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Diskussion

Schlagfertige Jungs

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Toni Ledermann
am Donnerstag, 19.03.2020 - 07:03

Hauswirtschafterinnen befragen zukünftige Landwirte

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Mindelheim/Lks. Unterallgäu - „Gesellschaft und Landwirtschaft brauchen einander! Deshalb ist es uns sehr wichtig, dass bereits die Studierenden und künftigen Betriebsleiter in unseren Fachschulen intensiv den Dialog mit der Gesellschaft führen,“ erläuterte Schulleiterin Ursula Bronner vor dem Beginn dieses Erzeuger-Verbraucher-Dialogs in der Mindelheimer Landwirtschaftsschule. Ludwig Friedrich als zuständige Lehrkraft bereitete das Projekt zusammen mit den Studierenden vor.

Im Schulwinter 2019/2020 führen erstmals alle Landwirtschaftsschulen, Abteilung Landwirtschaft, in Bayern mit einem dritten Semester im Fach „Rhetorik, Gesprächsführung und Präsentationen“ das Projekt „Zukünftige Landwirte treffen zukünftige Verbraucher“ durch. „ An unserer Schule besteht im eigenen Haus eine interessante Zielgruppe, nämlich in der Abteilung Hauswirtschaft gibt es verschiedene Verbraucherinnen: sowohl Frauen aus bäuerlichen Familien mit persönlicher Erfahrung, als auch solche, die noch nie auf einem Hof waren oder gar in einem Stall oder auf dem Feld gearbeitet haben“, fügte Bronner gegenüber der Presse hinzu.

Alltag als Unternehmer darstellen

Bei der Diskussion geht es darum, dass Landwirte lernen, ihren Alltag als Unternehmer in der Landwirtschaft darzustellen, und zwar so, dass es Konsumenten verstehen. Gleichzeitig sollen die künftigen landwirtschaftlichen Unternehmer erkennen, wie Verbraucher die Wirtschaftsweise der Bauern in unmittelbarer Umgebung wahrnehmen. Für die Verbraucherinnen ist es wichtig, am einzelnen Beispiel die Leistungen der Landwirtschaft für die Erzeugung gesunder Lebensmittel und die Pflege der Kulturlandschaft kennen und respektieren zu lernen.

Um es gleich vorneweg zu sagen: Sowohl die Jungbauern erwiesen sich rhetorisch und fachlich sattelfest aber auch die Hauswirtschafterinnen dieses Studiengangs stellten gezielt Fragen, aus denen hervorging, dass sie sich schon intensiv mit dieser Materie auseinandergesetzt haben.

Ludwig Friedrich erläuterte vorab, dass folgende Themenbereiche als Diskussionspunkte behandelt werden: Der „Arbeitsalltag eines Landwirts und Betriebsgrößen“, zu dem die Landwirte Jakob Bersch, Dominik Fritz, Frank Heckelsmüller und Luca Rapp antworteten; weiter die „Mechanisierung“ und „Wirtschaftlichkeit“, bearbeitet von Thomas Sailer, Stefan Simlacher und Andreas Riegger, der „Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie Natur- und Artenschutz, über die Andreas Rimmel und Johannes Strobl Auskunft gaben, und schließlich Fragen zur Tierhaltung, mit denen sich Stefan Schropp, Floran Grotz, Bernhard Mang und Bastian Reiber befassten.

Direktvermarktung nicht so einfach, wie es sich anhört

Eine Hauswirtschafterin wollte wissen, warum die Bauern nicht verstärkt in die Direktvermarktung einsteigen würden? Dies ist nicht so einfach, wie sich das anhört, erläuterten die Jungbauern. Es muss erst mal viel Geld in Automaten gesteckt werden – und auch die Lage des Hofs ist entscheidend. Ohne viel Durchgangsverkehr wird dieser Betriebszweig nicht angenommen.

Ein weiterer Junglandwirt wies auf die Gefahren hin, die Städter auf dem Betrieb teilweise ausgesetzt sind und ein Dritter erläuterte glaubhaft, dass ihn Fremde beim Arbeiten auf dem Betrieb stören würden.

Dass jedes Schulkind einmal auf einem Bauernhof sein soll, begrüßten die Jungbauern – doch in der Praxis werfe dies gelegentlich Probleme auf, da die Kinder zwar wichtig als die Verbraucher von morgen sind, aber der Hof vor dem Besuch auf den Besuch der quirligen jungen Leute erst mal darauf vorbereitet sein müsse.

Boden benötigt Düngung

Wie im richtigen Leben stellten die Frauen auch Fragen zur Düngung. Hierzu führten die Jungbauern aus, dass es den Verbrauchern am liebsten wäre, wenn die Lebensmittel von allein wachsen würden … Doch die Stoffe, die dem Boden durch den Anbau entnommen werden, müssen wieder zurückgeführt werden, um weiteres Wachstum zu ermöglichen, so ein Jungbauer.

Ein weiterer erläuterte die neue Düngeverordnung, die Vorschriften beinhaltet, wie Gewässerabstand, damit die Gülle nicht in den Bach laufen kann. Ergänzend wies ein weiterer Semesterteilnehmer darauf hin, dass jede Düngergabe aufgeschrieben werden muss und die Bauern in einer Nährstoffbilanz die gesamte Düngung fixieren müssen.

Die Jungbauern verdeutlichten auch, dass Pflanzenschutz sehr dosiert und nach den Angaben der Hersteller eingesetzt werden, um Ertragssicherheit zu gewährleisten und keine Resistenzen aufzubauen.

Der Komplex „Milch“ und „Kalb“ wurde auch ausführlich erörtert. So erläuterten die Studierenden, warum Kühe Nachwuchs haben müssen. Auch der derzeit niedrige Kälberpreis durch Exportverbote wegen der Blauzungenkrankheit wurde erörtert.

Ein Landwirt, dessen Eltern auf ihrem Betrieb Ammenkuhhaltung praktizieren, untersuchte in seiner Facharbeit die Vor- und Nachteile dieses Systems: So ist dies nur mit Kühen möglich, die Kälber an ihr Euter lassen.

Weidehaltung bringt nicht nur Vorteile

Eine weitere Frage zielte zur Anbindehaltung. Dazu führten die Jungbauern aus, dass dieses Problem oft durch die sogenannte Kombinationshaltung gelöst werden kann. Dabei können die Kühe teilweise ins Freie.

Abschließend wurden die Vor- und Nachteile der Weidehaltung diskutiert. Überrascht waren die Frauen über die Nachteile: Es fällt ein höherer Zeitbedarf an, ebenso ein möglicher Parasitenbefall, Unfälle durch ausbrechende Kühe, ein schlechteres Management der Hochleistungskühe und insgesamt weniger Milchleistung als im Stall.