Imker

Jetzt muss es zum Schwur kommen

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Brigitte Früh
am Montag, 06.05.2019 - 11:18

Imkertag im Oberallgäu: Nach Volksbegehren sind auch Verbraucher in der Pflicht.

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Oy-Mittelberg/Lks. Oberallgäu Das Volksbegehren war beim Oberallgäuer Kreisimkertag in Oy-Mittelberg ein Thema, das alle Referenten anschnitten. Der Tenor: Jetzt müssen auf Lippenbekenntnisse beziehungsweise Unterschriften auch Taten folgen. Insbesondere die Verbraucher seien in der Pflicht, durch ihr Einkaufsverhalten zu beweisen, dass sie die Landwirtschaft, die sie sich wünschen, auch unterstützen und bereit sind, dafür mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Neben dem Verkauf von Imkerbedarfsmaterialien und einer kleinen Imkerbörse informierte Johann Fischer, Bienenfachberater für den Bezirk Schwaben, über die Verpackungsordnung. Der Höhepunkt war ein Fachreferat von Guido Eich vom Laves Bieneninstitut in Celle zum Thema „Gut gelernt und schlecht gemacht“. Mit humorigen Worten und flotten Sprüchen garniert, räumte er mit alten vermeintlichen Wahrheiten auf und brachte neueste Erkenntnisse an den Mann bzw. die Frau. Altes Imkerwissen dürfe indes nicht verteufelt werden. Vielmehr gelte es, nach wie vor gültige Erkenntnisse und Erfahrungen zu bewahren, Überholtes über Bord zu werfen und aufgeschlossen für Neues zu sein, so Eichs Fazit.

Es müssen alle an einem Strang ziehen

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Die Artenvielfalt erhalten – das kann nur funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen: Landwirtschaft, Kommunen und Privatleute. Beim Imkertag des Kreisverbandes Imker Oberallgäu war man sich einig, dass es nun auch für die Verbraucher zum Schwur kommen muss. Das Volksbegehren zur Artenvielfalt unterschreiben und den Bauern die alleinige Schuld am Insektensterben und Artenschwund zu geben, sei zu einfach. Denn durch ihren Griff ins Lebensmittelregal bestimmen die Verbraucher maßgeblich mit, in welche Richtung sich die Landwirtschaft entwickelt. Anspruch und Wirklichkeit klafften beim Einkauf leider allzu oft weit auseinander. Mehr Biolandwirtschaft und den Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen fordern und dann beim Einkauf doch wieder zum billigsten Produkt greifen, passt nicht zusammen. Den Ausschlag für den Kauf gibt entgegen aller Lippenbekenntnisse oft nur der Preis. Die Herkunft der Lebensmittel und die Bedingungen, unter denen sie erzeugt worden sind, interessieren gerade dann, wenn's drauf ankommt, viele nur noch am Rande.

Lebensmittel aus der Region auf den Tisch bringen und den Mehraufwand für die Landwirte bei der geforderten umwelt- und artenschonenden Bewirtschaftung auch angemessen honorieren, so lautete deshalb der Appell des Vorstands, der Grußwortredner und der Fachreferenten beim Kreisimkertag. Keine einseitigen Schuldzuweisungen, keine Fronten aufbauen, sondern jetzt gemeinsam daran arbeiten, die Ziele des Volksbegehrens zu verwirklichen, das wünschten sich die Imker-Kreisverbandsvorsitzende Monika Theuring, die Grußwortredner Alois Ried (Vize-Landrat und 1. Bürgermeister Ofterschwang) und Gudrun Steiner (2. Bürgermeisterin Oy-Mittelberg) sowie die Fachreferenten Johann Fischer und Guido Eich unisono.
Der Kreisverband Imker Oberallgäu vertritt 734 Mitglieder, die insgesamt 5002 Bienenvölker halten. Durchschnittlich sind das 6,8 Völker pro Mitglied. Brigitte Früh