Landfrauen

An der Seite der Landfrauen

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Toni Ledermann
am Mittwoch, 22.04.2020 - 12:30

Landtagspräsidentin Ilse Aigner ist Gast beim Unterallgäuer Landfrauentag.

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Erkheim/Lks. Unterallgäu - „Bedenken wir mal: Was wäre unser Landkreis, was wären Schwaben, Bayern und Deutschland ohne uns Bauern, ohne Landwirtschaft? Eine öde, kahle ungepflegte Landschaft. Das wäre nicht unsere Heimat, unsere Region, in der wir geboren, verwurzelt und daheim sind, so wie unsere Vorfahren seit Generationen hier beheimatet waren“. Mit diesen Worten eröffnete Margot Walser den diesjährigen Landfrauentag in Erkheim. Die Kreisbäuerin blendete dabei zurück zu den Vorfahren, die es in den Kriegs- und Nachkriegsjahren nicht leicht hatten. „Zu der Zeit war jeder froh, wenn er was zu essen bekam oder bei einem Bauern arbeiten und sich und seine Familie damit ernähren konnte. Heute dagegen: gesundheitliche Probleme, zu viel Konsum und Übergewicht, und Millionenkosten für die Krankenkassen!“

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Auch den „Klimawandel“ sparte Walser nicht aus: Nicht die Landwirte alleine seien schuld, wie oft gesagt werde. Auch die Industrie sei Verursacher. Politiker sollten anfangen hier genauer hinzuschauen.

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Weiteres Thema: der Artenschutz. Artenschutz sei ein gesamtgesellschaftliches Problem und nicht nur eine Berufsgruppe für eine Besserung verantwortlich. „Kein Berufsstand wird so gegängelt und bevormundet wie der Landwirt!“, fasste sie schließlich zusammen. Gleichwohl sei man dankbar, „dass wir tagtäglich mit der Schöpfung Gottes in freier Natur arbeiten dürfen, jedes Jahr hautnah ein neues Wachsen und Gedeihen erleben dürfen.“

Unverzichtbar am Hof

Mit Blick auf die heimischen Politiker dankte Walser diesen für ihre Arbeit. Anders als die Politiker in Berlin und Brüssel erkennen diese die Arbeit an, die die Landfrauen für die Gesellschaft leisten. Bäuerinnen seien die Brückenbauer, aber auch Managerinnen der Familien. Frauen mit vielerlei Berufen und Talenten und unentbehrlich auf jedem Hof und für unsere Region, ob im Ehrenamt in der Kirche, Kindergarten, Schule, Gemeinde und Vereinen.

Nach wie vor verbunden

Landtagspräsidentin Ilse Aigner nahm sich Zeit für die Unterallgäuer Bäuerinnen. „Die Tage, in denen ich fachlich für die Landfrauen zuständig war, liegen schon etwas zurück. Im Bundeslandwirtschaftsministerium waren die Landfrauen quasi ein institutioneller Partner, aber in meinem jetzigen Amt fühle ich mich Ihnen nicht weniger verbunden,“ stellte Aigner klar. Sie sprach zum Thema „Region gestalten“ und beklagte, dass viel „über etwas“ gesprochen wird, aber immer weniger miteinander! „Da tut es einfach gut, Sie als Gegenüber zu haben. Unsere Landfrauen sind keine Theoretikerinnen und fernab von aller Ideologie. Sie sind die Gestalterinnen der Region vor Ort anpackend, kreativ und überaus engagiert. Ob professionell im Betrieb oder im Ehrenamt.“
Aigner ermunterte die Landfrauen ruhig auf ihre Arbeit stolz zu sein: „Selbst-Bewusstsein ist nicht die Vorstufe zur Arroganz. Selbst-Bewusstsein heißt zu reflektieren, was leiste ich, was macht mich aus, was bringt es anderen und dem Gemeinwohl? Und da haben Sie als Landfrauen einiges vorzuweisen!“ Zumal Bäuerinnen, zusammen mit ihren Männern, die prägende Kraft der Heimat seien. Die Landwirtschaft gebe der Landschaft ihr Gesicht.
Klare Vorstellungen vertritt Aigner auch zur Novellierung der Dünge-Verordnung. Es sei zu begrüßen, dass erste Entschärfungen vorgenommen wurden, „aber Bayern wird sich mit Nachdruck für Weitere einsetzen,“ so die Landtagspräsidentin. Wichtig sei, dass die neue Düngeverordnung wissenschaftlich begründet, fachlich gerechtfertigt und umsetzbar ist!
Aigner merkte aber auch kritisch an, dass dies nicht heiße, dass die Landwirtschaft sich generell nicht bewegen muss. Verbraucherwünsche müsse man ernst nehmen und technischer Fortschritt könne Neuerungen bringen, die jedoch erstmals Geld kosten! Und die zusätzlichen Leistungen für die Gesellschaft müssen dann auch honoriert werden. Wichtig sei, den Landwirten Planungssicherheit und Übergangszeiträume zuzugestehen, um diese Umstellungen zu bewerkstelligen.

Landrat verabschiedet sich

Ein Hauch von Abschied lag in der Luft, als Landrat Hans-Joachim Weirather das Wort ergriff, da er für dieses Amt nicht mehr kandidierte. „Ich bin zum letzten Mal offiziell hier und bedanke mich für Ihre großartige Arbeit, und dass sich der Landkreis so toll und positiv entwickelt hat. Darauf könne man mit Recht zusammen stolz sein kann. Wir haben großes Glück hier leben zu können“, sagte Weirather und wünschte den Landfrauen weiter ein gutes Miteinander, da dies der Schlüssel zum Erfolg für die Familien und die Gesellschaft sei. Seinen Nachfolger „warnte“ er schon einmal vor, dass es zu diesem Amt auch gehöre, dass man beim Landfrauentag zu ungewöhnlichen Dinge aufgefordert werd: So habe er schon mal mit dem Bobby-Car über die Bühne fahren müssen…
Engagiert warb die Bayerische Bio-Königin Carina Bichler aus dem nahen Salgen in ihrem Grußwort für die Belange dieser Produktionsweise. Als Botschafterin der bayerischen ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft möchte sie die Menschen mit der ökologischen Landwirtschaft und der ökologischen Herstellung von Lebensmitteln in Bayern vertraut machen. Und die sympathische Frau weiß wovon sie spricht: Sie ist auf einem Biobauernhof aufgewachsen, und seit dem Abschluss ihres Masters of Science im Fach Agricultural Economics an der Universität Hohenheim arbeitet sie in der Biobranche, unter anderem im Bildungsbereich und für ein bundesweites Eiweißpflanzenprojekt.
Der frisch gekürte Bau-Staatssekretär Klaus Holetschek zollte den Bäuerinnen in seinem Grußwort hohen Respekt für ihre Arbeit. Ihm sei wichtig, dass die Politik die richtigen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft schaffe. „Wir wissen in Bayern, wie wichtig es ist, den Bauernstand zu erhalten. Dazu gehöre auch, die Wurzeln zu kennen und mutig vorwärts zu gehen. Und nicht zuletzt gelte: An Gottes Segen ist alles gelegen!“

Spendenkörbchen

Traditionell geht beim Landfrauentag ein Körbchen durch die Reihen, um für soziale Zwecke zu sammeln. 550 € gingen diesmal an die Lebenshilfe Memmingen und der gleiche Betrag an das Haiti-Hilfsprojekt der Familie Joos (Kettershausen), die schon 2500 Kissen für die Erdbebenopfer dieses Landes verkauft habe.

Ehrung für Ursula Kutter

Eine besondere Würdigung sprach Kreisbäuerin Margot Walser der Leiterin des Altillertaler Landfrauenchors, Ursula Kutter, aus, der auch in diesem Jahr den Landfrauentag traditionell musikalisch umrahmte: „Ich habe die große Ehre die sehr engagierte Chorleiterin Ursula Kutter für 40 Jahre Treue zum Singen zu ehren. Und auch deshalb, da sie in diesen vier Jahrzehnten dem Chor die Treue gehalten hat, davon die vergangenen 18 Jahre als Chorleiterin.“

Walser würdigte besonders Kutters ruhige Art und ihr Einfühlungsvermögen, mit dem sie den Chor geschickt leite. „Singen hat Dein Leben 40 Jahre bereichert – und Du schaffst locker noch viele Jahre dazu,“ sagte die Kreisbäuerin und überreichte ihr einen Ehrenurkunde, eine Anstecknadel und einen Blumenstrauß. Toni Ledermann