Ausbildung

Schulschließungen: Der Widerstand wächst

Michael Ammich
am Freitag, 04.09.2020 - 14:41

Auch Landtagsabgeordnete kritisieren die geplante Schließung der Landwirtschaftsschulen in Stadtbergen und Mindelheim.

Landtag

Wie bereits in Mindelheim regt sich auch in Augsburg Widerstand gegen die geplante Schließung der Landwirtschaftsschule in Stadtbergen. Dort haben sich 20 Studierende angemeldet, die bis zum übernächsten Jahr die Schule absolvieren wollen – der letzte Jahrgang, wenn sich das bayerische Landwirtschaftsministerium durchsetzt. Danach wäre Schluss mit der mehr als 150 Jahre alten Institution.

Nun haben die Gegner der Schulschließung eine Petition beim bayerischen Landtag angekündigt, wie die Friedberger Allgemeine berichtet. Zudem demonstrierten Mitglieder des Bund Naturschutz und ehemalige Stadträte von Stadtbergen, wo das Landwirtschaftsamt Augsburg mit seiner Landwirtschaftsschule angesiedelt ist, für deren Erhalt. Die Landtagsabgeordnete Carolina Trautner (CSU) unterstützt den Protest.

Anmeldezahlen an sich nicht schlecht

Der ehemalige Stadtbergener Bürgermeister Ludwig Fink und der ehemalige Stadtrat Horst Brunner schrieben an die bayerische Staatsregierung, dass die Schule verkehrsmäßig günstig gelegen und angesichts der künftigen Anforderungen an die Landwirte mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Höfe und die wachsende Bedeutung der Ökologie unverzichtbar sei.

Überdies verfüge die Stadt Stadtbergen neben der Landwirtschaftsschule über keine weitere überörtliche Bildungsstätte. Fink und Brunner bitten Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber um eine ausführliche Erläuterung der Schritte, die sie bislang für den Erhalt der Landwirtschaftsschule unternommen habe.

Bitter stößt die beiden ehemaligen Kommunalpolitikern auch auf, dass sich an der Landwirtschaftsschule am Amt Wertingen, die erhalten bleiben soll, weniger Studierende als an der Nachbarschule in Stadtbergen angemeldet hätten. „Sollte dies stimmen, würde die wichtigste Grundlage, die für die Schließung der einen Schule und das Fortbestehen der anderen spricht, wegfallen.“

SPD-Politiker sprechen sich ebenfalls gegen Schulschließungen aus

SPD

Seit der Ankündigung des bayerischen Agrarministeriums, sieben Landwirtschaftsschulen in Bayern schließen zu wollen, mehren sich auch in anderen Teilen des Freistaats die Proteste. So steht die landwirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Müller, den Schulschließungen ebenfalls kritisch gegenüber.

Wie die Zahlen einer aktuellen Anfrage der SPD-Parlamentarierin belegen, würden die landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten, beispielsweise in Mindelheim, trotz ausreichender Anzahl an Studierenden geschlossen.

Damit legt Müller ihren Finger in dieselbe Wunde wie die Stadtbergener Fink und Brunner. Mit den Schulschließungen seien mehr negative als positive Aspekte verbunden, so die Abgeordnete. „Meisterkurse können nicht mehr wohnortnah angeboten werden, in der Folge wird es weniger Meister geben. Damit fallen auch neue Ausbildungsplätze vor Ort für junge Menschen weg. Das ist kein gutes Szenario für die Landwirtschaft in Bayern.“

Umstrukturierung verursacht Kosten

Auch bei den weiteren Reformen im Agrarbereich wie dem massiven Abbau der staatlichen Landwirtschaftsberatung sieht Müller derzeit keine Verbesserungen, sondern eher steigende Kosten durch angekündigte Umstrukturierungen. Es sei begrüßenswert, dass keine Einsparungen bei den Personalkosten vorgesehen sind oder Arbeitsstellen abgebaut werden. Trotzdem entstünden durch die geplanten Veränderungen einmalige Sachkosten in Höhe von rund 302.800 € sowie jährliche Mietzahlungen für neue Büroräume in Höhe von rund 333.000 €.

Statt in Schreibtische und Verkabelungen zu investieren, wäre es Müller zufolge besser, die bestehenden Verwaltungsabläufe effizient, digital und zeitgemäß auszubauen.