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Flutpolder

Rettungsaktion für Riedlinger Flur

Riedlinger Moos
BLW
am Mittwoch, 08.01.2020 - 09:19

Bei betroffenen Anliegern regt sich der Widerstand gegen das Hochwasserrückhaltebecken im Donauwörther Naherholungsgebiet.

Riedling/Lks. Donau-Ries - Bis auf den letzten Platz war der Saal im Riedlinger Schützenheim bei der Informationsveranstaltung zum geplanten Hochwasserrückhalteraum Donauwörth besetzt. Im Publikum fanden sich nicht nur eine Reihe betroffener Landwirte und Grundstückseigentümer, sondern auch Anwohner der benachbarten Wohnhäuser, aus der Wochenendsiedlung des Riedlinger Baggersees sowie Gewerbetreibende. Auch einige Stadträte sowie Vertreter der Fischerei und der Jagd waren der Einladung gefolgt, um mehr über das Hochwasserrückhalte-Projekt Donauwörth zu erfahren.

Stand der Planungen für das 140-Hektar-Areal

Seit Ende des Jahres 2018 bekannt wurde, dass ein etwa 140 ha großes Gebiet zwischen der B16 und dem Kesseldamm in die Planungen des bayerischen Hochwasseraktionsprogramms 2020plus aufgenommen wurde, kämpft eine örtliche Interessengemeinschaft darum, Genaueres über die Planungen und Hintergründe zu diesem „Flutpolder“ zu erfahren.

Das Ergebnis ihrer intensiven Recherchen und der bisher stattgefundenen Vorstellungen des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth präsentierte die von den Planungen stark betroffene Landwirtin Ulrike Wagner in ihrem Vortrag anschaulich und faktenorientiert: Durch einen ca. 1,1 bis 1,3 km langen neu entstehenden Damm (je nach Variante) soll am westlichen Rand der Riedlinger Baggerseen ein Querriegel mit einer Höhe von etwa 3 m zwischen der Bundesstraße und dem bestehenden Deichsystem geschaffen werden.

Um entsprechende Flutungen des Planungsbereichs, der sich auf eine Länge von ca. 2,3 km Richtung Tapfheim erstreckt, zu ermöglichen, muss gleichzeitig der aktuelle Kesseldamm geöffnet werden. Ohne diese Deichrückverlegungsmaßnahmen bleibt das Gebiet zum aktuellen Stand nämlich nahezu hochwasserfrei. 

Wie kommt Hochwasser von der Donau?

Völlig unverständlich ist den betroffenen Anliegern dabei, dass im Einsatzfall Hochwasser aus der Donau in dieses Gebiet gelangen soll. Wie soll es möglich sein, dass sich Wasser über zwei Kilometer „bergauf“ im Flussbett der Kessel durch natürlichen Rückstau aufstaut? Diese Frage stellt sich insbesondere, weil dieses Gebiet höher liegt als die Wohnbebauung in Donauwörth. Die Sprecherin stellte die geplanten Wasserspiegellagen ihren eigenen Beobachtungen gegenüber und weckte damit auch beim Publikum einige Zweifel an der technischen Umsetzbarkeit. 

Als größtes Risiko kommt bei den Überlegungen aber der sandige und kiesige Untergrund ins Spiel, der massive Auswirkungen auf das Grundwassergeschehen nicht nur im direkten Planungsbereich, sondern insbesondere auch im Bereich der Riedlinger Baggerseen und des benachbarten Industriegebiets befürchten lässt.

Abwägung von Risiko und Nutzen

Hochwasserschutz ist ein wichtiges Thema für alle Städte an der Donau und ganz besonders auch für Donau­wörth. Daran gab es auch an diesem Abend keinen Zweifel. Dennoch muss bei den Planungen von Rückhaltebecken durchaus zwischen den entstehenden Risiken und Gefahren und dem erzielbaren Nutzen abgewogen werden. Gegenüber den zahlreichen negativen Aspekten, die auch bei der offenen Diskussionsrunde aus dem Publikum noch weiter ergänzt wurden, erscheint das erzielbare Rückhaltevolumen mit 1,5 Mio. m³, das bei einem Hochwasserereignis in Donauwörth (HQ100) lediglich 17 Minuten Erleichterung entspricht, viel zu gering.

Für die engagierten Initiatoren der an diesem Abend gegründeten Interessengemeinschaft „Rettet die Riedlinger Flur“ gibt es folglich nur eins: keine Deichrückverlegungen und keine Flutungen im Riedlinger Naherholungsgebiet! Insbesondere nicht wie geplant bei relativ häufig zu erwartenden mittleren Hochwasserlagen. Und um mit ihrer Forderung zukünftig mehr Gehör zu finden, suchen sie Mitstreiter, die mit ihrer Unterschrift diejenigen unterstützen, die sich als Sprecher zur Verfügung gestellt haben: Ulrike Wagner, Doris Schwarz, Georg Straß und Hans Keßler.

Da kann es nur als Anerkennung und Ansporn gewertet werden, dass sich bei der Veranstaltung spontan bereits über hundert Unterstützer der Interessengemeinschaft angeschlossen und neben dem Bayerischen Bauernverband auch die anwesenden Stadträte sowie die Oberbürgermeister-Kandidaten ihre Unterstützung zugesagt haben.