem man Einschränkungen im Zuchtprogramm in Kauf nehmen müsse.

Einen klaren Trend nach oben habe es in den letzten Jahren in der Leistung gegeben. Die Kühe im AHG-Gebiet konnten die Leistung in den letzten vier Jahren um 342 kg Milch steigern, die in Oberallgäu-Süd um 446 kg. Jungkühe auf den Auktionen geben heute 2 kg mehr Milch als vor acht Jahren. Die Kühe aus Biobetrieben hingegen geben an der Auktion kaum mehr Milch als vor acht Jahren, das sei ein Zeichen, dass sie nicht ausgefüttert werden.

Was Braunvieh leisten kann, wenn es intensiv gefüttert wird, zeigte Birkenmaier anhand der 1583 Kühe im Gebiet der BZG Neu-Ulm. Hier konnte die Rasse um 290 kg auf 9032 kg Milch mit 4,40 % Fett und 3,68 % Eiweiß zulegen. Im Grünland- und Berggebiet hingegen hätten es alle Rassen schwer, ihre Leistung auszuspielen.

21 Prozent weniger Umsatz

Bei Braunvieh-Vision beteiligen sich aus dem AHG-Gebiet 152 und insgesamt 239 Betriebe und es wurden bereits 19 000 Typisierungen durchgeführt. Durch den Preisrückgang auf 29,50 € könne die Typisierung auch als Managementhilfe genutzt werden. Eine wichtige Neuerung steht ab nächstem Jahr an: Durch die Einführung der Single-Stepmethode und der Kuhlernstichprobe werden die genomischen Zuchtwerte deutlich sicherer und schneller verfügbar sein.

Die Folgen der Restriktionen beim Tiertransport- und handel machten sich auch Vermarktungsvolumen der AHG sichtbar. AHG-Geschäftsführer Thomas Bechteler berichtete von einem Rückgang von 21 % auf 15,97 Mio €, besonders bei den Kalbinnen (-47,25 %) gab es starke Einbußen. Durch das Gerichtsurteil von Sigmaringen, das allerdings noch nicht rechtsgültig sei, hoffe man künftig wieder stärker exportieren zu können.

Qualität macht sich weiter bezahlt: Bei den Jungkühen kosteten die 25 % teuersten Tiere mit 1747 € um 450 € mehr als das billigste Viertel mit 1297 €. Ab 2022 solle in Unterthingau ein führerloser Markt stattfinden, bei dem der Verband auch einen Full-Service für die Verkäufer anbieten will. Insgesamt soll es für die Auftreiber deutlich einfacher werden (vgl. Unser Allgäu 4/20).