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Biberacher Milchviehtag

So fühlen sich die Kühe wohl

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Toni Ledermann
am Dienstag, 08.02.2022 - 09:57

Landwirt Peter Werner stellt konkrete Tierwohlmaßnahmen auf seinem Hof vor. Beim Milchviehtag verrät er wichtige Details.

Biberach/Oberschwaben Beim diesjährigen Biberacher Milchviehtag gab Peter Werner von der Werner GbR Einblicke in seinen Hof und seine Arbeitsweise. Moderatorin Patricia Seele stellte den erfolgreichen Unternehmer vor: „Ein Praktiker, der trotz der bestehenden Herausforderungen mutig in die Zukunft schaut und seine Chancen nutzt.“

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Der Titel des Vortrags von Werner lautete „Betriebsvorstellung und praktische Umsetzung von Tierwohl“. Mit seinem Vater Albert führt er den Betrieb als GbR in Römerstein-Strohweiler, im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. „Wir sind eine bunte Truppe aus Hofbewohnern, Azubis, und freiwilligen Helfern“, heißt es auf der Homepage „hofwerner.de“. „Uns verbindet die Freude an der Arbeit auf dem Hof. Seien es die Tiere, die Gemeinschaft oder die Technik, jeder findet das, was ihm Spaß macht und ihm wichtig ist.“

Die alte Hofstelle der Familie ist in der Dorfmitte. Dort hielten die Werners bis 2012 etwa 30 Kühe in Anbindehaltung. Seit 2012 steht der großzügige neue Laufstall mit 100 Liegeplätzen am Ortsrand. Direkt am Hof befinden sich fünf Hektar Weide, wo auch die trockenstehenden Kühe nach draußen dürfen.

Anhand von Fotos machten sich die Teilnehmer ein Bild der Anlage, etwa vom teilweise offenen Laufhof, dessen Dach der Liegeboxenseite begrünt ist. Die Laufflächen sind ebenso wie der strukturierte Laufhof mit Gummirillenböden belegt, welche die Ammoniak-Emissionen mindern sollen. Die Kühe können ungestört auf erhöhten Ständen fressen, während der Kammschieber dahinter für eine gute Laufganghygiene sorgt.

Landwirt aus Leidenschaft

Peter Werner ist Landwirt mit Leidenschaft. Die Familie sei schon über viele Jahrzehnte in der Landwirtschaft verwurzelt. Alle lieben, leben und leiden mit ihr, sagte er. Peter Werner zitierte einen Kollegen, der die Unternehmensphilosophie wohl sehr gut beschreibt: „Milchviehhalter ist Berufung und Krankheit zugleich. Wir sind glücklich, mit den Tieren und der Natur arbeiten zu dürfen und unseren Idealismus auszuleben.“

Peter Werner hat aber ein weiteres Anliegen: Er will mit seiner Arbeit der Gesellschaft vermitteln, dass landwirtschaftliche Produkte einen hohen Stellenwert haben. „Es ist essenziell, unsere Natur zu erhalten, da sie unsere Lebensgrundlage ist“, sagte Werner. „Wir denken in geschlossenen Kreisläufen und sehen vor allem durch den wirtschaftlichen Druck diese Kreisläufe in Gefahr. Denn durch kurzfristig hohe Erträge und Ausbeutung der Natur können Nahrungsmittel auf begrenzte Zeit zwar günstiger produziert werden. Durch Idealismus und schlechtere Selbstentlohnung könne man diesem Maximierungsdruck eine Zeit lang widerstehen. Aber auf Dauer sei dies schwierig. Im Biobereich sei dies zum Glück noch nicht so sehr der Fall, sagt Werner. Aber leider würden aktuell nur etwa acht bis zehn Prozent Biolebensmittel eingekauft.

Aufgrund ihres hohen Tierwohlstandards erhielt der Werner-Betrieb die BW-Tierwohlauszeichnung. In der Laudatio heißt es unter anderem: „Der Familienbetrieb, der sich durch eine Betriebszweigaussiedlung im Jahre 2011/12 auf die Milchviehhaltung und Fleckviehzucht spezialisiert hat, wird aufgrund seiner Besonderheit bei der Haltung der weiblichen Kälber ausgezeichnet. Diese kommen im Alter von etwa vier Wochen in ein Großraumiglu mit Zugang zu einer Weide und können so ihre natürliche Bewegungslust ausleben und in der Gruppe frei nach Herzenslust herumtollen. Ein frühzeitiger Auslauf auf eine Weide und der damit verbundene Kontakt mit Außenklimareizen auf gewachsenem Boden und mit natürlichem Futter bieten besonders tiergerechte und auch hygienische Bedingungen für die Kälberaufzucht. Dieses vorbildliche Haltungsverfahren kann insbesondere bei Betrieben, die Probleme mit der Kälbergesundheit haben, als Beispiel für betriebliche Verbesserungsmaßnahmen dienen.“

In Tierwohl investieren

Konkrete Tierwohlmaßnahmen auf dem Betrieb sind unter anderem Kuhbürsten und -duschen, Tiefstreu für Frischlaktierer und Abkalber sowie teilweise mutter-, beziehungsweise ammengebundene Aufzucht. Und es gibt sogar ein „Sabbatjahr für altgediente Kühe“, wie Werner berichtete. Diese Investitionen in mehr Tierwohl bewirkten, dass die Lebensdauer der Kühe angestiegen ist. Der Weidegang sei positiv für die Klauengesundheit der Tiere. Außerdem habe sich das Abkalben verbessert. Durch viel Licht und Platz im Stall habe sich auch die Fruchtbarkeit der Kühe verbessert. Und nicht zuletzt: Die Maßnahmen wurden in der Öffentlichkeitswirkung sehr positiv wahrgenommen. All das führe zu mehr Freude an der eigenen Arbeit, sagte Werner.

Natürlich gebe es mehr Tierwohl nicht umsonst: höhere Baukosten, höhere laufende Kosten, beispielsweise für Stroh. Dazu komme, dass die Molkereien keinen Aufpreis für mehr Tierwohl zahlten. Trotzdem solle man den Glauben nicht verlieren, und sicher brauche es dafür auch eine gewisse Risikofreudigkeit. Trotzdem: „Langfristiges Denken zahlt sich über längere Zeit hinweg aus“, ist Werner sicher. Bei allen Entscheidungen aber müssen die Ziele klar definiert sein, wobei auch die familiäre Situation eine wichtige Rolle spiele. Es sei die Verfügbarkeit aller Produktionsfaktoren abzuwägen. Nicht zuletzt müsse die Umsetzung detailliert geplant und laufend überprüft werden.