Bodengesundheit

Siebengliedrige Fruchtfolge mit Raps und Sojabohne

20_betrieb_elz_3
Kein Bild vorhanden
Externer Autor
am Freitag, 18.09.2020 - 10:38

Walter Elz aus Pfäfflingen wirtschaftet konventionell und setzt mit einer siebengliedrigen Fruchtfolge und Blühflächen auf Bodengesundheit und Artenschutz.

20_betrieb_elz_2

Auch konventionelle Bauern können ökologisch wirtschaften, wie der Pfäfflinger Landwirt Walter Elz. Er legt Blühflächen an, beteiligt sich am Vertragsnaturschutzprogramm und an Agrarumweltmaßnahmen, seine Fruchtfolge ist siebengliedrig. Außerdem setzt er sich für eine intakte Kulturlandschaft ein und war maßgeblich an der Flurneuordnung in Pfäfflingen beteiligt. Seine Leistung wurde jetzt von der bayerischen Staatsregierung mit der Staatsmedaille in Bronze gewürdigt.

Nachdem Walter Elz 1993 den elterlichen Betrieb übernommen hatte, führte er ihn mit seiner Frau Susanne neun Jahre lang im Nebenerwerb. 2002 verstarb sein Onkel und er konnte dessen Hof, ebenfalls in Pfäfflingen, einige Zeit lang pachten. Später ging er in seinen Besitz über. Seitdem wird der Betrieb mit 65 ha Acker- und 5 ha Grünland, 40 Fleckvieh-Mastbullen und 400 Mastschweinen im Vollerwerb bewirtschaftet.

Erst Raps, dann Soja

20_betrieb_elz_1

Weil der 54-jährige Landwirt die Futterration seiner Tiere auflockern wollte, begann er 2002 mit dem Anbau von Erbsen. Drei Jahre später entschied er sich gegen zugekauften Sojaschrot und ersetzte ihn durch Raps, aus dem er Öl pressen ließ. Der Rapskuchen wurde verfüttert. Das sei aber nicht optimal gewesen, da der Raps zu viel Öl und Bitterstoffe enthalten habe. Auch das Rapsöl als Kraftstoff für den Schlepper habe sich nicht bewährt: „Motorschaden“, berichtet Elz.

Vor sechs Jahren entschloss sich der Landwirt dann dazu, Sojabohnen anzubauen. Die Familie liefert seit vielen Jahrzehnten die Hälfte der Mastschweine an einen Metzger in Oettingen. Dieser habe ihn gebeten, den Schweinen GVO-freien Soja zu verfüttern. Elz: „Das kam mir gerade recht, weil mir der Einsatz von Soja aus Übersee schon immer ein Dorn im Auge war. Es kann doch nicht sein, dass Teile des Regenwalds für die Sojaproduktion abgeholzt werden, damit wir Eiweißfutter für unsere Tiere haben.“

20_betrieb_elz_4

Mit den Jahren hat sich auf dem Betrieb daher eine für einen konventionellen Landwirt untypische, siebengliedrige Fruchtfolge entwickelt: Winterweizen, Gerste, Mais, Raps, Sojabohnen, Erbsen und Zuckerrüben. „Der Vorfruchtwert von Körnerleguminosen und Raps wird vielfach unterschätzt“, betont Elz. In den vergangenen 20 Jahren habe er festgestellt, dass der Boden nach dem Anbau von Eiweißpflanzen deutlich lockerer ist und sich besser bearbeiten lässt. Außerdem förderten die vielfältigen Kulturen den Humusaufbau und die Böden kämen mit Trockenheit deutlich besser zurecht.

„Wir konnten mit der vielgliedrigen Fruchtfolge nicht nur die Bodenqualität verbessern und den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln reduzieren, sondern auch die Erträge merklich erhöhen.“ So belaufe sich der Mehrertrag bei der Gerste nach der Vorfrucht Raps inzwischen auf 10 dt/ha. Auch Hofnachfolger Lukas Elz hat kürzlich festgestellt, dass bei einem Acker mit der Vorfrucht Mais deutlich weniger Gerste im Körnertank war, als auf einer gleich großen Fläche mit der Sojabohne als Vorfrucht.

Striegel ausgeliehen

Fünf Prozent der Ackerflächen sind als Greeningflächen ausgewiesen, auf denen heuer Erbsen angebaut wurden. Im kommenden Jahr fällt die Wahl voraussichtlich auf die Sojabohne. Für einen konventionellen Betrieb sei der beim Greening vorgeschriebene Verzicht auf Pflanzenschutzmittel nicht so einfach, sagt Elz. „Aber wir haben eine gute Lösung gefunden, indem wir uns einen Striegel ausleihen.“ Nur wegen der 3,25 ha Greeningfläche rentiere sich die Anschaffung eines eigenen Striegels nicht. Bei der Bodenbearbeitung zieht der Betriebsleiter den Grubber, die Scheibenegge und den Tiefenlockerer dem Pflug vor. Gepflügt wird nur, wenn der Oberflächenboden reichlich nass ist.
In Reihenkulturen wie Zuckerrüben, Mais und Sojabohne wird der Pflanzenschutz mittels Bandspritze direkt über den Kulturen ausgebracht. Zwischen den Reihen wird das Unkraut gehackt. „Dadurch können wir zwei Drittel an Pflanzenschutzmitteln einsparen.“ Elz geht sehr bedacht mit ihnen um. Umso mehr belastet es ihn, dass seine Betriebsflächen allesamt zu dem im Ries ausgewiesenen Roten Gebiet gehören. Natürlich müsse die Qualität des Trinkwasser gewährleistet sein, aber mit einem Viehbesatz von lediglich 0,8 GV fühle er sich nicht für die Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich. „Für uns wäre es sehr wichtig, wenn wir vor der Wintergerste, dem Raps oder den Zwischenfrüchten noch Gülle ausbringen könnten.“

Blühfläche angesät

Für den Insektenschutz hat die Familie heuer erstmals mit der Unterstützung von Paten eine 4400 m² große einjährige Blühfläche angesät. Leider sei die Fläche inzwischen sehr unansehnlich geworden. In den „Pfäfflinger Wiesen“ hat der Betrieb vom Rieser Naturschutzverein und der Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried eine 1,4 ha große Fläche gepachtet. Das insgesamt 120 ha große Gebiet zählt zu den wichtigsten Brutstätten für Brachvögel in Bayern und wird extensiv bewirtschaftet.
Trotz seiner nachhaltigen Wirtschaftsweise ist Elz noch nicht bereit für eine Umstellung auf den ökologischen Landbau. „Eigentlich würden wir gerne einen neuen Stall bauen, aber die Zeiten sind mir zu unsicher“, sagt er. „Wer weiß schon, ob ein heute gebauter Stall in ein paar Jahren noch den Auflagen entspricht.“ Schließlich müsste er dafür ja einige 100 000 € in die Hand nehmen.
Die Kalkulation auf einem landwirtschaftlichen Betrieb sei ohnehin sehr eng. Das erfährt die Familie aktuell am eigenen Leib. „Unser Sohn Lukas hat heuer die landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen. Es tut mir im Herzen weh, dass ich ihn nicht am Hof beschäftigen kann, obwohl wir genug Arbeit hätten und er mit Leib und Seele Bauer ist. Wir können es uns einfach nicht leisten, ihm einen angemessenen Lohn zu bezahlen, weil dann zu wenig Geld für Investitionen übrigbleiben würde.“ Der 19-Jährige hat eine Stelle bei einem Berufskollegen bekommen. „Mal sehen, was die Zukunft bringt“, hofft der Betriebsleiter auf bessere Zeiten und dass er seinem Sohn bald am eigenen Betrieb einen Job anbieten kann. Patrizia Schallert

Nützen und Schützen

Vor 17 Jahren wurde in Pfäfflingen eine Flurneuordnung angeordnet. Die baulichen Maßnahmen sind inzwischen abgeschlossen. Örtlicher Beauftragter und Hauptansprechpartner für alle Belange der Flurneuordnung war der Pfäfflinger Landwirt Walter Elz. Zu seinen Herausforderungen zählte die Berücksichtigung und Umsetzung der Anliegen der rund 260 Grundeigentümer und Landwirte, des Rieser Naturschutzvereins, der Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried, der Stadt Nördlingen und der Gemeinde Wechingen. Schließlich gelangen die Zusammenlegung von Flächen zu größeren Wirtschaftseinheiten und die Verlängerung von Feldlängen durch die Rekultivierung von Wirtschaftswegen. Dafür wurden rund 15 km alte Wege entfernt und der landwirtschaftlichen Nutzung zurückgeführt. Im Gegenzug konnten 5 km neue Wege angelegt werden. Erfolgreich war auch die Zusammenführung der weit verstreut liegenden Flächen der Naturschutzvereine im Wiesenbrüter-Kerngebiet. Außerdem wurden insgesamt 3,2 km Uferschutzstreifen für den Gewässerschutz angelegt und zwei kleinere Biotope geschaffen. Als Nahrungsquelle für die Wiesenweihe dienen heute 4,2 km Ackerrandstreifen. Für das gesamte Verfahren wurden 740 000 € an Fördergeldern bereitgestellt.