Seminar

Sachkunde und Geschick erforderlich

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Michael Ammich
am Donnerstag, 15.04.2021 - 15:33

Auch im Hausgarten sind Hitze und Trockenheit zunehmend ein Thema. Eine gute Pflanzenauswahl kann helfen.

Wer seinen Hausgarten liebt und ihn fit für den Klimawandel machen will, kann viel von der Landwirtschaft lernen. Auf die richtige Sortenwahl, einen geeigneten Dünger, guten Boden und ausreichende Feuchtigkeit kommt es an, erklärte Brigitte Goss in einem Online-Vortrag für den vlf Donau-Ries. Die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Schweinfurt gab zahlreiche Tipps, wie die Freude am Gärtnern und an einer blühenden Umgebung trotz zunehmenden Hitze- und Trockenperioden erhalten bleibt. Goss ist aus dem Bayerischen und Mitteldeutschen Rundfunk bekannt, wo sie in TV-Sendungen zum Thema „Garten“ als fachkundige Expertin auftritt. Darüber hinaus hat sie mehrere Gartenbücher verfasst und setzt sich ehrenamtlich als deutsche Botschafterin für die europaweite Gartenbewegung „Natur im Garten“ ein.

Der Garten kann sich anpassen

In ihrer unterfränkischen Heimat bekommt die Gartenliebhaberin den Klimawandel ganz besonders zu spüren. „Unterfranken wird von ihm mehr gebeutelt als die meisten anderen bayerischen Regionen“, sagte Goss. „Im Schweinfurter Becken leiden wir im Sommer oft unter wahnsinniger Hitze und der jährliche Niederschlag beläuft sich auf nur 550 mm.“

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Der Klimawandel zeigt sich jedoch nicht nur in langen Hitze- und Trockenzeiten, sondern auch in zunehmenden Starkregenereignissen – allesamt Erscheinungen, die dem Gartenliebhaber wenig Freude bereiten. Aber: Der Garten kann sich anpassen – Stichwort „Resilienz“. Dazu ist allerdings auch eine Portion gärtnerische Sachkunde erforderlich.

Ein widerstandsfähiger Hausgarten zeichnet sich durch eine gute Pflanzenauswahl und Anbaumethode aus, durch entsiegelte Flächen und gut vorbereitete Böden. Das Gegenteil lasse sich allzu oft in Neubausiedlungen beobachten, wo viele Menschen mit ihrem Garten „nichts anfangen“ können, so Goss. Dabei gibt es viele Stauden, Sträucher und Bäume, die sich als klimatolerant erweisen und wenig pflegebedürftig sind.

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Zu den Gewinnern des Klimawandels gehört das Obst. Hier gibt es zahlreiche wärmeliebende Arten wie Birne, späte Weintrauben, Johannisbeere, Aprikose, Felsenbirne oder auch die Indianer-Banane. Wer solche Pfanzen aus dem Gartenmarkt bezieht, läuft jedoch eher Gefahr, dass aus ihnen nichts wird, als derjenige, der sie in Form von Stecklingen aus einem anderen Garten „schnorrt“.

Beim Anbau von Gemüse gilt es ebenfalls, sich auf das veränderte Klima einzustellen. So empfiehlt es sich, früher im Jahr mit den Kulturen zu beginnen, im Sommer Anbaupausen einzulegen und das Gemüse anzusäen statt es als Pflanzgut in Erdpresstöpfchen zu kaufen. Bei der Saat geht die Wurzel nämlich schneller in die Tiefe, erklärte Goss. Außerdem sollte der Gärtner unbedingt auch auf Herbstkulturen setzen. Die Gartenexpertin riet zu Mischkulturen. Im Herbst ist der Boden noch sehr warm und bei einer frühen Bearbeitung, beispielsweise durch Umgraben, wird Stickstoff freigesetzt und Humus abgebaut. Statt Umgraben sind daher der Anbau von Feldsalat und Spinat oder die Einsaat von Gründünger angeraten.

Organische Dünger gezielt nutzen

Das Bodenleben lässt sich mit Kompost und Wurmhumus fördern, durch eine überlegte Fruchtfolge, Zwischenfrüchte, den Anbau von Stickstoff sammelnden Leguminosen sowie die organische und die Gründüngung. Als attraktive Zwischenfrüchte bieten sich beispielsweise Sommerblumen wie das Schmuckkörbchen (Cosmea) an. Ein guter organischer Dünger ist die Lauberde, ein Gemisch aus Laub und Pferdemist oder anderen organischen Resten.

Von Terra Preta, also einem Gemisch aus Holz- und Pflanzenkohle sowie anderen organischen Stoffen, riet Goss dagegen ab. Mag die Terra preta in nährstoffarmen tropischen Böden eine gute Wirkung entfalten, so kann sie – vor allem, wenn sie vom Gärtner selbst hergestellt wird – durch die Verbrennung giftige Stoffe wie Dioxin enthalten. Zu viel Düngung könne ohnehin schaden, warnte Goss. Hier gilt es auf bewährte Mittel wie den Kompost zu setzen, der Phosphat, Kalium und Kalzium liefert. Wurmhumus wiederum enthält wertvolle Huminstoffe, Kaffeesatz zwei bis drei Prozent Stickstoff. Als Nährstoffe bieten sich auch käufliche Malz- und Kleedünger an, abgelagerter Pferdemist, gepresster Rinderdung, Hornspäne und damit vergleichbare Vogelfedern oder auch Schafwollpellets. Letztere haben den Vorteil, dass sie nicht nur hervorragende Wasserspeicher und Stickstoffspender sind, sondern auch lästige Schnecken abwehren.

„Ein Boden mit aktivem Bodenleben und einer guten Struktur kann bis zum Vierfachen seines Eigengewichts an Wasser speichern und reinigen“, betonte Goss. Im Öko-Landbau sei die Infiltration von Niederschlagswasser laut Thünen-Institut um 137 % höher. Ein einfaches Verfahren, den Boden langsam, beständig und gleichmäßig mit Wasser zu versorgen, ist die „Olla-Bewässerung“: Zwei Blumentöpfe werden an ihren oberen Rändern zusammengeklebt, in die Erde gesteckt und durch das Bodenloch mit Wasser befüllt.

Wer sich Arbeit sparen will, ist mit einer standortgerechten Pflanzenauswahl gut bedient. Unterpflanzungen helfen gegen Austrocknung und wucherndes Unkraut. So lassen sich auch Bäume rings um den Stamm unterpflanzen. Dafür sind Storchschnabelgewächse besonders gut geeignet. Werden Gartenpflanzen in Stufen oder Wellen kultiviert, also im Wechsel von höheren und niedrigeren Stauden, hat das Auge in der Vegetationszeit immer etwas Blühendes zu sehen.

Für schattige Ecken im Hitzesommer können lebende Lauben sorgen. Hier tun oben zusammengebundene Mehlbeeren-Bäume einen guten Dienst. Robuste und pflegeleichte Sträucher wie der Zwergflieder vertragen Trockenheit, der Cotoneaster oder die Strauchpfingstrose auch Kältephasen. Als Ersatz für den krankheitsanfälligen Buchsbaum empfahl Goss die Spindelsträucher. Auch dem Gras lässt sich Gutes tun: Wer den Rasen weniger oft mäht, gibt ihm die Chance den Nachttau zu halten und damit Feuchtigkeit zu sammeln.

Persönliche „Gartenlieblinge“ vorgestellt

Abschließend stellte Goss ihre „Gartenlieblinge“ vor. Dazu gehören Duftnesseln und hier ganz besonders die Agastache Black Adder sowie der Englische Lavendel, die sich beide als wahre Schmetterlingsmagneten erweisen. Weitere Insektenpflanzen sind Natternkopf und Glockenblumen. Sonnig, heiß und trocken mögen es Spornblume und Färberkamille. Trockene und schattige Lagen bevorzugen der Steinsame, die Waldaster, wilde Fingerhutarten oder das Blut-Johanniskraut. Mit wenig Wasser und Pflege kommen Nelken und die Zinnia alternifolia aus.

Goss sang ein Loblied auf die Geranie. „Bei dieser Pflanze sollte sich der Gärtner nicht verkrampfen und nur an die Insekten denken, sondern sich auch mal zur Farbenfreude bekennen.“ Selbst die vielfach geschmähten Kiesgärten könnten durchaus ökologisch wertvoll sein, wenn sie durchdacht angelegt und mit insektenfreundlichen Blühpflanzen bestückt werden.