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Schäferfest

Schafhaltung: Tierwohl ist eine Selbstverständlichkeit

Die Leidenschaft für Zucht teilen: (v. l.) Schafhalter Jörg Ederle, Stefan Fech, Stefan Fischer, Markus Bader, Josef Hartl, Christian Ullmann und Christoph Bader, Jürgen Maucher (Vorstand Vereinigung Schwäbischer Schafhalter), Josef Kinzelmann (Vorstand BHG Schafzucht) sowie Georg Zettler (Geschäftsführer Vereinigung Schwäbischer Schafhalter).
Brigitte Auer
am Mittwoch, 07.09.2022 - 10:58

Die Vereinigung Schwäbischer Schafhalter feiert Jubiläum in Stoffenried.

Robert Drexel vom Landesverband Bayerischer Schafhalter: Die Schäferei braucht eine starke politische Vertretung.

Stoffenried/Lks. Günzburg Wer zum Schäferfest nach Stoffenried kam, fühlte sich in eine andere Zeit versetzt. Im historischen Ambiente der Kreisheimatstube konnte dabei leicht übersehen werden: Das Schäferfest feierte mit zweijähriger coronabedingter Verzögerung nicht nur das 50-jährige Bestehen der Vereinigung Schwäbischer Schafhalter. Es präsentierte die Schäferei auch als Haltungsform der Zukunft.

Mit ihrer extensiven Weidewirtschaft praktizieren Schafhalter ein anderes Verhältnis zur Natur, als in der hoch technisierten Landwirtschaft üblich. „Wir müssen uns im Hütebetrieb in allem an die Natur anpassen“, erklärte Vorsitzender Jürgen Maucher. Forderungen der Gesellschaft nach mehr Tierwohl seien in der Schäferei kein Thema, da schon immer gelebt. Schafhaltung habe naturnahe Landschaften entstehen lassen und erhalte sie heute. Neben der Landschaftspflege leiste die Schäferei einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. „Die Schafe tragen Insekten und Samen von Standort zu Standort und schaffen durch das Freihalten der Flächen Lebensraum für bestimmte Pflanzen und Vogelarten.“

Nachfrage nach Lammfleisch steigt

Schafscherer bei der Arbeit: Fabian Gößler beeindruckte die Besucher mit seiner schnellen Bodenschurtechnik.

Mit dem Thema Biodiversität argumentiert Robert Drexel, stv. Vorsitzender des LV Bayerischer Schafhalter, auch im Hinblick auf die großen Beutegreifer. Gegen den hohen psychischen Druck, dem sich die Schäfer durch die Bedrohung durch Wolf oder Bär ausgesetzt sehen, hülfen auch keine Ausgleichszahlungen. Stirbt die Schäferei, sterben auch die Tiere und Pflanzen, die auf die Weideschäferei angewiesen sind. „Für eine Art viele Arten aufzugeben, macht keinen Sinn.“

Dabei haben die 350 Mitglieder der Schwäbischen Schafhaltervereinigung nicht nur zu klagen. Das Interesse am Lammfleisch nimmt bei den Konsumenten zu, gleichzeitig kommen seit dem Brexit aus Großbritannien keine Lämmer mehr und steigt Neuseeland gerade auf Rinderhaltung um, wie Josef Kinzelmann, Vorstandsmitglied der Bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht, berichtete. Da sich der zusätzliche Futtermittelbedarf und der Einsatz mineralischer Dünger in der extensiven Haltungsform in Grenzen hält, könne man in Deutschland von dem guten Lammpreis von ca. 3,40-3,60 €/ kg Lebendgewicht noch profitieren.

Ein Sorgenkind bleibt die Wolle

„Wir verdienen am Fleisch. Die Wolle entwickelt sich immer mehr zum Abfallprodukt“, bedauert Kinzelmann. Mit einem Erzeugerpreis von 40 ct/kg feinster Merinowolle lasse sich nicht einmal kostendeckend wirtschaften. Ein großes Thema seien hingegen Wollpellets. Die Schurwolle von lebenden Tieren wird dabei mit allen anhaftenden Bestandteilen wie z. B. dem Wollfett zerkleinert, getrocknet und zu Düngepellets mit ca. 4 mm Durchmesser verarbeitet. So kann das teure Waschen der Wolle vermieden und ein Preis von rund 7,5 € pro kg Pellets erzielt werden.

Auf dem Spiel, so Robert Drexel weiter, stehe derzeit das Qualitätskriterium Regionalität. Es sei eine große Herausforderung, die Schlachtung und Vermarktung von Lamm- und Schaffleisch in der Region zu halten. Hohe behördliche Auflagen hätten regionale Schlachtbetriebe zur Aufgabe gezwungen, viele Schäfer zögen sich aus der Direktvermarktung zurück. Gegen überzogene bürokratische Hürden engagiert sich der LV auch beim geplanten Antragsverfahren für die Schafprämie in der GAP ab 2023.

Höhepunkt des Schäferfestes waren die Schafprämierungen. Geprüft wurden die drei Kategorien Bemusterung, Wollqualität und Äußere Erscheinung mit einer maximalen Höchstpunktzahl von je 9.

In der Kategorie Herdbuchzuchtbetriebe konnten sich die Betriebe Otto Bader aus Neuburg a. d. Kammel (Merinolandschafe), Stefan Fischer aus Neuburg a. d. Kammel (Merinolandschafe und Coburger Fuchsschafe) und Christian Ullmann aus Mindelzell (Juraschafe) über Prämierungen freuen. In der Kategorie der Gebrauchsschafhalter wurden die Betriebe von Jörg Ederle aus Gannertshofen (Merinolandschafe), Stefan Fech aus Wortelstetten (Schwarzköpfiges Fleischschaf) und Josef Hartl aus Mühlhausen (Merinolandschafe) ausgezeichnet. Einen 1A-Sieger-Bock führte Stefan Fischer vor, den Wollsieg trug ein Bock von Jörg Ederle mit beachtenswerten 9 Punkten davon. Über den Gesamtsieg konnten sich Markus und Christoph Bader freuen, die den Pokal stellvertretend für ihren Vater entgegennahmen. Familie Bader sind Schafhalter aus Überzeugung.

Schäder aus Leidenschaft

„Wir machen es aus Leidenschaft, aus Liebe zum Schaf“, bekennt Christoph Bader. Der Betrieb der Baders ist noch im Aufbau. 150 Mutterschafe und 3 Zuchtböcke der Rasse Merinolandschaf nennen sie ihr Eigen. Die Baders verzichten auf Direktvermarktung, ihr Herz schlägt für die Zucht. „Ein guter Bock ist die Hälfte der Herde“, meint Markus Bader. Bei der diesjährigen Prämierung haben allerdings die weiblichen Schafe den Sieg gesichert.

Auch Familie Bader treibt die Sorge um: „Wir stehen kurz vor dem Wolf.“ Für einen Zuchtbetrieb wie den ihren seien Verluste in der Herde noch schmerzhafter. „Man baut eine Beziehung auf und dann gehst du raus und siehst: Der Wolf war da.“ Die Baders wünschen sich von staatlicher Seite nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Hilfe bei der praktischen Umsetzung der Herdenschutzmaßnahmen.

Kreisheimatpflegerin Barbara Mettenleiter-Strobel hat auf dem Areal der Kreisheimatstube Stoffenried eine traumhafte Kulisse für das Jubiläumsfest der Schwäbischen Schafhalter geschaffen. Kulinarisches vom Schaf wurde unter schattigen Obstbäumen genossen. Historisches Gerät veranschaulichte Informationen vom Verein für Schäfereigeschichte. Alte Wolltechniken wie Spinnen, Filzen oder Stricken wurden vor Ort vorgeführt.