Öko-Modellregion

Rückenwind für Günztaler Weidevieh

Günztal
Franz Kustermann
am Dienstag, 12.11.2019 - 09:19

Die Öko-Modellregion Günztal zurrt ihre Zusammenarbeit und die Kostenverteilung fest.

Ottobeuren/Lks. Unterallgäu - Die von 15 Kommunen gegründete, landkreisübergreifende „ÖkoModellRegion Günztal“ zurrte in seiner ersten gemeinsamen Sitzung im Haus des Gastes in Ottobeuren eine Zweckvereinbarung über ihre Zusammenarbeit und die Kostenverteilung zusammen. Als Koordinatorin und Projektmanagerin wurde von dem Gremium aus den 15 Bürgermeistern die 31-jährige Rebecca Schweiß eingestellt. Sie tritt ab 18. November in einer Bürogemeinschaft mit der Stiftung KulturLandschaft Günztal in der Ottobeurer Bahnhofstraße 38 (ehemalige Arztpraxis) ihren Dienst an.

Vorerst nur angelegt auf zwei Jahre rechnet die Modellregion mit jährlichen Kosten von 73.580 €, wovon 68.000 € förderfähig sind und vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über das Amt für ländliche Entwicklung Schwaben mit 75 Prozent bezuschusst werden. Den Eigenanteil von 22.580 € wollen die 15 Gemeinden laut ihrem Einwohneranteil zum Jahresende 2018 aufteilen.

Die Modell-Region hat vereinbart, dass die Marktgemeinde Ottobeuren die Verwaltungsarbeiten im Vorfeld, die Kämmerei von Obergünzburg die förderrechtliche Abwicklung während der zweijährigen Laufzeit jeweils auch für die anderen Kommunen kostenfrei übernimmt. Einziger finanzieller Unsicherheitsfaktor seien noch die Reisekosten der Projektmanagerin.

Zahlreiche Projekte

Die 31jährige Rebecca Schweiß hat nun in Zusammenarbeit mit einer „Lenkungsgruppe“ die benannten Projekte umzusetzen. Diese sind: 

  • Förderung des „Günztaler Weidrinds“
  • Anbau alter Kultursorten aus der Region
  • Förderung und Bündelung des Ackerbaus im Bereich Speisemarktfrüchte
  • Anlage und Pflege von Streuobstwiesen und Vermarktung
  • Etablierung von Günztaler Bioprodukten in der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie
  • Ausbau der Direktvermarktung und Diversifizierung im Bereich Milch, sowie Informations und Bewusstseinsbildung der Bevölkerung.

Weitere Projekte können mit Zustimmung der Lenkungsgruppe für alle, aber auch für einzelne Gemeinden, entwickelt und durchgeführt werden. Zusätzlicher Sach- und Projektaufwand für Projekte, die nur einer Gemeinde zugute kommen, trägt die jeweilige Kommune alleine.
Die etwa dreimal jährlich tagende „Lenkungsgruppe“ besteht jeweils aus einem Ersten Bürgermeister aus den Verwaltungsgemeinschaften Obergünzburg, Ottobeuren und Babenhausen. Die Kommunen, Markt Rettenbach, Westerheim, Holzgünz, Sontheim und Ungerhausen entsenden nach Absprache einen (stimmberechtigten) Ersten Bürgermeister aus ihren Reihen. 

Berater zur Seite

Nur „beratend“ gehören der Lenkungsgruppe zudem folgende natürlichen oder juristischen Personen an:

  • ProNah Unterallgäu e.V.
  • Stiftung KulturLandschaft Günztal
  • der Umweltbeauftragte des Marktes Ottobeuren, Erich Lerf
  • die stellvertretende BBV-Kreisbäuerin Marlene Egger
  • der Vertreter der konventionellen Landwirtschaft, Stefan Weinhardt
  • der Landschaftspflegeverband Unterallgäu e.V.
  • der Vertreter des BioAnbauverbandes Josef Friedl; sowie
  • ein Vertreter des Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF).

Gesamte Landwirtschaft einbinden

Günzachs Zweiter Bürgermeister Rudolf Rauscher machte deutlich, dass die Region mehr habe als nur eine Bioschiene: „Es ist wichtig, dass vor allem auch die gesamte regionale Landwirtschaft mit eingebunden wird“. Andernfalls habe man in zwei Jahren ein Problem.

Christa Bail hält es für ganz wichtig, dass nicht nur Öko- und Biolandwirte, sondern insbesondere das „Miteinander“ gefördert wird: „Zur Ökoregion gehörten auch besonders nachhaltig wirtschaftende Gewerbebetriebe“. Josef Fickler erläuterte hierzu, dass etwa die Ungerhausener Firma Müller energieautark und größtenteils nur mit eigenerzeugter Sonnenenergie arbeitet. Laut Ottobeurens Bürgermeister German Fries haben sich „alle ganz freiwillig zusammengefunden, weil alle von der Idee überzeugt sind, dass das ÖkoModellprojekt wunderbar in das Günztal passt“. Wenn das Projekt gut läuft, werde man nach zwei Jahren hierfür auch eine Anschlussfinanzierung finden.

Rebecca Schweiß will nun als erstes die Region und alle Beteiligten kennenlernen: „Im Rahmen der Lenkungsgruppe werden dann die Prioritäten gesetzt“, die die Projektmanagerin dann zügig umsetzen will. Anfang des kommenden Jahres soll eine Hauptversammlung stattfinden, wo Bürgermeister und Lenkungsgruppe gemeinsam tagen.