Bilanz

Schweinemarkt ist komplett abgestürzt

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Externer Autor
am Freitag, 12.02.2021 - 10:32

Die Pandemie führte zu massiven Beeinträchtigungen und Kapazitätsreduzierungen im Handel sowie den Schlacht- und Zerlegebetrieben. Verstärkt durch die Schweinepest kam es zu einem Preisverfall von historischem Ausmaß.

Anders als im Bereich der Ferkelerzeugung geht in der Schweinemast die Anzahl der Betriebe kaum zurück. Allerdings haben sich auch bei den Schweinemästern das Marktgeschehen und die Preise brutal in das Gegenteil verkehrt. In den Ställen stauen sich die Schweine und von Preisen um die zwei Euro pro Kilogramm wie zum Jahreswechsel 2019/20 kann keine Rede mehr sein.

Verbessert hat sich dagegen im vergangenen Jahr erneut die biologische Leistung der Mastschweine, wie Peter Müller vom Fachzentum Schweinezucht und -haltung am AELF Wertingen anhand der Jahresberichte der schwäbischen Schweineprüfringe deutlich macht.

Zahl der Mitgliedsbetriebe blieb konstant

Sowohl die Zahl der Mitgliedsbetriebe als auch die der abgeschlossenen Mastschweine blieb in den Ringgebieten gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Für den Fleischerzeugerring Wertingen insgesamt und die einzelnen Prüfringe gab Müller für das Wirtschaftsjahr 2019/20 folgende Zahlen bekannt (in Klammern die Vorjahresdaten):

Fleischerzeugerring Wertingen: 192 Mitgliedsbetriebe und 180 782 Schweine
  • Prüfring Aichach-Friedberg/Schwabmünchen: 64 (–2) Betriebe und 64 545 (–1190) Schweine
  • Prüfring Dillingen: 43 (–1) Betriebe und 41 383 (+113) Schweine
  • Prüfring Donau-Ries: 63 (+/– 0) Betriebe und 50 153 (+1555) Schweine
  • Prüfring Günzburg/Neu-Ulm: 22 (+/– 0) Betriebe und 24 727 (+204) Schweine.
Mit einer durchschnittlichen Tageszunahme von 822 g lag der Fleischerzeugerring Wertingen im vergangenen Jahr erstmals über dem bayerischen Mittel. „Die Wirtschaftlichkeit der schwäbischen Schweinemast war so hoch wie nie zuvor“, betont Müller. Als einen Grund für die hohen Erlöse verweist er auf die damals starke Nachfrage aus China nach Schweinefleisch, nachdem dort zahlreiche Bestände aufgrund der grassierenden Afrikanischen Schweinepest gekeult werden mussten.

Pandemie führte zu Beeinträchtigungen

Doch der Absturz ins Bodenlose folgte bald. Die im Februar und März beginnende Coronapandemie führte zu massiven Beeinträchtigungen und Kapazitätsreduzierungen im Handel sowie den Schlacht- und Zerlegebetrieben. Als dann auch noch im September die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland vordrang und die Schweinefleischexporte einbrachen, kam es es neben den extremen Absatz- und Vermarktungsproblemen nochmals zu einem Preisverfall von historischem Ausmaß.

Neben den Erlösen schraubten sich bis Ende 2019 auch die Ferkelkosten für die Mäster in stolze Höhen. 89,40 € für das Stück mussten die Mäster im Durchschnitt auf den Tisch legen. Dazu gesellten sich Futterkosten von 56,30 € pro Mastschwein, so dass sich am Ende die Gesamtkosten für die Produktion eines Schlachtschweins auf 151,20 € beliefen. Dem stand ein durchschnittlicher Erlös von 196,90 € pro eingestalltem Tier gegenüber. Die Verlustrate bewegte sich bei 2 %, der Magerfleischanteil bei 59,6 %. Am Ende belief sich der Deckungsbeitrag pro Mastplatz auf 131,70 €. Damit konnten die Mäster hoch zufrieden sein.
Die von den Mästern im Fleischerzeugerring eingestallten Ferkel stammten zu 7,8 % aus dem eigenen Betrieb, zu 6,8 % wurden sie aus einem Partner-Ferkelerzeugerbetrieb gekauft, zu 52,1 % stammten sie aus Erzeugergemeinschaften, zu 3,8 % aus der Südferkel GmbH und zu 10,3 % aus nichtbayerischen Herkünften. Der Anteil des Handelsferkel belief sich auf 16,7 %, sie verzeichneten die mit Abstand höchsten Tageszunahmen.
Im Betriebsvergleich zeigten sich 2019/20 die gewohnten Unterschiede. Während die 25 % besten Betriebe auf Deckungsbeiträge von 55,90 € pro eingestalltem Tier und von 166,80 € pro Mastplatz kamen, waren es bei den 25 % weniger erfolgreichen Betrieben nur 36 bzw. 98,90 €. Die Unterschiede resultierten beispielsweise aus den Verlusten, die sich beim oberen Viertel der Betriebe auf nur 1,8 %, beim unteren Viertel jedoch auf 2,5 % beliefen. Auch bei den Ferkelkosten zahlte das untere Viertel 2,40 € pro Stück obendrauf. Die 25 % besten Schweinemäster erzielten pro Tier einen Erlös von 206,60 €, die unteren 25 % von nur 189,20 €.
Der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben, Burkhard Hock, bedauert: „Der Schweinemarkt ist immer noch von der nach oben gedeckelten Kapazität der Schlachtbetriebe geprägt.“ Sowohl die Corona-Auflagen als auch das Infektionsgeschehen im Schlacht- und Zerlegebereich führen an fast allen Schlachthöfen zu eine Reduzierung der Schlachtzahlen.

Aufgrund der Pandemie die Produktion eingeschränkt

So wurde auch in den niederbayerischen Schweineschlachthöfen Vilshofen und Landshut die Produktion zeitweise stark eingeschränkt. In Weißenfels wurde die Kapazität um 50% heruntergefahren. „Das hat zur Folge, dass die Schweine weiterhin geschoben werden müssen“, sagt Hock. Dadurch steigen ihre Schlachtgewichte an und das umso mehr, als zum Jahresende hin das saisonal stärkste Schweineaufkommen herrscht. „Preisliche Spielräume ergeben sich dadurch nicht.“
Nach der Blockade von Zentrallagern des Lebensmitteleinzelhandels durch Landwirte zeigte sich dieser gesprächsbereit. Jetzt hofft der EG-Geschäftsführer, dass konkrete Zusagen für bessere Erzeugerpreise herauskommen. Da die Exportsperre Dänemarks für Schweinefleisch nach China wieder aufgehoben wurde, zeichnet sich eine Entspannung des innereuropäischen Markts ab, der jedoch nach wie vor hart umkämpft ist. In Deutschland erwies sich der Fleischmarkt in der Vorweihnachtszeit als ausgeglichen.
Michael Ammich